Adornos Skizze der Eigenlogik des Ästhetischen muß von der gesellschaftlichen Vermittlung der Kunst durch konkrete historische Erfahrungen scharf unterschieden werden. Da bei Adorno immer alle Ebenen fast gleichzeitig thematisiert und assoziativ entwickelt werden, entstehen hier leicht Mißverständnisse, z.B. das, die neue Kunst wäre nur so negativ, weil die Gesellschaft so schlecht ist, und sie sei nur abstrakt als aktiver Reflex auf deren immer abstraktere Organisation. Das hat Adorno, wo er darauf angesprochen wurde, immer heftig abgestritten. Wenn Kunst wieder affirmativ und positiv würde, sei dies, so argumentiert er, ein sicheres Indiz, daß die gesellschaftlichen Verhältnisse sich verschlimmert hätten. Negativ und abstrakt wird die Kunst allein auf Grund der inneren Logik ihres Formgesetzes: sie wird schließlich ganz von Rationalität und Reflexivität durchzogen. Allein kraft solcher Reflexivität aber kann sie sich überhaupt für die Wahrnehmung des Leidens und damit für die Negativität geschichtlicher Erfahrungen, die sich nicht mehr anschaulich fassen lassen, öffnen. Die ästhetische Negativität ist eine notwendige Bedingung für den mimetischen Ausdruck von Leiden, aber das geschichtliche Leiden ist weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung ästhetischer Negativität.
Hauke Brunkhorst: Theodor W. Adorno. Dialektik der Moderne, S. 138.















