Wie immer steht zwischen uns, daß ich „dafür“ Geld bezahle. Mutter nimmt die Kaffeekanne, wie man ein totes Opossum im Genick packt und schenkt sich ein, ihre Lippen dabei betont spitz, so daß sie vorne blaß sind. Ein Kopfschütteln wie von Parkinson verursacht, scheinbar, doch in Wahrheit völlig kontrolliert. Es ist das Unverständnis, das sich rhythmisch korrekt bewegt wie ein Metronom: nein-nein-nein-nein. Nein zu diesem Sohn, nein zum Leben dieses Sohnes, nein zu ihrem eigenen Leben, diesem Leben mit diesem Sohn, mit dem sie der gleichgültige Gatte schon bald nach der Geburt zurückgelassen hatte. Das Brot ist am Rand bereits trocken. Eine extra dicke Schicht Kräuterquark bewirkt: nichts. Nur, daß Mutter den Quark mit ihren Blicken salzt. Versalzt. Mir ist der Appetit verlitten. Stumm sitze ich vor diesem Stück Brot. Stumm ist auch Mutter. Still ist es im Raum, still bis auf dieses Summen, als liefe ein kleiner Motor irgendwo im Unsichtbaren. Ein hektischer Fliegenkörper klopft plötzlich gegen die Ausweglosigkeit des Fensterglases, brummt gegen das Summen, hält verdrossen inne. Mutter seufzt. Daß ein Mann „dafür“ zahlt! Sie spricht es nicht aus. Sie seufzt es dahin, als würde der Tod es aus ihrer Lunge ziehen. Und wie vorsichtig sie an ihrer Tasse nippt. Dabei ist der Kaffee längst nicht mehr heiß. Was von diesem Tag zu erwarten hätte sein können, nichts davon ist übrig, schon jetzt nicht mehr. Es ist kurz nach sieben. Aus dem Radio wälzt sich obszön ein träges Saxophon gegen das Summen, das immer mehr zum Rauschen wird. Ich rücke etwas weiter weg von dem Gerät. „Dafür“ zahlen zu müssen ist ein Unglück, kein Laster. Hörst du, Mutter? Ein Unglück! Als verstünde sie mein stummes Gebrüll, sieht Mutter mir kurz in die Augen und ich meine, etwas wie Milde zu erkennen. Oder ist es Vergebung? Sie weiß wohl, dass ich sie heute umbringen werde.













