Google vs. Verlage: Mein Lösungsvorschlag für das leidige Leistungschutzrecht
Neu erfinden muss man für diese Lösung nichts. Google hat auf seinem Video-Portal YouTube bereits ein Partnerprogramm, in dem sich Videoproduzenten (darunter Russ Media, Kleine Zeitung, Krone, Salzburger Nachrichten, Red Bull Medienhaus u.a.) und Google die Einnahmen aus der Werbung rund um die Clips teilen - und dabei bekommen die Google-Partner sogar mehr als 50 Prozent. “Das Gesetz ist nicht notwendig, da Verlage und Internet-Firmen auch so gemeinsam an Innovationen arbeiten können, wie das Google bereits in mehreren Ländern gemacht hat. Das gilt auch für Österreich”, hat Google-Österreich-Chef Markus Kienberger im Rahmen meiner Recherchen zu einem HORIZONT-Artikel zu mir gesagt. Jetzt kann die Branche zeigen, wie innovativ sie wirklich ist.
Desaster in Deutschland Wenn die Verleger mittels Politik gegen Google arbeiten und ein Leistungsschutzrecht durchsetzen, anstatt mit Google zusammenzuarbeiten, so seien sie an das deutsche Schicksal erinnert. Denn ab heute kann man sich sehr simpel vor Augen führen, welche Folgen das neue Leistungsschutzrecht für Presseverleger, das am 1. März verabschiedet wurde, nach sich zieht: Dazu muss man nur Google News in einem und Rivva.de in einem anderen Browser-Fenster aufmachen und vergleichen. Während man bei Googles News-Dienst wie gewohnt Anrisstexte, Vorschaubilder und Links zu den großen Nachrichtenseiten Deutschlands finden wird, ist die Suppe beim kleinen, sympathischen News-Aggregator Rivva ziemlich dünn. Denn dort, so gab Macher Frank Westphal heute bekannt, müssen 650 Lokalzeitungen, Magazine und Blogs aus dem Index genommen werden. Ihre Inhalte werden künftig nicht mehr bei Rivva.de vorkommen, was schade ist - immerhin bin ich wie sicher tausende andere Internetnutzer auf diesem Weg auf interessante Storys gestoßen, die ich wohl sonst nicht entdeckt hätte.
“Rivva Search und Social ereilt das Unvermeidliche”, schreibt Westphal, der Rivva.de alleine betreibt, wehmütig. “Es ist traurig. Der bürokratische Aufwand, um alle interessanten Quellen einzeln um Erlaubnis zu fragen, sprengt ein Ein-Personen-Projekt. Was fehlt, ist ein maschinenlesbarer Standard.” Westphal will nicht riskieren, dass er wegen der Verwendung der Nachrichten-Snippets (Vorschaubilder, Anrisstexte) Geld an den Urheber zahlen muss, so wie es das Gesetz vorsieht.
Fast alle geben Google das Ja-Wort Für den Internet-Konzern Google hingegen, gegen den die Medienkonzerne Axel Springer und Burda das Leistungsschutzrecht (a.k.a. “Lex Google”) eigentlich vehement gefordert haben, bleibt vorerst alles gut. Denn anders als bei Rivva.de sind die Inhalte hunderter deutscher Verlage weiterhin bei Google News wie gewohnt zu finden - zumindest vorerst. Ausgerechnet der Axel-Springer-Verlag (Bild.de, Welt.de) hat sich per Opt-in dafür entschieden, dass seine Inhalte weiter bei Google zu finden sind. Wie ein Konzern-Sprecher taz.de sagte, sei das aber nur “vorläufig”, weil man nach wie vor eine Verwertung anstrebe und sich vorerst aus “juristischen und technischen Gründen” dieses “Intermezzo” ergebe. Auch der Burda-Verlag (Focus.de) gab Google das Ja-Wort, bereitet aber laut Vorstand Philipp Welpe die Verwertung vor. Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) empfiehlt seinen Mitgliedern, Google die kostenlose Nutzung ihrer Verlagserzeugnisse durch Google News „vorläufig“ zu gestatten. Derweil prüfe man die “Rahmenbedingungen einer Verwertungsgesellschaft”, mit der man dann gezielt Geld bei Google holen kann. Schließlich hat auch FAZ.net, ebenfalls ein LSR-Befürworter, Google erlaubt, seine Inhalte vorläufig zu indexieren. Man hätte sonst "erhebliche Reichweitenverluste" in Kauf nehmen müssen.
Noch kurioser wird die Sache, wenn man sich Online-Medien abseits von der Großkonzerne Springer und Burda ansieht. Denn die wollen den Leistungsschutz gar nicht in Anspruch nehmen, sondern weiterhin vom guten Google-Saft naschen. Nachrichten-Portale beziehen von Google im Schnitt 50 Prozent ihrer Zugriffe, weltweit liefert die Suchmaschine eigenen Angaben zufolge sechs Milliarden Klicks pro Monat auf Verlagsseiten. Sueddeutsche.de (offizieller Partner von Rivva.de), Spiegel Online oder Zeit Online etwa haben sich dafür entschieden, weiter bei Google gelistet zu bleiben. Nur die Saarbrücker Zeitung, der Trierische Volksfreund, die Lausitzer Rundschau und die Rhein-Zeitung verweigerten Google bisher das Ja-Wort.
















