Namibia, Botswana, Simbabwe 2024/25 - Tag 27
Herrschaften und Oukies!!!
Unsere 2 Tage auf Wildacker sind schon wieder um. Nachdem wir all unsere Sachen wieder zurück ins Auto gepackt haben, gehen wir zum Frühstück.
Wir genießen noch einmal das gute Frühstück auf Wildacker. Hier gibt es, neben den fast überall gereichten frischen Eiervariationen, eine Auswahl wirklich ausgezeichneter Wurstsorten. Alles selbst gemacht! Ein wirklich schöner und gemütlicher Start in den Tag.
Nach diesem schönen Aufenthalt wird es leider Zeit, sich auf den Weg zu machen. Um 9:30 Uhr verabschieden wir uns von Christine und Helgaard und verlassen schweren Herzens die Farm in Richtung Grootfontein.
Grootfontein heißt auf Afrikaans "große Quelle". Seinen Namen bekam die Stadt von den ersten 1885 aus dem Nordwesten Südafrikas eingewanderten Buren. Dies waren die berühmten "Dorsland Trekkers", deren mühsamer Treck im Süden Angolas endete.
Die Dorslandtrekker, vor den britischen Truppen fliehende Farmerfamilien aus Südafrika, hatten sich sehr viel vorgenommen. Für den sogenannten 2. Trek waren 480 Transvaler mit 128 Wagen versammelt.
Sie verfügten über 1.958 Trekochsen, 7.536 Rinder, 1.034 Schafe und Ziegen, 438 Pferde, 32 Esel, 213 Hunde und 500 Hühner, wie Veldkornet Louw du Plessis vor Aufbruch gezählt hatte.
Der Zug nach Norden, durch die Kalahari, war verlustreich. Wo es überhaupt eine Wasserstelle gab, wurde diese durch die bis zum Wahnsinn an Durst leidenden Rinder zu Schlamm zertrampelt, so dass keine Tiere mehr trinken konnten und Hunderte verdursteten.
Der Begriff Dorsland Trek gehört seither unauslöschlich zur Geschichte des südlichen Afrika. Vom tödlichen Fieber und anderen Krankheiten zeugen heute noch einige Gräber der Dorslandtrekker entlang der damaligen Route.
Die Buren kauften Ende des 19. Jahrhunderts auf ihrer Odyssee durch das südliche Afrika ein Stück Land in der Region um Grootfontein von Hauptmann Kambonde. Hier gründeten sie um 1885 den Distrikt Upingtonia unter der Leitung von Herrn William Worthington Jordan.
Nachdem ihr Anführer 1886 ermordet wurde und auch die Deutschen Besitzansprüche auf das Land geltend machten, mussten die Dorslandtrekker weiterziehen. Ihre geplante Republik blieb ein unvollendeter Traum.
1896 wurde in Grootfontein die SWACO Minengesellschaft gegründet und kurz darauf das Alte Fort errichtet, sowie die erste offizielle Verwaltung eingesetzt.
1907 wurde die Ortschaft in Grundstücke unterteilt. Die Bahnlinie erreichte im darauf folgenden Jahr dann das Dorf. Doch die Wahl der ersten Dorfverwaltung erfolgte erst 1933 und der erste Bürgermeister Grootfonteins, James H. Rathbone, wird 1947 angestellt.
Heute dient die Stadt für viele Reisende in den Norden oder Osten als Zwischenstopp. Natürlich auch für uns. Wir tanken unseren Hilux noch einmal auf und biegen dann von der B 8 auf die D 2830.
Nach knapp 3 Stunden biegen wir auf die C 47, in Richtung Okakarara ab. Kurz hinter Coblenz ist dann erst einmal Schluss mit der schönen Teerstraße.
Die nächsten 90 Kilometer sind einmal mehr Piste. Es staubt recht ordentlich. Aber auch das geht vorbei und kurz vor Okakarara haben wir wieder Teer unter den Rädern.
Okakarara liegt an der C22 am Übergang zur C 47. Die geteerte Straße verläuft bis hinein in den Ort mit insgesamt etwa 8.000 Einwohnern. Links und rechts der Straße ist es staubig.
Sandige Wege führen zu verstreut liegenden ärmlichen Hütten. Davor spielende Kinder. Unter einem schattigen Akazienbaum sitzen Menschen im Sand. Die Frauen sind zum Teil in traditioneller Hererotracht gekleidet. Man sieht aber auch Himba, die Verwandten der Herero.
Einstmals lag hier das Homeland "Hereroland", das mittlerweile Otjozondjupa Region heißt. Auch heute noch kann man hier das traditionelle Leben der Hereros kennenlernen.
Im Zentrum einer jeden Siedlung liegt der Rinderkraal, eine aus langen Holzstöcken gefertigte Einzäunung. Der Kraal schützt die Herde insbesondere vor nächtlichen Angriffen von Raubtieren.
Schon seit Hunderten von Jahren sind die Hereros ein Hirtenvolk. Im Mittelpunkt ihres Lebens steht die Rinderherde. Sie ist die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz und zugleich wichtigstes Statussymbol. "Ohne Rinder gilt ein Mann nichts", heißt es bei den stolzen Hereros.
Viele Rinder sind heilig und können lediglich als Opfertiere verwendet werden. Andere wiederum dürfen nur zu besonderen Anlässen getötet werden, zum Beispiel wenn der Besitzer einer Herde stirbt.
Die Weiden sind karg im sandigen Hereroland. Die Zahl der Rinder ist zu hoch, die Niederschläge sind zu gering, und die Fläche ist zu klein. So ist die Region hoffnungslos überweidet.
Über die Hälfte der Bevölkerung in dieser Region hat nur die Grundschule besucht. Nahezu 90% der Abschlussklasse schaffen den Abschluss nicht.
Die Arbeitslosigkeit ist hier sehr hoch, in den Armutsvierteln über 80%. Bis zu 50% der Kinder sind Waisen.
Wir müssen nur wenige Kilometer auf der C 22 fahren, bis wir auf der rechten Seite die Zufahrt zur Otjikaru Gästefarm ausmachen können.
Die Anfahrt ist eine Augenweide: Der Weg ist in einem tadellos gepflegtem Zustand. Wow, hier gibt sich jemand wirklich Mühe alles gut in Schuss zu halten.
Eine schöne Lapa mit Pool, daneben schließen sich – verteilt über ein recht weitläufiges Gelände – das hübsche Farmhaus und die drei Gästebungalows an, von denen wir 2 bewohnen werden. Alles hier ist sehr übersichtlich und fernab vom großen Touristenrummel. Wunderbar!
Wir lernen unsere Gastgeber, Irmi und Clemens, für die nächsten Tage kennen und bekommen unsere Zimmer zugeteilt (riesengroße Rondavels) und packen aus.
Nun geht es erst einmal daran anzukommen und sich wieder häuslich einzurichten (alles schön gleichmäßig überall verteilen).
Eingang zum Gartenbereich und Lounge sind vom Schlafbereich getrennt.
Ein großer Kleiderschrank mit üppigem Stauraum und endlich einmal ausreichend Kleiderbügel für all unsere Klamotten. Hier kann man sich wirklich auch für längere Zeit wohlfühlen.
Wie üblich auf Gästefarmen gibt es um 15.30 Uhr Kaffee und Kuchen, den die Gastgeber gemeinsam mit ihren Gästen in der Lapa einnehmen.
Das gibt in unserem Fall die erste Gelegenheit zum Kennenlernen.
Ab 19 Uhr gibt es den obligatorischen Sundowner, in unserem Fall natürlich Gin & Tonic als "Malaria Prophylaxe".
Und um 20 Uhr gibt es das ausgezeichnete Abendessen im Farmhaus.
Die servierten Mengen sind mehr als üppig und wir wollen noch schnell ein paar Leute dazu einladen, um auch alles aufessen zu können.
Lekker Slaap!
Angie, Micha, Mama & der Hasenbär





