Foto: Xinyan Song für den Garten an der Marie
Wie hätte die Gärtnerin vor einhundert Jahren beim Anblick dieses Moschusbocks reagiert?
Mit einem beherzten Sprung ins Gebüsch, wäre sie über das Insekt hergefallen, hätte es um die Ecke gebracht, zu Brei gemahlen und unter den Tabak gemischt. Tabak mit Erdbeer- oder Bananengeschmack gab es damals noch nicht. Wer Erdbeergeschmack wollte, musste eine Erdbeere essen. An Bananen haben arme Gärtnerinnen vor hundert Jahren noch nicht einmal gedacht.
Zu den wenigen Geschmacksrichtungen gehörte damals der Tabak mit dem Aroma des Moschusbocks (Aromia moschata) . Die Gärtnerin hätte sich über die fette Beute gefreut und mit dem parfümierten Tabak ein kleines Taschengeld verdient.
Die Gärtnerin freut sich, weil der Anblick des Käfers ein echtes Erlebnis ist. Zu verdanken hat der Garten an der Marie dieses 3,5 cm lange Prachtexemplar der Trockenheit im Garten. Die macht die Weiden kränklich und ausgerechnet das liebt der Moschusbock.
Und womit verdient eine Gärtnerin heute ihr Taschengeld?
Mit Müll sammeln. Hin und wieder liegt eine Pfandflasche im Garten und die wird von der Gärtnerin zum Supermarkt um die Ecke gebracht.
„Es wird doch nicht alles schlechter“, denkt die Gärtnerin von der Marie, „lieber Pfandflaschen um die Ecke bringen als Käfer.