Zwirner
1.
Kollege RS hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass eine Biographie von Rudolf Zwirner erschienen ist. Er war kuratorisch in die Ausstellung Westkunst involviert, die im Rheinland einen gewissen legendären Charakter besitzt, was sich früh schon daran zeigte, dass man als Jugendlicher der Achtziger Jahre besonders dann abheben konnte, wenn man in seinem Zimmer einen Katalog dieser Ausstellung hatte (am besten abgegriffen, also intensiv und lässig genutzt!). Wenn ich mich recht erinnere, ist das auch literarisch irgendwo schon verarbeitet worden, vermutlich von den Popliteraten.
Es war schon wichtig, über bestimmte Schallplatten zu verfügen, bestimmte Literatur im Regal zu haben und eventuell auch, ein gutes Poster an der Wand zu haben. Der Katalog der Ausstellung Westkunst war aber ein Megagipferli im Zimmer, der Supertrumpf, Türöffner in die die höchsten Kreise und das intensivste Kreisen. Been there, done that.
2.
Zwirner hatte einen dicken Wagen, Beuys hatte einen dicken Wagen. Michael Werner besaß eine Galerie mit scheinbar nach oben hin nicht enden wollenden Flügeltüren. Die Jungs zeigten Jungs, die ein bloßes, archaisches Gefolge mit sich führten (nicht nur Immendorff führte das mit sich).
Das war nicht die Zeit, in der Galeristen einen Privatjet besaßen, in der Galeristen auch keine Zweitgalerie in St. Moritz hatten (Ausnahme: Bruno Bischofberger) und in der sich auch unter dem Begriff Zweitcytwombly (der zweite Cy Twombly für die gerade aktuelle Ehefrau) noch niemand etwas vorzustellen wagte, sprich: die Achtziger Jahre waren noch eine durch und durch bescheidene und asketische Zeit, in der man in Westdeutschland in Bescheidenheit und Askese, züchtig und folgsam lebte. Alle waren gesund und munter, außer den Kranken. Die Leute sparten viel In dieser Zeit waren die Richters und Kiefers nicht auf Jahre im Voraus, quasi trabilike, schon verkauft, weil plötzlich Russen, Mexikaner, Brasilianer, Chinesen und Araber (die von Kemp mit erstaunlich leichter Einseitigkeit genannten Oligarchen) auch so ein Ding haben wollen. Das war das am Kargheitsideal lebende Mittelalter der heute an den Schalthebeln noch Schaltenden.














