Auftaktabend der Mainzer Fantage in der MM-Retrospektive
Am gestrigen Donnerstag Abend war es endlich so weit und die 1. Mainzer Fantage wurden mit der Veranstaltung "Rollt der Fußball nur noch, damit der Rubel rollen kann?" eröffnet.
Für unser Podium hatten wir tolle und schlagkräftige Gäste organisiert, die den Besuchern der Veranstaltung sehr glaubwürdig ihre Standpunkte präsentierten und diese offenbar auch gut unterhielten, aber auch im ein oder anderen Punkt für Aufklärung sorgen konnten.
Von der Uni Mainz war Christian Alfs mit von der Partie. Der Doktorand und wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Sportökonomie und -management konnte mit einigen interessanten Hintergrund-Infos die Diskussion mit Wissen anreichern, dass für viele der Zuhörer noch gänzlich neu war. Unter anderem Aussagen wie "Werbung kann nicht Hauptthema des Fußballs sein. Sponsoring ist Teil des Fußballs, aber der Fußball muss an erster Stelle stehen." und "Der Sport lebt von der Emotionalität. Ohne Fans würde der Fußball gar nicht funktionieren."blieben da sicherlich bei einigen hängen und bekräftigen eine Sicht, die auch wir teilen.
Dag Heydecker, Geschäftsführer für u.a. Marketing bei Mainz 05, war als Lokalmatador natürlich vielen Zuhörern ein Begriff. Dass wir mit Dag da einen guten Mann im Verein haben, wussten wir zwar schon, aber gestern durften sich die Anwesenden selbst auch ein Bild davon machen. Dass Dag gerade die von den Verbänden auferlegten Regeln, wie das Financial Fairplay oder ein Salary Cap kritisch sieht und dies auch bei Vereinen wie Hoffenheim und Wolfsburg tut, brachte er gestern Abend zum Ausdruck. Mit Aussagen wie "Es ist nicht zu verhindern, dass Vereine wie Leipzig aufsteigen und zur Bedrohung für Mz05 werden." machte er auch deutlich, dass er dieser Entwicklung mehr als kritisch gegenüber steht und sich eine solche Entwicklung für und bei Mainz 05 nicht vorstellen kann und will.
Aus Dortmund war Daniel Lörcher angereist. Daniel, selbst Mitglied der Ultragruppe "The Unity" und ebenso Vertreter von "ProFans" konnte auf seine unnachahmlich schwungvolle Art dem Publikum verdeutlichen, wie wichtig die Fans für den Fußball und dessen Vermarktung sind. Ihm war es wichtig darauf hinzuweisen, dass Fans nicht alle Arten von Sponsoring verteufeln, aber dass man vorsichtig sein müsse, wie weit es gehe, bzw. dass es nicht zu weit gehe. Ein Ausverkauf des eigenen Vereins, der eigenen Identität, der Farben und dergleichen käme für ihn, so wie für die meisten leidenschaftlichen Fußballfans nicht in Frage. Aussagen wie "Sponsoring muss es geben, allerdings vernünftig. Fußballvereine sind keine marktwirtschaftlichen Unternehmen, da sie kein wirkliches Produkt sondern vielmehr Emotionen und Leidenschaft verkaufen." oder "Der gemeinsame kleinste Nenner muss gefunden werden. Die Sponsoren müssen Wege finden, den Leuten die Entscheidung zu lassen, ob sie die Werbung annehmen wollen oder nicht." brachten ihm viel Beifall und viele Symphatien ein.
Punkten konnte aber auch unser Gast von einem der Hauptsponsoren von Mainz 05, der Leiter Unternehmenskommunikation von Coface, Erich Hieronimus. Er sprach recht nüchtern, aber keinesfalls vermessen über die Ziele des Engagements von Coface Deutschland, über die Grenzen eines Sponsors und zeigte auf sehr symphatische Art und Weise, dass ein Sponsor eben auch von Menschen mit Verstand aber vor allem mit Herz geführt werden. Zumindest ist dies bei Herrn Hieronimus der Fall! Mit Aussagen wie "Heuschrecken-Taktik, schnell rein, alles fressen und wieder raus, kann nicht das Interesse von Sponsoren sein!" und "Wir geben das Geld lieber in so ein Projekt (Mainz 05), als dass wir es irgendeinem Sender irgendwo hinschieben..." oder "Die Fans auf der Stehtribüne sollten nicht als Teil einer Theaterinszenierung gesehen werden." zeigten auf, dass wir es in Mainz mit diesem Sponsor offenbar recht gut getroffen haben.
Unser letzter Gast hatte die weiteste Anreise und war aus dem schönen Salzburg zu uns gekommen. Mit Volker Rechberger hatten wir einen ehemaligen Vorstand des 2005 neugegründeten Vereins Austria Salzburg und langjährigen Anhänger von eben diesem (auch schon vor der feindlichen Übernahme des Ursprung-Vereins durch den Dosenhersteller) bei uns, der uns direkt zum Auftakt der Veranstaltung tiefe Einblicke in das Seelenleben eines Fußballfans mitnahm, der seines Vereins sozusagen beraubt wurde. Volker konnte überdies erklären, dass für den sportlichen Erfolg Sponsoren dringend notwendig sind und man das auch bei ihnen so sieht. Wichtig ist, dass die Sponsoren sich auch auf den Verein einlassen. In Salzburg haben die Sponsoren das mittlerweile verinnerlicht und akzeptieren dies auch. "Ihr habt in Deutschland wahrscheinlich die beste Liga, mit der besten Stimmung und den besten Fans! Das sollte man erhalten!" appellierte er an das Publikum!
Geleitet wurde die Runde von Journalist Martin Quast, der dies sehr souverän und gut machte. Er war top-vorbereitet und seine investigativen Fragen machten die Diskussion sehr unterhaltsam und kurzweilig.
Zur Einstimmung in den Abend gab es den von uns selbst produzierten Film "Salzburg ist weiß-violett!" zu sehen, den ihr hier sehen könnt:
Mainzer Fantage - Austria Salzburg.
Was man sehr gut sehen konnte, war, dass wir hier in Mainz glücklicherweise (noch) keine allzu großen Probleme mit übertribeen Sponsoring haben, zumindest mal nicht mit dem erschienenen Sponsor. Das ist gut und wichtig und zeigt, dass sich Mainz auch hier Menschlichkeit bewahrt, nicht zuletzt dank Dag Heydecker und anderen handelnden Personen im Verein. Wir nehmen das als eine der wichtigsten Erkenntnisse mit aus dem Abend!
Erschienen waren ca. 250 Besucher, von denen viele nicht der aktiven Fanszene zuzurechnen waren, was natürlich für uns ein besonderer Erfolg und angestrebtes Ziel war.
Medial wurde das ganze durch die Jungs und Mädels von Rheinhessen-on-Tour begleitet, die unter anderem schon vorab ein paar Stimmen zu den Erwartungen an den Abend und nach der Diskussion über diese eingefangen haben:
In den kommenden Tagen, soll die Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung auch noch online gehen. Wir halten euch da auf dem Laufenden. Für diese beiden Dinge und auch für die Fotos von der Veranstaltung ein großes Dankeschön!
Die gesamte Sendung gibt es mittlerweile übrigens auch auf dem Youtube-Kanal von RoT (Edit 11.09.12):
Der Mainzer Fankanal hat seit heute auch seine Sendung dazu online! (Edit am 11.09.12)
Danke von Herzen haben wir auch an unsere Gäste zu sagen! Danke an Martin Quast für seine tolle Moderation. Danke an Volker Rechberger, dass er den weiten Weg aus Salzburg auf sich genommen hat, um hier bei uns in Mainz die Geschichte der Austria zu erzählen und davor zu warnen, dass wir uns nicht auf solche Art und Weise unser aller liebstes Hobby nehmen lassen dürfen! Danke an Erich Hieronimus für die Einblicke aus Sicht eines Unternehmens, für die erfrischende Art und Weise des Umgangs mit uns Fans und mit dem Engagement bei unserem Verein! Danke an Daniel Lörcher, der uns Fans mehr als würdig vertreten hat und wir denken auch das passende Sprachrohr der Fanszenen in Deutschland war! Danke an Dag Heydecker, der wie immer, frei von der Leber weg, authentisch und ehrlich an der Diskussion teilnahm und uns allen somit auch ein wenig die Angst vor drohenden Horrorszenarien nehmen konnte! Danke an Christian Alfs, der als ruhender Pol an so mancherlei Stelle eine gewisse Sachlichkeit und Fakten mit einbrachte!
Danke an das Logistik-Orga-Team der Mainzer Fantage (namentlich Sina und Max) für den reibungslosen Ablauf der Geschichte! Und zu guter Letzt danke an alle Leute, die die Veranstaltung besucht und sich informiert haben!
Wir hoffen ihr alle fungiert als Multiplikatoren und sorgt mit uns zusammen auch in Zukunft für den Erhalt der Fankultur!
P.S.: Einzelne Zitate des Abends sind auf dem Twitter-Kanal der Mainzer Fantage nachzulesen! Folgen, Herrschaften! ;-)














