Ich bin kein Sklave eures Systems:
„Im Leben kommt es immer etwas anders als man sich sein Leben geplant hat. Bereite dich auf alles vor und rechne mit dem Unmöglichsten“, sagten mir schon meine Eltern, wenn sie mich nach meinen Zukunftsplänen befragten. Sie fügten allerdings stets hinzu, dass es nichts auf der Welt gibt, was ein einzelner Mensch nicht erreichen könnte.
Inzwischen erlebe ich es am eigenen Leib, wozu ein Menschtatsächlich im Stande ist zu bewirken und wie einfach es sein kann, einem dasLeben zu erschweren und ihm sogar im Ernstfall alles wegzunehmen, ohne dafür belangt zu werden. Dafür benötigt man lediglich eine Geschichte und ein Telefon.
Nach meiner Kündigung, die ich eingereicht hatte, beschloss ich zwei Wochen später, im gegenseitigen Einverständnis das Unternehmen endgültig zu verlassen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Aktiengesellschaft bzw. eine Holding, die unter verschiedenen Namen agiert. Davon einmal unter dem eigenen Namen. Ich war dort etwas mehr als 1,5 Jahre als Werkstudentin beschäftigt. Knapp zwei Wochen nach meinem Ausstieg (ich bin danach nicht mehr dort aufgetaucht) und wenige Tage vor Ablauf meiner Kündigungsfrist erhielt meine Mutter von ihrem Arbeitskollegen aus der ehrenamtlichen Tätigkeit der Notfallseelsorge einen Anruf. Es ging um mich. Meine ehemalige Vorgesetzte rief ihn an, um an die Kontaktdaten meiner Mutter heranzukommen. Da der Herr sie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht weitergab und von ihr stattdessen zur Weiterleitung ihre Daten wünschte, kam es letztlich zum telefonischen Kontakt zwischen meinem Vater und meiner Vorgesetzten.
„[…] Wir können Ihre Tochter nicht erreichen und machen uns daher großen Sorgen um sie. Ihre Tochter hat sich an ihrem letzten Arbeitstag ungewöhnlich verhalten und behauptet, sie könnte mit Toten reden. Genau genommen mit dem ehemaligen Geschäftsführer, der schon seit […] Jahren verstorben ist und sie dazu beauftragt haben soll, auf sein Kind aufzupassen. Wir haben die Mutter des Kindes informiert und sie weiß auch nicht, was sie nun machen soll.“
„Wir sehen uns als Unternehmen in der Fürsorge- und Sorgfaltspflicht, bei psychischen Erkrankungen die Angehörigen unserer Mitarbeiter zu informieren. Unserer Pflicht sind wir demnach nachgegangen, alles Weitere ist Privatsache und Sie als Familie müssen sich nun um Ihre Tochter kümmern.“
Meine Vorgesetzte ließ es sich nicht nehmen auch, von Schizophrenie, Neurosen etc. zu sprechen. Aufgrund des medizinisch-pharmazeutischen Schwerpunktes des Unternehmens wären meine Kollegen, die zugleich Ärzte sind, im Stande gewesen, Neurosen an mir festzustellen. Zudem sollten meine Eltern auf mich Acht geben, weil es Grund zur Sorge bei mir geben würde; interpretierbar frei nach dem Motto “schickt die Kleine in die psychiatrische Behandlung” (allerdings streitet sie es seit meinem Protokoll ab, so etwas jemals behauptet zu haben). Zudem erhielt ich Drohbriefe, die mir explizit zu verstehen geben sollten, dass Köln sogar für eine Studentin sehr klein werden kann, „Netzwerke und Verbindungen“ nicht nur gutes, sondern auch das Gegenteil bezwecken können. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es sich nicht um Blankopapier handelt, sondern sehr gut nachvollziehbar ist, woher das Schreiben kommt. Ich werte das mal als ein Zeichen der Selbstüberschätzung oder doch nur als einen selbstsicheren Auftritt.
Sowohl das Telefonat, als auch dessen Inhalt (der Inhalt vom ersten Zitat) wurden seitens des Unternehmens zugegeben, die Diagnose zu meiner Psyche hingegen wird bestritten. Gegen die Briefe bin ich noch nicht vorgegangen. Die Angelegenheit ist schon bis zur gerichtlichen Güteverhandlung durchgedrungen und weitere rechtliche Konsequenzen werden nicht ausgeschlossen.
Alleine aufgrund der Tatsache, dass es sich in dieser Angelegenheit um eine Aktiengesellschaft handelt, müssten die Mitarbeiter oder gar die Geschäftsführung wissen, wie einfach es für jeden Menschen sein kann, für wenige Euros an eine Aktie des Unternehmens zu gelangen. Mit nur einer einzigen Aktie kann man vor einer Hauptversammlung sehr viel bewegen. Ein Unternehmen beispielsweise vor den Augen der anderen Investoren zur Rede stellen. Vom einfachen Arbeitsklima bis hin zum Jahresbilanzabschluss kritische Fragen stellen. Im schlimmsten Fall sogar Bilanzfälschungen auf diese Weise aufdecken. Weshalb begibt sich also ein Unternehmen in eine für sich so große Gefahr? Ist die Überheblichkeit an einem so kritischen Punkt angelangt, dass man keine zwei Schritte mehr weiter denken kann? Wird man so stark vom eigenen Ego getrieben, dass Grenzen des Möglichen einfach ausgeblendet werden? Ist man so sehr davon besessen, sich als „Adel“ oder „Elite“ zu betrachten, dass das eigene Spiegelbild über alles andere gestellt wird?
Ich hingegen lasse mir nach wie vor nichts in den Mund legen, was ich nicht gesagt habe und lasse mich auch nicht für irgendwelche Zwecke instrumentalisieren, um dann verwundet im Schweigen unterzugehen. Man kommt ohne weiteres in jedes System rein, doch kommt man da wieder unbeschadet heraus? Unbeschadet sicher selten, doch dafür erfahrener. Und diese Erfahrung kann bei Standhaftigkeit von unermesslichem Wert sein. Darüber hinaus leben Systeme ohnehin vom Schweigen ihrer Opfer. Meine Motivation, die Angelegenheit zu veröffentlichen, nennt sich vielleicht nicht „Fürsorge- und Sorgfaltspflicht“, dafür aber Zivilcourage. Denn wenn ich nichts sage, dann symbolisiere ich mit meinem (nicht) Handeln Demut vor dem „Großen“, Unterwürfigkeit und somit Erfolg für die Gegenseite.
Dieser Erfolg sorgt für die Zukunft dafür, dass es nach mir jemanden erwischt, der diesem Druck nicht Stand halten kann. Jemanden, der keinen Rückhalt hat und seinen von außen künstlich hervorgerufenen Problemen mutterseelenallein gegenüber steht. Sich nicht erklären oder wehren kann, um dann noch zu allem Überfluss wegen einem Anruf seinem unmittelbaren Umfeld gegenüber Rede und Antwort stehen zu müssen. Hat sich überhaupt jemand auch nur im Ansatz Gedanken darüber gemacht, welche Folgen es für einen Menschen haben kann? Ganz unabhängig von mir hat es in diesem konkreten Fall auch seine Auswirkungen auf eine alleinerziehenden Mutter, die sich seit Monaten um ihr Kind Sorgen macht. Das Spiel mit der Psyche eines Menschen ist vergleichbar mit einem Spiel mit dem Feuer. Kontrolliert ist es für den Brandstifter effektiv, doch was passiert, wenn plötzlich ein Großbrand entsteht? Was ist, wenn plötzlich mehr Menschen davon betroffen sind und dies wissen und es somit keine Sache des Einzelnen mehr ist? Wie zum Beispiel die Schicksalsschläge der ehemaligen Sekretärinnen des sogenannten „Fürsten“ (von Köln), die durch sein cholerisches Verhalten höchstpersönlich in Richtung Psychiatrie befördert wurden. Von anderen Dingen ganz zu schweigen.
Mir ist nicht klar, weshalb mir eine gesamte Stadt auf die Pelle rücken sollte. Doch wenn der „Kölsche Klüngel“ unter der Führung des „Fürsten von Köln“ oder was auch immer damit gemeint ist, sich anmaßt, seine Macht gegenüber machtlosen oder schwachen Menschen auszuüben, dann sollen diese Vorgesetzte, dieses Unternehmen und diese Stadt der Welt da draußen von nun an sein Handeln erklären.
Köln hat etwa eine Million Einwohner, in Deutschland sind es schon 80 Millionen und weltweit über sieben Milliarden. Kann man also sieben Milliarden Menschen gegenüber darlegen, mit welchen prekären Methoden Individuen systematisch unterdrückt werden, wenn sie sich nicht binden oder verbiegen wollen? Wenn sie sich dazu entscheiden, nicht alles mitzumachen? Wenn sie überhaupt zeigen, eine Entscheidung treffen zu können? Auf die Antworten bin ich gespannt und bestehe nun auch drauf!
Unzerbrechlich wie ein Diamant und mir stets bewusst was ich bin, was sein werde und was ich niemals sein werde, habe ich mich dazu entschlossen, diesen Fall bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Ich will den Grund und den Zweck für dieses Handeln erfahren. Geht es um Interessenskonflikte? Um Geld? Um Macht? Um eine Beförderung oder Position? Worum geht es da wirklich? Ich betone an dieser Stelle nochmal, dass ich dort als Werkstudentin tätig gewesen bin und sich mir der Grund aus keiner logischen Perspektive erschließt.
Mich persönlich interessiert es jedoch sehr zu erfahren, welche zum Teil kreativen Methoden genutzt werden und welche davon vielleicht häufiger genutzt werden, um jemanden in den Ruin zu treiben. Inzwischen weiß ich, dass mein Fall kein Einzelfall ist. In diesem Zusammenhang möchte ich daher eine internationale Kampagne gegen systematische Unterdrückung (vor allen Dingen in Unternehmen) starten. Solltet ihr ähnliche Erfahrungen in eurem Leben oder eurer Berufslaufbahn gemacht haben, so könnt ihr diese unter #notyourslave über Facebook oder Twitter bekannt geben.
Ein Diamant kann von Scheiße bedeckt werden, doch am Ende bleibt es immer noch ein Diamant, während die Scheiße vertrocknet und verkrustet. Bleibt also standhaft! Schließlich gibt es nichts, was ein einzelner Mensch nicht erreichen kann. Ob der Zweck die Mittel heiligt, steht allerdings auf einem völlig anderen Blatt.