"Memory Games" by Nina Prader
Der Grundstein für „Memory Games“ bildet jeweils ein Kartensatz. Alle Karten werden verdeckt aufgelegt. Auf jeder von ihnen ist eine von der Künstlerin angefertigte Zeichnung zu sehen. Es sind einfache Symbole, manchmal aber auch abstrakte Bilder abgebildet, sie sollen Impulse sein, um Erzählungen zu generieren. Die erste Person dreht eine beliebige Karte um, eine Assoziation, ein Bild oder eine Erzählung, die sie mit dem Bild knüpft, kann sie mit der Gruppe teilen. Allen wird Zeit und Raum gegeben, um den eigenen Gedanken Platz zu machen, jede_r darf sprechen.
Nachdem alles besprochen wurde, ging es los:
In kleinen Grüppchen scharrten sich die Menschen um das „Memory Game“ und die ersten Bilder wurden aufgedeckt. Schritt für Schritt begannen die Teilnehmer_innen zu erzählen: sie sprachen über Erinnerungen an geliebte Menschen, Berichte über Verbrechen, das jahrelange Schweigen der österreichischen Gesellschaft und den Zugang, den wir heute zur Geschichte haben. Manche Bilder lösten unterschiedliche Assoziationen aus, einem Rohrschach Test gleich, interpretierte jede Person die Bilder individuell. Oft wurden Verbindungen mit bereits aufgedeckten Bildern geknüpft, wodurch die Gespräche neue Richtungen einschlugen. Obwohl sich einige Personen vor „Memory Games“ noch nie gesehen hatten, entstanden in kürzester Zeit spannende Diskussionen.
Das Spiel schuf einen Rahmen, in dem es allen erstaunlich leicht viel zu sprechen. Nichtsdestotrotz operierte „Memory Games“ unaufdringlich und ließ den Teilnehmer_innen so viel Raum, wie sie benötigten. Wie viel jede_r von sich erzählen wollte, blieb der jeweiligen Person überlassen. Vertieft wurde in jeder Ecke des Platzes erzählt und zugehört. Die Zeit verflog und erst kurz bevor die Hauptveranstaltung des Abends, die Lesung von „Lebendiges Gedenken“, begann, konnten sich die ersten Teilnehmer_innen von den Gesprächen lösen. Als Andenken nahmen wir nicht nur die vielen Geschichten mit nach Hause, als Erinnerung gab Nina Prader auch allen ein „Memory Game“ mit.
Fotos by ©Lea Kronberger
Text by ©Johanna Taufner






