Lehren, hadern, lumpen lassen
Man braucht nicht viele Schüler, einer reicht. Was sag' ich? Keiner reicht, man kann sich ja selbst schulen. Ein Jahrgang reicht. Ein Jahrgang in Weimar reicht. Ein Studentin eines Jahrgangs reicht. Ihr Name war Noemi Haderlein. Klingt wie ausgedacht, ist es auch und ändert, wie jede Literatur, kein Fitzelchen daran, dass das wahr und ein Fakt ist. Schaut in die Archive, auf das Zeugnis, den Schein, den ich ihr für erste Klausuren unterschrieben habe.
Noemi Haderlein studierte zügig und arbeitet jetzt in der Konzernleitung der Deutschen Bahn. Wer nicht glaubt, soll googeln. Ab ovo, von Anfang an sollte einen nur noch das wundern, was einen wandern lässt.
Das ist lehrreich, das schult, diese eine Studentin bei sich, dabei zu haben. Wenn Noemi Haderlein das jetzt, wo alles längst zerstreut ist, liest, oder aber to whom it may concern: Alles was wir schreiben, ist gesetzeskonform, ist im Recht, in law, wir schreiben nur lawletters.
Promotionsbetreuung ist nichts für Feiglinge. Man wird zum Objekt, nicht selten mit dem dringlichen Rat, wo Objekt war, solle Subjekt werden. Ich betreue Promotionen, also hadere ich. Da helfen minore Objekte, Haderlein zum Beispiel. Das sind kleine Lumpen, kleine Fäden, die vom Lumpensammler gesammelt wurde. In der Fotografie und in der Literatur wurden daraus große Bilder, große Literatur, Didi-Huberman zum Beispiel hat das in einem Buch über Warburg und die ninfa moderna gesammelt, weil er damit gehadert hat. Leute dabei zu haben, die mit einem hadern, die sich nicht lumpen lassen, mit einem zu hadern, das ist Luxus, asketischer Luxus.
2.
A bisserl fühlt man sich oft herausgeschmissen. Aus Weimar, denke ich mir, haben ausgerechnet die Kleinen, die Studenten und Studentinnen mich herausgeschmissen. Die Erfahrung war kränkend. Dann ruft darauf noch mein Nowak an, der Gunther Teubner, und weist mich, damit ich nicht so verkommen hin, darauf hin, dass ich selbst an jedem Rausschmiss schuld sei: was ich tue sei, so sei es ihm zu Ohren gekommen und würde nun Originalton, doch nur mittelmäßig. Pure mediocracy, wohl war Wahres dabei, da hat er natürlich wieder Recht, der Nowak namens Gunther.
Wechselseitig war die Überforderung, mutual and mute wie anarchistische Helferlein. So ist und bleibt es: So.
Der Druck ist glücksweise, stellenweise und phasenweise, weil alles Weise, alle Weisen, alles Wissen, alles Visuelle und Visa-artige immer auf Linien liegt, durch Linien zieht, die immer eins sagen: Was hier nicht stattfindet, findet da statt. Was da nicht passiert hier. Man muss nicht a und o sagen, muss o und a nicht schreien. o und a kreisen ohnehin durch, durchhaltend durch. Kein Tag und Nacht ohne dia. Ohne dia wäre das Leben leer, dass Dir, aber nur lehrend und schulend,
Die Perzeption ist in den Falten (im Namen Lebniz': Deleuze)












