In Güstrow, wo Schmidt auf eigenen ausdrücklichen Wunsch hin die Barlach-Gedenkstätte und die Skulptur >Der Schwebende< im Güstrower Dom besucht, ist die Stadtbevölkerung durch Stasi Mitarbeiter ausgetauscht worden. Diese sind angewiesen, "unter Einsatz von Licht, Effekten und Weihnachtsmusik eine lockere Atmosphäre" zu verbreiten.
Als Helmut Schmidt den Güstrower Dom betritt, kommt es aber doch zu einem Moment der Wahrhaftigkeit. Als Domkantor Paul Schumann eine Bach-Kantate anstimmt, setzt sich Schmidt unvermittelt ins Kirchengestühl, lauscht in sich versunken seinem Lieblingskomponisten - und scheint zu beten.
Dem Atheisten und Marxisten Honecker bleibt nichts anderes übrig, als dem Protestanten Schmidt zu folgen, sich ebenfalls zu setzen, Interesse zu simulieren und gleichfalls, wenn auch mürrisch, dem Protestanten Bach in einer protestantischen Kirche zu lauschen.
Für wenige Minuten stiehlt eine Bach-Kantate dem ersten Sekretär des ZK der SED und Vositzenden des Staatsrates der DDR, der seit Jahrzehnten keine Kirche mehr betreten hat, die Stasi-Show.










