Hephaistion und die Kunst der Roller-Reparatur
An der Tür der neuen Markenwerkstatt beschloss ich, den Kalabreser zu vermissen, der in der Vergangenheit meine zweirädrigen Personenbeförderer reparierte. Sein Hof war normalerweise mit einem wilden Sammelsurium von Rollern der verschiedensten Marken angefüllt.
Teure Vespas, Piaggios und Aprilias standen neben billigen chinesischen Rollern aus dem Baumarkt, alle einträchtig nach einem System und nach Methoden repariert, die nur er kannte und die er eines Tages einem Auserwählten beibringen würde, bevor er auf seiner eigenen rot-weissen Vespa in seine Heimat reist. Das war in Wirklichkeit dann aber wahrscheinlich nicht Kalabrien, sondern Hephaistion, die Dimension kurzgewachsener, allzu reichlich behaarter Techniker und Handwerker mit merkwürdigem Humor und einer langen Feindschaft mit dem Volk der Zwerge.
Die neue Werkstatt ist viel näher, viel schneller zu erreichen, eine kleine Halle, angefüllt mit Peugeot-Rollern, schnittigen Speedfight und Jetforce, Kisbee- und Vivacity-Arbeitspferden, zierlichen Ludix und einer zum Teil zerlegten V-Clic, der ersten Wahl des Unterschichtlers mit Niveau. Dazwischen steht eine einsame Keeway Matrix mit einem beachtlichen Kilometerstand, ein Einwanderer von den Ufern des Quian Tang, der auf ein Ersatzteil wartet, das sicher so wenig original sein wird wie das für meinen Roller. Der Mechaniker wandert zwischen den Gefährten herum, in Halbsätzen die Frage aufwerfend, warum dieses spezielle Teil an der Ludix defekt war, etwas, das ihm noch nie zu vor begegnet ist.
Paula widmete dem Zweck dieses Ausfluges und den damit verbundenen Kosten einen hingebungsvollen Wutanfall, bei dem sie auch darauf einging, dass ich kein Auto habe, eine Tatsache, die unbestreitbar ist, aber für mich nicht nur auf den geringen Enthusiasmus zurück zu führen ist, mit dem ich dieser Idee begegne, sondern auch auf einen gewissen Mangel an Geld. Unser Etat ist nach meinem Begreifen mit einem grossen Haus, ungefähr acht Katzen und einem Auto schon mehr als beansprucht. Da mich die örtliche Raiffeisenkasse in diesem Gedankenverbrechen bestärkt, mangelt es mir zugegebenermassen ebenso an der Einsicht in meine Schuld wie an der Bereitschaft, rituellen Selbstmord zu begehen, indem ich mich in meinen Kugelschreiber stürze.
Um Slaughterhouse 90210 zu zitieren, die David Mitchell zitiert: “Human beings need to watch out for reasonless niceness too. It’s never reasonless and its reason’s not usually nice.” Schopenhauer hätte ihr zugestimmt. Er vertrat stets die Ansicht, unglücklich zu sein, sei der Normalzustand des Menschen, ein Standpunkt, den er gewiss als zu optimistisch verworfen hätte, wäre er denn verheiratet gewesen. Allerdings pries er auch die nicht-eheliche Beziehung, die zu seiner Zeit weniger beliebt war, was er mit der Theologie der Reformation und der Gegenreformation begründete.