Ich stand auf dem Balkon uns sah auf die stark befahrene Straße unter mir. Mein Magen fühlte sich schwer an, seit ich ihn eingeladen hatte. Besorgt kaute ich auf meiner Lippe rum. So viel könnte heute schiefgehen. Ich seufzte laut. Eine Hand legte sich auf meine Schulter und riss mich aus meinen Gedanken. Ich zuckte zusammen und drehte meinen Kopf.
"Ich gehe. Du schaffst das alleine oder Dado?" fragte Fabian mich besorgt. Ich nickte abwesend, dann versuchte ich ihn beruhigend anzugrinsen. Bei dem Blick den er mir warf sah es scheinbar nicht sehr überzeugend aus, "ich hoffe einfach, dass alles gut läuft. Ich kann mein Brüderchen einfach nicht traurig sehen," sagte er grinsend, nahm mich nochmal in den Arm und verließ dann meine Wohnung. Ich sah weiter auf die Straße. Sah meinen Freund durch die Haustüre auf den Bürgersteig treten. Bevor er in sein Auto vor der Haustüre stieg, drehte er sich nochmal zu mir und winkte.
"Osaft!" rief ich, ein letztes Mal, ein leichtes zögernd. Er kam näher und grinste mir entgegen, "danke! Für alles!" rief ich ihm aus dem dritten Stock zu. Er zwinkerte und ich lächelte zu ihm hinunter. Dann hob er die Hand nochmal zum Abschied, stieg in sein Auto. Ich sah seinem Auto hinterher und wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis ich wieder Besuch hatte. Ich drehte mich zur Tür und betrat meine Wohnung.
Noch ein paar Stunden, dann würde er hier stehen. Vor mir. Dann würde ich ihm mein Herz ausschütten und ihm sagen, was mich schon so lange beschäftigte. Ich nahm einen letzten tiefen Atemzug und machte mich bestimmt an die letzten Vorbereitungen, bei denen mir mein bester Freund, fast schon Bruder, nicht hatte helfen können. Denn es musste von mir kommen. Von Herzen kommen.
Wenige Stunden später, alles war bereit für seinen Besuch, stand ich wieder auf der Terrasse, als ich seinen Nachtblauen VW Corrado vorfahren sah. Ich biss mir wieder auf der Lippe herum und konnte es nicht abwarten, bis er endlich vor mir stand. Ich hatte ihn schon zu lange nicht mehr gesehen. Sein Seminar hatte ihn einfach viel zu lange weggehalten.
Als er ausstieg sah er als erstes in Richtung unserer Wohnung und als er mich auf unserer kleinen Terrasse sah, breitete sich ein breites Lächeln auf seinem Gesicht aus und winkte mir ausladend froh.zu. Ich winkte zurück. Dann schnappte er sich seine Tasche vom Beifahrersitz und lief schnellen Schrittes auf die Türe zu. Ich rannte durch das Wohnzimmer, der Vorhang zu meiner Terrasse hinter mir flatterte, durch meine Wohnungstüre und wir trafen uns im Hausflur, wo er die Treppen hochgesprintet zu sein schien und ich ihm in die Arme sprang.
Mein Bauch kribbelte, als ich ihn näher zog. Wir hatten uns so lange schon nicht gesehen. Zu lange, wenn es nach mir ging. Ich spürte, wie mein Freund sich an mich klammerte. Langsam löste ich mich von ihm nach was mir vorkam wie eine viel zu kurze Zeit. Er lächelte mich sanft an. Ich nahm ihn bei der Hand.
"Dario ich muss dir was zeigen."
Er zog misstrauisch eine Augenbraue hoch, doch wie immer folgte er mir ohne ein Wort. In der Tür zu meinem Wohnzimmer blieb er wie angewurzelt stehen, als er sah, was ich vorbereitet hatte.
Teelichter, zu einem Herz aufgestellt waren da, wo eigentlich das Sofa und der Tisch standen. Diese waren an die Wand gerückt. Überall Rosenblätter. Und ich wusste, wie kitschig das war, aber heute sollte der beste Tag unseres Lebens werden. Ich ging weiter in den Raum und stellte mich mitten in das Herz. Ich wurde nur von dem Schein der Kerzen erleuchtet, das einzige Licht in dem Raum.
Ich räusperte mich: "Dario. Ich hab‘ lange nachgedacht," kurz zögerte ich und sah, wie Tränen in seine Augen stiegen. Und ich wusste in diesem Moment, wie der Abend heute endete.
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Dario wusste, was jetzt kommen würde. Es fiel ihm schwer sich zurück zu halten und seinem Freund nicht sofort um den Hals zu fallen. Er sah seinen Freund ein letztes Mal schlucken und einen tiefen Atemzug nehmen. Dann zog er die Schachtel aus seiner Hosentasche. Die Kerzen warfen ein sachtes Licht auf die beiden und machten den jeweils anderen in den eigenen Augen nochmal schöner, als es schon der Fall war. Obwohl beide dies für unmöglich gehalten hatten.
"Dario. Ich liebe dich nun schon so lange. Und ich weiß, dass du mich liebst,“ fuhr Maudado mit Überzeugung in seiner Stimme fort, „deshalb halte ich hier und jetzt um deine Hand an."
Nun konnte Dario die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Komm her," sagte er mit gebrochener Stimme. Maudado folge dieser Aufforderung und schloss seinen Freund in die Arme. Dieser vergrub sich in der Schulter des anderen. Sein "Ja, mehr als alles andere" verstand Maudado zwar nur leise und spärlich, aber Darios Reaktion sprach Bände. Und eines wussten sie beide. Mehr brauchten sie nicht. Nur den anderen an ihrer Seite.