Februar 2017
Ich habe schon überall ein Nutzerkonto
Ich will mich für den Carsharing-Dienst Flinkster anmelden. Da ich BahnCard-Besitzer bin, muss ich keine Registrierungsgebühren zahlen, außerdem scheint mir der Carsharing-Dienst von allen, die sonst in Frage gekommen, der zu sein, der mit seiner Preisstrategie meinen Bedürfnissen am ehesten entgegenkommt.
(Eigentlich brauche ich einen Carsharingdienst, bei dem man mit dem Auto von einer Stadt in eine andere fahren kann und das Auto dann da stehen lassen kann. Ich würde zum Beispiel gerne nach der Arbeit mit dem Zug von Köln zu meinen Eltern nach Leverkusen fahren, aber dann mit einem Auto von meinen Eltern nach Essen nach Hause fahren. Das hängt mit der guten Zugverbindung zwischen Köln und Leverkusen, aber der eher mittelguten zwischen Leverkusen und Essen zusammen. Die meisten Dienste sind aber so ausgelegt, dass man innerhalb einer Stadt rumfahren kann und das Auto dann da woanders stehen lassen kann. Das hilft mir für mein potentielles Nutzungsverhalten nicht weiter.)
Ich versuche zwei Mal, meine Daten in die Registrierungsmaske einzugeben, und werde beide Male beim Abschicken auf die Loginmaske zurückgeleitet. Na ja, denke ich, vielleicht wurde irgendein Bearbeitungsprozess in Gang gesetzt und ich bekomme nicht direkt eine Bestätigungsmail, sondern erst in ein paar Minuten. Es kommt aber keine Bestätigungsmail.
Dann komme ich auf die Idee, in meinem E-Mail-Postfach nach Mails von Flinkster zu suchen und werde tatsächlich fündig. Wie es aussieht, habe ich schon ein Nutzerkonto und nach ein paar Klicks auf unterschiedliche Mails, die ich im Laufe der Zeit von Flinkster bekommen habe, finde ich auch eine Kundennummer. Mit der Kundennummer und meiner E-Mail-Adresse kann ich mein Passwort zurücksetzen und mich dann tatsächlich einloggen.
In der Anleitung zum Autoleihen steht, man könne mit seiner Kundenkarte das Auto öffnen, so eine Kundenkarte besitze ich aber nicht. Ich forsche weiter und lese, dass ich als BahnCard-Kunde nur irgendwo zu einer Bahn-Servicestelle muss, da würde ich dann nach Vorlage von Führerschein und Personalausweis freigeschaltet werden.
Ich gehe also zu einer Bahn-Servicestelle, nenne meine Kundennummer und gebe dem Bahnmitarbeiter Führerschein und Personalausweis. Er guckt ein bisschen und sagt dann: “Sie sind aber doch schon aktiviert.” Warum ich schon aktiviert bin, weiß er nicht, angeblich kann ich mit der BahnCard oder der iPhone-App das Auto öffnen. Das macht mich etwas stutzig, aber ich habe wohl keine andere Wahl, als dem Bahnmitarbeiter zu glauben, und ziehe ohne Kundenkarte von dannen. Bevor ich also eine Fahrt mit einem Flinkster-Auto plane, bei der es keine Bahn-Alternativen gibt, werde ich einmal probefahren müssen, um sicherzugehen, dass ich im Ernstfall nicht vor verschlossener Autotüre stehe.
Am nächsten Tag stoße ich bei Recherchen zu Kanban auf den Dienst Trello, von dem ich auch schon öfter gehört habe. Ich rufe die Webseite auf und will mich registrieren. Ich tippe Namen, E-Mail-Adresse und Passwort ein und erfahre, dass es zu dieser E-Mail-Adresse schon ein Konto gibt.
Anscheinend habe ich wirklich schon überall ein Nutzerkonto, ich kann mich nur nie daran erinnern.
(Anne Schüßler)










