Konfetti macht alles besser.
Endlich ist die zweite Woche um! Im Rückblick ist sie eigentlich ziemlich schnell vergangen. In den Straßen hängen Tütchen mit Konfetti herum, die verkünden, dass Konfetti alles besser mache. Diese Woche war eigentlich auch besser als die erste. Das Gefühlschaos hat dafür aber den Höhepunkt erreicht. Ganz langsam kommen wir nun in den Lernprozess und schlagen unsere Bücher auf, um für die Uni zu lernen. Bisher habe ich aber immer noch nicht die Produktivität erreicht, die ich haben möchte. Am stärksten hängt das auch mit dem Zeitplan zusammen. Jeden Tag wieder so früh aufzustehen ist inzwischen ziemlich ungewohnt. Die Vorlesungen sind eine Mischung aus Hunger, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und naturwissenschaftlichen Fakten. Ich hoffe, ich gewöhne mich bald an diesen Trott und lege richtig los. Von den vierzig MC-Fragen zum Thema Wasserstoff konnte ich immerhin schon zwölf richtig beantworten (um zu bestehen bräuchte ich einundzwanzig richtige) Aber wer weiß schon, dass in einer Gaswolke Wasserstoff mehr Ortho- als Parawasserstoff vorhanden ist, weil die Elektronen dort antiparallelen Spin haben… Insgesamt bietet einem die Universität genug Möglichkeiten, sich so richtig dumm und hässlich fühlen zu können, wenn man die anderen Studenten auf dem Campus sieht. Insbesondere eine Begegnung lässt mich nicht mehr los. Dienstagmorgen musste ich noch rennen, um meine Straßenbahn zu bekommen und ich hab mich dann völlig gehetzt einfach in einen Sitz fallen lassen. Der Junge mir gegenüber hat kurz interessiert zu mir herüber geschaut, aber ich habe das nur am Rand bemerkt. Nachdem sich mein Puls aber wieder normalisiert hat, habe ich ihn mir auch mal angeguckt. Das was ich sah, war unglaublich. Er hatte inzwischen die Augen wieder geschlossen. Man konnte sehen, dass er am liebsten gleich wieder einschlafen wollte. Das bot mir die Gelegenheit ihn genauer zu betrachten. Schwarze Haare, helle Haut, ein paar kleine Sommersprossen auf der Nase, grüne Augen. Die ganze Fahrt über konnte ich nicht anders, als ihn anzustarren. An irgendwen hat er mich erinnert. Inzwischen ist mir auch eingefallen an wen: George Bladgen und Josh Hutcherson. Er ist dann natürlich auch zum Campus gelaufen und ich, immer noch perplex von seinem Aussehen, wäre ihm am liebsten bis ans Ende der Welt hinterhergelaufen. Ich kenne solche Begegnungen aus Berlin. Leider sieht man diese perfekten Menschen nie wieder dann. Naja in Berlin, aber nicht so in Jena. Beim Mittagessen in der Mensa ist er mir wieder über den Weg gelaufen. Mit ein paar Freunden hat er sich direkt in mein Sichtfeld gesetzt. Nach dem Essen ist er dann in Richtung der Psychotherapeutischen Fakultät verschwunden. Ich wollte unbedingt wissen, was er studiert und in welchem Semester er ist. Und genau das hab ich vier Stunden später ziemlich bereuen müssen. Dann bin ich nämlich zu einem Chemie-Tutorium für die Biochemie- und Pharmaziestudenten im 1. Semester gegangen. Gerade als ich einen Platz und meine Freunde gesucht habe, kam er mit einem anderen Jungen hinter mir in der Hörsaal. Er studiert also Biochemie im 1. Semester - wir haben die Hälfte meiner Vorlesungen zusammen. Also sehe ich ihn fast jeden Tag wahrscheinlich. Und das bedeutet, dass er nicht nur verdammt gut aussieht, sondern auch noch verdammt intelligent ist. Allerdings gibt mir das auch die Möglichkeit, ihn irgendwann einmal anzusprechen eventuell. Ich habe mich also mal wieder zu schnell in jemanden verknallt und ich fühle mich ziemlich schuldig Jannik gegenüber. Ihn habe ich letzte Woche im Internet kennengelernt und wir verstehen uns sehr gut eigentlich. Das Problem ist nur, dass ich sein Aussehen nicht wirklich attraktiv finde. Nachher treffe ich mich mit ihm und dann werde ich das endlich entscheiden müssen, ob ich mich auf mehr mit ihm einlassen möchte. So unübersichtlich wie dieser Text jetzt geschrieben ist, so unübersichtlich war auch meine Woche bisher irgendwie.









