Die Meldungen der letzten Tage und Wochen zum Meister und Vizemeister der Bundesligasaison 2016/17 erwecken den Eindruck, als sei derzeit ein Wettstreit zwischen München und Leipzig im Gange, bei dem es einzig und allein darum geht, wer der Öffentlichkeit die besseren Lügengeschichten aufzutischen vermag.
So hat Uli Hoeneß nicht nur im letzten Jahr bei den Transfers von Mats Hummels zum FC Bayern sowie von Ousmane Dembélé zu Borussia Dortmund, mit dessen Verpflichtung sich seinerzeit eben auch der Rekordmeister beschäftigt hatte, jeweils angeblich etwas “missverstanden”. Auch in diesem Sommer, als es um das Interesse der Münchner an Dortmunds Sven Mislintat ging, lag der FCB-Präsident mit seinen Aussagen zum Thema nachweislich ein gewaltiges Stück abseits der Wahrheit. Manch einer mag ihm zugutehalten, dass er in die jeweiligen Gesprächsabläufe gar nicht selbst involviert war, doch stellt sich natürlich genau deshalb erst recht die Frage, warum Hoeneß sich - insbesondere in letzter Zeit und vorzugsweise zu Geschehnissen bei anderen Vereinen - öffentlich zu diesen Themen äußert.
Die Statements des Bayern-Präsidenten führten nun bereits zum wiederholten Male dazu, dass Michael Reschke, der sein Amt als Technischer Direktor in München zugunsten einer neuen Herausforderung als Sport-Vorstand des VfB Stuttgart vor rund einem Monat aufgab, sich genötigt fühlte, Hoeneß’ Aussagen geradezurücken, obwohl er eben nicht einmal mehr für den Rekordmeister tätig ist.
Ähnlich bizarre Geschichten wie Uli Hoeneß weiß allerdings auch RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick zu erfinden. Nachdem die Verpflichtung von Kevin Kampl lediglich der neuste Beweis dafür war, dass die von Vereinsseite propagierte Transferpolitik ein reines Fantasieprodukt ist, versuchte man die immensen Ausgaben des Werbeträgers eines Getränkeherstellers herunterzuspielen, indem man veröffentlichen ließ, dass der Neuzugang aus Leverkusen fortan weniger Geld als bei seinem bisherigen Verein verdienen werde und betonte erneut, dass es eine mannschaftsinterne Gehaltsobergrenze gäbe. Diesen Behauptungen widersprach nun Kampls Berater Michael Ruhnau. Laut RB-Angaben handele es sich in diesem Fall aber um eine einmalige “Ausnahme” - ein Statement, das Rangnick jedoch anscheinend selbst nicht als gänzlich zufriedenstellend empfand, weshalb er wenige Stunden später mit der Aussage nachlegte, er könne sich einen 50 Millionen teuren Neuzugang für RB Leipzig zumindest “in den nächsten fünf Jahren nicht vorstellen”.
Welchen Wert nun diese letzte Behauptung hat, wird man abwarten müssen. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass die Leipziger künftig wie schon manch anderer Club komplexere Transferbedingungen wie etwa ein höherpreisiges Leihgeschäft mit anschließender Kaufpflicht nutzen, um ihre Bilanzen in ein besseres Licht zu rücken und um nicht erneut als Lügner entlarvt zu werden - es sei denn, Rangnick will den Lügen-Wettkampf mit Uli Hoeneß unbedingt für sich entscheiden. Aber Achtung: Eine Währung für die 50 Millionen hat der Sportdirektor des letztjährigen Vizemeisters explizit nicht genannt...
Quellen:
https://www.transfermarkt.de/reschke-bdquo-wollten-dembele-nach-munchen-holen-und-haben-alles-versucht-ldquo-/view/news/287360
https://www.transfermarkt.de/topverdiener-in-leipzig-rb-macht-ausnahme-fur-rekordzugang-kampl/view/news/287345
https://www.transfermarkt.de/rangnick-50-mio-euro-transfers-bdquo-in-den-nachsten-funf-jahren-ldquo-nicht-vorstellbar/view/news/287384