2. Juni 2019
Wer hören will, muss durch Wände gehen
Hinter unserem Häuschen haben wir eine geschützt liegende Terrasse, die wir unsere Lounge nennen. Dort sitzen wir gern an lauen Sommerabenden und lassen uns mit Musik berieseln. Die kommt sehr häufig von Schallplatte, es können aber auch andere Klangquellen ausgewählt werden. Denn es ist eine alte Stereoanlage aus den frühen 1990er Jahren, die nach wie vor klaglos ihren Dienst verrichtet. Platten muss man bekanntlich (?) nach rund 15 bis 25 Miinuten umdrehen. Außerdem ist die Plattensammlung nicht nur recht klein, sondern teilweise auch zum Fremdschämen. Alles von damals ist heute auch bei noch so wohlwollender Betrachtung nicht mehr unbedingt schön. Da darf es statt Schallplatte auch mal was anderes sein. Und heute soll es mal Spotify sein.
Natürlich gibt es in der Lounge Wlan, so dass man Spotify z. B. mit dem iPad nutzen kann. Nun müsste ich aber vom iPad ein Kabel vom Kopfhörerausgang zur Stereoanlage legen. Das geht zwar grundsätzlich, aber weder habe ich ein lang genuges Kabel, noch Lust zum Verdrahten, weil ja die Wand zwischen draußen und drinnen im Wege ist. Was ich aber habe, ist einen kleinen FM-Transmitter. Den wollte ich eventuell für die Techniktagebuch-Session auf der re:publica in der Hinterhand haben, falls das mit den Kabeln da nicht klappt. Dazu ist es aber nicht gekommen. Dann kommt er eben nun zum Einsatz.
Ich stelle den Minisender und das Radio in der Stereoanlage auf die gleiche Frequenz ein, schließe den Sender mit einem beiliegenden Kabel an das iPad an, und auf Anhieb ertönt die Spotify-Wunschmusik aus den Boxen.
Das Spotify-Signal kommt also erst per Wlan vom Router durch die Wand ins iPad, von dort über Kabel in den kleinen Sender und von dort zurück durch die Wand in das Radio. An den Verstärker des Radios (es ist ein sogenannter Receiver) sind die Boxen mit Kabeln angeschlossen, die wiederum durch die Wand nach draußen verlaufen. Eine Box ist ein altes Röhrenradio, von dem der Röhrenteil wahrhaftig in Rauch aufgegangen ist. Dort ist ein Kabel direkt an den darin befindlichen Lautsprecher angeschlossen. In der anderen Ecke steht ein kleiner Zusatzlautsprecher für einen transportablen Plattenspieler oder ähnliches aus den 1950er Jahren, also passend zum Radio. Damit ist der Raumklang natürlich zig Mal besser als mit einem Bluetooth-Lautsprecher, mit dem das ganze Brimborium nicht notwendig gewesen wäre.
Es gibt vielleicht noch komplizierte Wege, Musik zu hören. Aber viel öfter kann ein Signal vermutlich nicht durch dieselbe Wand gehen, bevor man es hört.
(Markus Winninghoff)














