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"Als er nach München kam, war Pep ein junger Mann, der seine gesamte bisherige Karriere in der Komfortzone verbracht hatte. Er kannte La Masia, Xavi, Iniesta, Messi, den Cruyff-Fußball in- und auswendig. In München kamen so viele neue Dinge auf ihn zu. Die Kultur, die Sprache, die Legenden, die den Verein ausmachen. In Manchester ist das anders: Dort wird er weder die Geschichte des FC Bayern noch die Spielkultur des FC Barcelona vorfinden. [..] Während ich Pep als Architekten beschreiben würde, ist Carlo eher der Bauleiter. [..] Das Positionsspiel hat so viele Stärken, aber eben auch ein paar Schwächen. Eine davon ist die Nummer Sechs. Eine Möglichkeit, diese zentrale Position zu schützen, wäre eine zweite Nummer Sechs daneben zu postieren – allerdings zerstört man so das Positionsspiel, das von der vertikalen Aufstellung im Mittelfeld abhängig ist. [..] Meistens hat er auf die andere Möglichkeit, die Sechs zu schützen, vertraut: Entweder er zog sie weit zurück zwischen die Innenverteidiger oder aber er ließ die Außenverteidiger einrücken. Aber das ist nur ein Teil der Lösung: Essentiell ist, dass die Acht und die Zehn nicht zu weit aufrücken. In diesem Fall wird immer viel Druck auf die Sechs möglich sein, die dann Probleme beim Passspiel bekommt. [..] Xabi ist der perfekte Sechser für das Positionsspiel, aber für nichts anderes. Kroos ist vielseitiger als Alonso, als Achter ist er meiner Meinung nach deutlich besser. [..] Xabi als Sechser, Toni als Achter und Thiago als Zehner – das wäre das unglaublichste Mittelfeld, was ich mir vorstellen könnte. Vielleicht fügt man Philipp Lahm als hereinkippenden Außenverteidiger hinzu und es ist perfekt"
"Die Summe der Investitionen liegt nicht weit genug auseinander, um den riesigen Punkteabstand zwischen den Bayern und ihren größten Rivalen erklären zu können. Natürlich sind die Nettoinvestitionen nicht der einzige Faktor: Auch die Gehälter spielen eine große Rolle (und die sind bei den Bayern wesentlich höher als bei ihren nationalen Konkurrenten, allerdings auch um einiges niedriger als bei ihren großen europäischen Rivalen); und ebenso die Tatsache, dass Bayern den BVB mit der Verpflichtung von Götze und Lewandowski schwächte. [..] Den zweiten großen Beitrag Guardiolas für den deutschen Fußball bilden seine – quantitativen wie qualitativen – Ideen zum Spiel an sich, die er im Laufe der drei Jahre säte. Guardiolas Ansätze haben den deutschen Fußball enorm bereichert und gleichzeitig den inneren Widerspruch erhöht, an dem der deutsche Fußball seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2000 leidet. Deutschland veränderte seine fußballerischen Strukturen damals nicht wegen der mageren Ausbeute der Nationalmannschaft und der Bundesligaclubs (zumal vereinzelte Triumphe sie "überdeckten"), sondern aus der Überzeugung heraus, dass die Spielweise, die sie bis dahin praktiziert hatten, obsolet geworden war. Ab dem Jahr 2000 wurden tiefgreifende Maßnahmen eingeleitet, die alle Ebenen betrafen: Man reformierte die Trainerausbildung, verbesserte die Talentsichtung, richtete Kaderschmieden ein, sorgte für finanzielle Stabilität der Clubs. [..] Im deutschen Fußball, in der Liga wie in der Nationalmannschaft, haben starke Atavismen einer Spielweise überlebt, mit der man in den 1970er- und 1980er-Jahren große Erfolge gefeiert hat. Hinzu kommt noch, dass die Ausbildung heute den Schwerpunkt auf unidirektionale Spielweisen setzt, das von Jürgen Klopp so erfolgreich betriebene und von Trainern wie Roger Schmidt und Ralph Hasenhüttl übernommene Gegenpressing, das zudem ein emotionales Bedürfnis der Fans (rennen, Einsatz, Kampf bis zum Umfallen) und der germanischen Art überhaupt bedient. Es sei daran erinnert, dass die Bundesliga der Wettbewerb ist, in dem Mannschaften die meisten Kilometer zurücklegen, immer rauf und runter, in allerhöchstem Tempo. [..] Pep ist taktisch besser geworden, weil er sich in Deutschland aus der Komfortzone herausbewegen musste, in der er sich in seinen vier wundervollen Barça-Jahren eingerichtet hatte. [..] der deutsche Fußball lebt noch immer von der Grundidee (auch wenn es nicht den Anschein hat), dass man mit möglichst vielen Spielern verteidigt und dann, bei der kleinsten Gelegenheit, losrennt"