Die Farce von 1848 bis 1851 verfehlt das Schema der modernen Verfassungsrevolution und zerreißt in ihrem Sturz den dramaturgischen Plan der sozialistischen Komödie. Das Schema aus Vorgeschichte und Geschichte wird durch den systemfremden Einbruch der Nachgeschichte in die Vorgeschichte zertrümmert. Indem er die Erfahrung des kläglichen Scheiterns der Revolution als Farce darstellt, entschlüsselt Marx die Revolution zusammen mit der ihr folgenden "Reise durch das Fegefeuer" der "imperialistische[n] Restaurationsparodie" als eine posthistorische Epoche, als postmodernes post-histoire avant la lettre. [...] Die Farce verwandelt Handeln in Pseudoaktivität. [...] ... die Welt ... ist ein post-histoire - eine bleierne Nachgeschichte, ein Spiel leerer Bedeutungshülsen. [...] In Epochen des post-histoire, in denen die Zeit stillgestellt ist, funktioniert die Bestimmung des Handelns durch die eigenen Überlegungen und Motive der Handelnden nicht mehr richtig. Das Handeln schein seine produktive Eigenschaft, Neues hervorzubringen, zu verlieren. Die Semantik der Überlieferung ist leer und schal, bedeutungslose "Phrase", vergebliche "Prophezeiung". Die Namen lösen sich von den Sachen und werden zu leeren Signifikanten. Die gewöhnliche Repräsentation der Realität versagt und verwandelt sie in ein freies Spiel der Zeichen.
Karl Marx (2007): Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. Kommentar von Hauke Brunkhorst. Frankfurt am Main: 211ff.












