ERLEBENDES AUSDRUCKSGEBAREN
AFFEKTIONEN: Die Gesamtheit des Ausdrucksgebarens der ersten menschlichen Entwicklungsperiode, besteht aus Stellungnahmen zu äußeren und inneren Vorgängen und stellt diese Anderen zur Verfügung (mit mir geschieht gerade…)
Man lebt von einem Tag in den anderen. Man isst, man hungert, man tanzt, man stirbt. Langsicht in Hinsicht auf etwas, das irgendwann einmal in Zukunft sein wird, ist noch ganz begrenzt, Langsichtverhalten unverständlich und vergleichsweise schwach entwickelt. Ebenso unverständlich ist die Möglichkeit, etwas, das man sich hier und jetzt gedrängt fühlt, zu unterlassen um einer Befriedigung willen, die in einer Woche oder in einem Jahr kommen mag; oder das zu tun, das wir „Arbeit“ nennen. ELIAS
Mit dem Übergang der Aggregation von der Schwarm- zur Gruppenbildung werden die Anderen zu konstanten und relevanten Aspekten der Merk- und Wirknetze in der Umgebung (CASSIRER). Die dauernde Anwesenheit der Anderen sowie die Produkte ihrer Lebenstätigkeit beginnen, einen übernachhaltigen Aspekt der Lebensumwelt zu bilden. Dies betrifft sowohl die Individuen innerhalb der Kleingruppe, welche das unmittelbare Zusammenleben ausmacht — als auch die anderen Gruppen mit denen Geografie und Ressourcen geteilt werden (müssen).
Bedenkenswert ist das ausgeprägte Spielverhalten aller Säugetiere, die damit die biologisch notwendigen Leistungen der Enkinaesthesie niederlagen-, kränkungs- und konsequenzfrei erwerben. Je differenzierter diese Lebensaufgaben sind, desto länger und bunter wird diese Lebensperiode ausfallen. Spielen erfordert ein Einladungsverhalten, einen gegenseitigen „Spielvertrag“ über die Nichternsthaftigkeit und die Symmetrie/Fairness des Agierens und ein Signal zum Abbruch des Spiels (MENNINGHAUS)*. Es bilden sich übernachhaltige, nicht-verwandtschaftliche Bindungen, welche sich über den reziproken Altruismus bekräftigen (DE WAAL).
In der Gruppe werden Aktivitäten nicht zeitgleich von allen Individuen realisiert ― also müssen zentripetale* und zentrifugale Mechanismen nebeneinander ablaufen. Beide werden ausbalanciert, indem übergroße Gruppen in kleinere aufgespalten werden, bei einigen Tierarten müssen Jungtiere die Herkunftsgruppe verlassen und sich anderen Gruppen anschließen bzw. neue bilden. Die Gruppengröße ist abhängig von den verfügbaren Mechanismen zur Steuerung von Hierarchie und Kooperation innerhalb des bewohnten Habitat.
Die Individuen sind gezwungen, via Ausdrucksgebaren durchgehend Reize zu produzieren, welche andere Gruppenmitglieder sowohl zu einem gemeinsamen, als auch dem Individuum gegenüber spezifischen Verhalten stimulieren (emotionale Ansteckung*, hierbei wird aus der Objektkonstanz der individuellen Wahrnehmung eine Ereigniskonstanz der Bedeutung). Ein Beispiel für generalisiertes Verhalten:
In einer größeren Herde werden nur die Individuen am Rand mit einem Raubtierangriff konfrontiert (ein vertrautes Objekt der Umwelt - PEIRCE), für Individuen im Zentrum bleibt dieser unbemerkt. Das affektive Gebaren der randständigen Individuen (Kommunikatoren) bricht die Bedrohung um zu einem Ausdruck (Zeichen des Objekts als Antezedens), welches die mittelständigen Individuen (Interpreten) ebenfalls und unmittelbar als stellvertretendes Signal einer Bedrohung erleben sollen (das Konsequens des Objekts*), sodass sie auf die Gefahr reagieren werden (Verkörperung des Objekts: z.B. Imitationsverhalten der repräsentativen Aktion der Kommunikatoren*). Die Fluchtreaktion der Randständigen ist ein Index des Angriffs des Raubtiers, welcher eine Ikone einschliesst*. Die Mittelständigen reagieren also auf ein Objekt, welches für sie eigentlich noch gar nicht da ist.
Der in der Umwelt nicht primär vorhandene Reiz — das Ausdrucksgebaren — trägt eine Intentionalität (DENNETT), eine Bedeutung. Ein beliebter Denkfehler nun ist, aus der Intentionalität des Ausdrucks auf das Vorhandensein einer Intention beim Produzenten zu schließen (dann wäre die Intentionalität eine primäre Entfremdung der Wahrnehmung des Produzenten). Niemand schließt aus der Intentionalität des Wabenbaus der Bienen auf eine gezielte Intention von Bienen — aus dem Gebrauch vorgefundener Werkzeuge durch Vögel oder Säugetiere aber durchaus.
Die angegriffenen randständigen und die eingeschlossenen, nicht unmittelbar bedrohten Tiere erleben zwei unterschiedliche manifeste Realitäten — erfahren aber via Ausdrucksgebarens dieselbe Bedeutung. Diese ist ein Teil der narzisstischen Ontologie, d.h. der inneren Widerspiegelung der für die Tierart relevanten Umweltaspekte (DENNETT).
Ich vermute hier die Basis für das spätere menschliche Wir-Bewusstsein, von dem sich über die weitere zeitliche und räumliche Distanzierung der relevanten Objekte das menschliche Ich-Bewusstsein abspalten konnte. Im Wir-Bewusstsein fallen das Ergehen meiner Gruppe und mein eigenes zusammen, ich bin ein Aspekt eines übergreifenden Objekts.
Dieses gemeinsame Bewusstsein dürfte intrusiv, ähnlich unseren Halluzinationen erlebt worden sein: JAYNES schließt phylogenetisch aus dem Fehlen introspektiver Beschreibungen vor HOMER, dass seinerzeit Intentionen (Entwicklung von Auswegen aus stressigen Ambivalenzproblemen) als externe Einmischungen attributiert wurden. Dabei handele es sich um die komplexeste Form eines schnellen Informationsflusses von der subdominanten zur dominanten Hemisphäre. Die Gewohnheit & Fähigkeit zur Introspektion scheint sich erst später entwickelt zu haben — offensichtlich im Zusammenhang mit der Ausweitung der geografischen und zeitlichen Horizonte des Weltsicht.
ATHENS beschrieb ontogenetisch ein solches Erleben bei heutigen grob Fehlentwickelten über das Ausbleiben der Bildung des Abstraktums des Über-Ich, wodurch frühere relevante Bezugspersonen sich zu einem halluzinatorisch erlebten Chor zusammentun (RHODES).
Bewusstheit I.S. von Selbstbewusstsein mit rational gestalteten Verhalten ist in beiden Fällen nicht zu beobachten — es geht eher um ein Agieren auf äußere Umstände.
LEARY setzt für selbstreflektierende Emotionen selbstverständlich das Erleben eines Selbst voraus: ein temporales (zeitlich überdauerndes), ein privates (intimes, mit dem eigenen Erleben) und ein konzeptuelles (symbolisches, zur Abstraktion fähiges) Ich. Jeder dieser Aspekte beruht auf einem eigenen kognitiven Mechanismus und diese können in wechselnden Kombinationen miteinander kooperieren.
Temporales Erleben müssen bei vielen Emotionen angenommen werden — sobald diese etwas in die Zukunft projizieren, also das zukünftige Selbst betreffen. Ähnlich steht es mit Dingen, die aus der Vergangenheit in das Hier & Jetzt bzw. darüber hinaus projiziert werden, wodurch emotionale Erfahrungen in einer Lebensweise mit einem kurzen Zeithorizont eine potenzierte Bedeutung gewinnen.
Bewusstheit bringt den Vergleich mit befürchtetem oder erhofftem Verhalten mit sich. Sie rückt auch Emotionalität in den Kegel der Aufmerksamkeit, was diese abändert und differenziert. Durch die Lebensvorgänge kann jetzt Identität bedroht oder bestätigt werden.
Mit der Herausbildung der zweiten Umwelt und der symbolbasierten Sprache entstanden jetzt Objekte, Beziehungen und Vorgänge, die auch neue Emotionalitäten in Gang setzten, die wiederum in neue Symbole über das Selbst mündeten (das Ergebnis meiner erfolgreichen/erfolglosen Aktivitäten beruht auf äußeren Konstellationen vs. persönlichem Vermögen/Unvermögen, dies wiederum gemessen an Eigenschaften der Dinge, welche gewisse Fähigkeiten fordern). Mit dem symbolisierten Erleben wurde es später auch möglich, sich als Mitglied einer größeren sozialen Einheit als der unmittelbaren Herkunftsgruppe zu erleben. Diese Identifikation ermöglicht dann auch das Fremdschämen.
Selbstbewusste (soziale) Emotionen setzen natürlich eine selbstreflexierende Emotionalität voraus — sie beinhalten bei LEARY die Sichtweisen Anderer, was ich für Affekte bei den Juditionen verorte (hier trennen sich Wir- und Ich-Bewusstsein, womit ich den Anderen als getrennt von mir erlebe und mich zu ihm in Beziehung setze. Erst anschließend kann das Ich als Objekt im Erleben Anderer reflektieren: Das Erleben jeglichen Schmerzen als eigener ist dann das Ursprüngliche, da die Schmerzursache in jedem Moment auch für mich relevant werden kann. Erst wenn ich mich im Erleben von der Gruppe abstrahiert habe, hört fremder Schmerz auf, mein eigener zu sein).
Akustische Signale sind richtungsunabhängig, selbst zu erzeugen und kaum abzuweisen, was ihnen als Informationskanal eine besondere Rolle gibt (JAYNES): horchen ist gehorchen.
Werden in einer Gruppe von Individuen also Fone als Ausdrucksmittel benutzt, kann sich das Erleben besonders schnell über die gesamte Herde ausbreiten. Zumindest Primaten können dabei auch eine Kette fonischer Signale als Reihe distinkter Reize wahrnehmen (CHAPAIS), ansonsten bleibt es insgesamt nur bei kurzen Sequenzen des Informationsaustauschs ohne nennenswerte Reziprozität.
Dies legt nahe, dass das fonische Gebaren primär für interindividuelle Signale — Sprache dann aber eher für intraindividuelle Signalisierungen entstanden sein müssten und macht verständlich, warum beide Systeme nebeneinander fortbestehen.
Das erlebende Ausdrucksgebaren musste demnach entstehen, um Umweltreize aufbereiten und weitergeben zu können. Dazu muss ein affektives Erleben vorliegen, welches ursprünglich als subjektiver Anteil der Taxis funktionierte — dies dann mit wechselnden Bedürfnissen und Anforderungen im Laufe eines individuellen Lebens. Das Beobachten und Registrieren des Reagierens der anderen Gruppenmitglieder auf Umweltkonstellationen brachte damit einen Überlebensvorteil: Die Gruppe konstituiert sich nach Regeln, die von Zeit zu Zeit wieder neu ausgehandelt und durchgesetzt werden (normatives Verhalten - GREENSPAN & SHANKER).
Schimpansen leben in Gruppen von durchschnittlich 60 Individuen, für den Australopithecus wird eine Gruppengröße von bis zu 70 Individuen angenommen, mit den Aufkommen von Werkzeugen sei die Gruppengröße auf 80 gestiegen (SCHNEIER). In der Jagd wurde durch die zunehmende Kooperation von Kleinwild auf Großwild übergegangen (SCHNEIER) — was wohl auch auf die Form der Auseinandersetzung zwischen den Menschengruppen (Kriegführung) durchgeschlagen haben dürfte, was dann zu weiterer Kooperation zwang.
Trafen menschliche Gruppen aufeinander — hier darf sicher unterstellt werden, dass diese über gruppenspezifische Ausdrucks- und Darstellungsweisen verfügt haben — wird es auch eine nichtsprachliche Kommunikation gegeben haben, die eine gemeinsame Basis gehabt haben muss. Also auch beim Gebrauch differenter Sprachen müssen die Gruppen dennoch Einsicht in Gestimmtheit und Absichten der anderen Gruppen erlangt haben. Da auch heute noch Menschen unterschiedlicher Kulturen sich über das nonverbale Ausdrucksgebaren verstehen können, dürfte dies auf früheren Etappen der menschlichen Phylogenese nicht anders gewesen sein. Diese Gruppenkontakte ergeben in ihrer Gesamtheit ein instabiles Sozium, welches die außerordentliche Anpassungsfähigkeit des Menschen vorantrieb — denn dadurch kontaktierte man im Laufe eines Lebens eine erheblich größere Zahl von Menschen, als ausschließlich die eigene Kleingruppe (BARRETT). Man hatte nicht nur Kooperation als auch Konkurrenz zu realisieren*. Hinzu kamen die geografischen Wanderungen unserer Vorfahren, welche ebenfalls permanente Anpassungsleistungen einforderten.
Das Aufrichten des Körpers mit der Befreiung der Hände brachte den Hauptort der Exploration und Manipulation der Objekte weg vom Mund sowie damit die Hände selbst andauernd in das eigene Blickfeld. Dies war Voraussetzung der Reflexion des eigenen Tuns und letztendlich zur Herausbildung des beginnenden Selbstbewusstseins.
Die besondere Aufmerksamkeit auf die Hände ist wiederum Voraussetzung für das gegenseitige Deuten auf Objekte und damit der verschränkten Aufmerksamkeit (TALLIS). Der Rückgang des Greifens mit dem Mund andererseits verringerte die Zugwirkung der Masseteren auf die Kalotte und erleichterte damit das Hirnwachstum.
Damit korrespondierte, dass die frei werdende Hand und der zunehmend opponierende Daumen deutlich höhere Freiheitsgrade der Bewegung mit sich brachten. Es entstand das Problem der Optionen des Einsatzes der Hände und das Problem der Wahl des Vorgehens. Somit entwickelte sich die Intuition für Handlungsmöglichkeiten, für das Körpererleben sowie das Selbsterleben als aktiver Agent. Die Hand erlangt eine besondere Propriozeption (v.a. durch die Kontakte der Finger untereinander) und die Verschränkung mit den Augen. Die Hand wird zum Proto-Werkzeug (TALLIS).
Diese besondere Intuition lässt sich wohl dem Resonanzsystem der Spiegelneuronen* zuordnen; sinnvolle und intendierende Handlungen Anderer werden dabei endogen instantan und generalisierend simuliert und präverbal verstanden (NIEDENTHAL & RYCHLOWSKA*), wobei die neuronale Aktivität unterhalb der Handlungsschwelle verbleibt (ZABOURA)*, wie z.B. auch bei Kampfspielen zwingend nötig. Es bilden sich somit innere Bilder (affektiv geladene Symbole) der Situation, die sich vom Handlungsteil (motorische [Re-] Aktion) abtrennen - GREENSPAN & SHANKER*. Die Mimikry-Tendenz kann stärker wirken, als die Sinnhaftigkeit nahe legt (BELOT ET AL)
Nicht als sinnvoll wahrgenommene Aktionen Anderer aktivieren das Resonanzsystem nicht*, es muss sich stets um eine Geste als Anfang einer gesellschaftlichen Handlung (MEAD)* handeln ― oder um eine affektiv aufgeladene Situation (in welcher ein neuronaler Erregungsherd generalisiert). Die erwähnte Geste oder der generalisierte Herd werden somit zum Datur neben den individuellen, biologisch vorgegebenen Basisbedürfnissen (MENNINGHAUS).
Damit konnte im Tier-Mensch-Übergangsfeld das Emulationsverhalten zum eigentlich menschlichen Imitationsverhalten hypertrophieren: Dabei agiert ein Individuum so wie ein im Aufmerksamkeitsfokus befindliches anderes Individuum, welches selbst auf eine reale Umweltkonstellation reagiert (ПОРШНЕВ). Zum Reagieren auf das Symbol eines peripheren Ereignisses tritt das Reagieren auf eine andere Haltung, die damit eigene Bedeutsamkeit erhält.
Auch in der menschlichen Ontogenese findet sich eine auffallende Häufung von Imitationsverhalten bereits im Säuglingsalter: Handlungsbeobachtung führt via Vertrautheit mit dem Handlungsgefühl* zur späteren erleichterten Handlungsdurchführung, zu Intersubjektivität und gefühlsmäßiger Nähe. In den Interaktionen von Müttern mit Kindern wird das kindliche Imitationsverhalten aktiv angeregt und letztendliche angestrebt, eine gemeinsame Affektlage herzustellen. Dabei ist Nachahmung als eigene Form der Kommunikation erkennbar, als Kontaktaufnahme*:
Imitieren und imitiert werden macht Spaß, sowohl Neugeborenen als auch Zweijährigen, die auch Nonsens-Handlungen nachahmen, „um das Spiel am Laufen zu halten“… Das Nachahmenwollen von Handlungen anderer aber ist der Kern des kulturellen Lernens und Nachahmung ist deshalb die Wiege der Kultur. DORNES
Die archaische Gesamtpopulation bestand dabei aus fluktuierenden Gruppen migrierender Individuen ohne stabilen Kern*, was vielfältigste Kontakte innerhalb der Art ermöglichte. Das Paarungsverhalten dürfte noch promiskur gewesen sein (CHAPAIS). Anthropomorphologische Messungen weisen darauf hin, dass zum Ende des Übergangsfeldes ein promiskuitives Verhalten durch stabilere Partnerschaften abgelöst wurde, was auf eine Veränderung des innerartlichen Durchsetzungsverhaltens verweist (NELSON ET AL)*.
Imitationsverhalten war noch das wesentlichste Verhaltensregulativ — damit Neues entstehen kann, müssen hier Handlungsbruchstücke benutzt werden (ПОРШНЕВ). Dabei werden Intentionsbewegungen und Übersprungbewegungen erregter Individuen von anderen am leichtesten übernommen*. Als nicht passgerechtes Aktionsteil hemmen sie aber selbst das Verhalten Anderer. Damit wirken sie als Interdiktion zur Verteidigung gegen Dominanzgebaren* ― es entsteht das „Nein“*. Dadurch wurden diese ursprünglichen Intentions- und Übersprungbewegungen bekräftigt und automatisiert*.
Einen homologen Ansatz verfolgen GREENSPAN & SHANKER: Anstelle von Übersprungbewegungen nehmen sie als Baustein jedoch spielähnliche mikrokosmische Versionen von alltäglichen Vorgängen, mit denen kompetente Mitglieder einer Kultur kooperieren, indem sie Lautgebungen und Handlungen zum Zweck eines gemeinsamen Ziels integrieren. Beispielsweise Spiele zwischen Mutter und Kind, Sichanziehen, Baden oder Spielzeugspielen, also praktische bis unterhaltsame Tätigkeiten und Explorationen, die von intimer Protokonversationen begleitet wurden. Sie setzen bei dieser Kommunikationsentwicklung analog dem kindlichen Erwerb des intentionalen regelgeleiteten Gebrauchs systematischer Ketten strukturierter Geräusche jedoch ein vorbestehendes Kompetenzgefälle zwischen den Teilnehmern voraus und verlegen die Konstellation der Sprachentstehung aus der Lebenspraxis ins Kindlich-Spielerische*. Durch graduelle Differenzen in Aktion und Umgebung entwickeln sich beim Kind eine zunehmende Differenzierung der Wahrnehmung.
Bei erregten Interpreten jedoch kann die neuronale Aktivität die Handlungsschwelle überspringen*, wenn die entsprechende Handlungssequenz in deren Repertoire bereit liegt (ZABOURA) — z.B. das „Mittreten“ von Fußballzuschauern oder das von Beifahrern. In diesem Fall beginnt eine Protokommunikation, die ihre Sender (und Empfänger) nicht mehr aus der Umwelt, sondern aus dem eigenen System rekrutiert* ― mithin der Beginn der [Autopoiesis] eines Soziums. Auch treffen sich zunehmender Werkzeug- (inkl. des eigenen Körpers) mit zunehmendem Objektgebrauch (inkl. des eigenen Körpers). Nachweisbar ist dies über den frühen Einsatz von Körperschmuck* mit seinen Botschaften für Rivalen und Partner (MENNINGHAUS) ― diese Kommunikation fördert sowohl Bindungs- (in der Gruppe) als auch Abgrenzungsverhalten (zwischen den Gruppen). Sie verschiebt durch die Veränderung des Naturgegebenen einen Teil der vom Kommunikator zu erbringenden Leistungen ins Imaginäre..
Damit konnten auch protosoziale, solidarische Handlungsweisen entstehen. In dieses Füreinander werden heute gerne höher menschliche Haltungen hineininterpretiert — SPIKINS ET AL: Ihre Beispiele für ein zu unterstellendes Mitleidsgefühl bei den anderen Gruppenmitgliedern kranken an der Projektion ihrer modernen und persönlichen Vorstellung vom subjektiven Leid eines Kranken auf Frühmenschen und lassen außer Acht, dass hier eigentlich ein generalisiertes Brutpflegeverhalten abläuft. Sie dokumentieren auch eine verblüffende Unkenntnis über Spontanverläufe von Traumata und projizieren die Werbung der modernen Medizinalindustrie auf die Prähistorie. Offensichtlich haben die Autoren noch keinen traumatisch amputierten ― und überlebenden ― Straßenhund gesehen.
Hier verblieben die solidarischen Handlungsweisen jedoch noch auf einem unreflektierten, triebhaften Niveau. Aber dies funktioniert durchaus auch mit komplexem Verhalten: CHRISTOPHE BOESCH beschrieb eine ungewöhnlich stark bedrohte Schimpansenpopulation, welche bei kritischem Sinken der Gruppengröße begann, Verletzte zu pflegen und Verwaiste zu adoptieren (was auch nicht verwandte Männchen übernahmen).
Alloparenting bedeutet auch, dass Brutpflegeverhalten über die Generationen hinweg reichen und Kranke einschließen kann. Diese müssen phänomenologisch einen infantilen Habitus* aufsetzen (wie man heute noch an Straßenbettlern beobachtet, welche diesen bewusst einsetzen) ― evtl. kombiniert mit Durchsetzungsinterdiktionen (was Straßenbettler ebenfalls tun).
Andererseits verhindern Interdiktionen (jetzt Durchsetzungsinterdiktionen ― das „Kann“) und die dank der individuellen Interaktionen breit streuenden subjektiven Erfahrungen die Entwicklung einer zu homogenen Gesamtpopulation.
Untereinander traten durch diese Protokommunikation körperliche Aggressionen in den Hintergrund ― was einmal mehr mit einer aktiven und passiven Schonung von Graviden und Infantilen verwoben wurde*.
DARWIN u. a. postulieren einen prinzipiell schon proto-musikalischen Vorfahren des Homo sapiens (MENNINGHAUS); was die besondere affektive Wirksamkeit von Lautfolgen bestätigt und die Fonen und die Ammensprache vor den Erwerb des intentionalen regelgeleiteten Gebrauchs systematischer Ketten strukturierter Geräusche setzt.
Parallel dürfte sich mit der Verfeinerung der Anatomie des Larynx die Suggestibilität des fonischen Balzverhaltens verbessert haben, dasselbe ist für die Verfeinerung der sonstigen Motorik anzunehmen, desgleichen der (Körper-) Ornamentik beim Verlust der Körperbehaarung (MENNINGHAUS).
Die Musik im engeren Sinne sei aber durch eine kompetitive Elaborierung der Musikalität entstanden. Dabei handelt sich um einen supranormalen Stimulus, der besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht*.
Das hypertrophe Imitationsverhalten ermöglichte ein empathisches Mitverfolgen anderer Tierarten desselben Habitats und vermutlich auch das Nachahmen von Tierlauten und -gebaren*, sodass eine besondere Interaktion mit anderen Arten bestanden haben dürfte (ПОРШНЕВ). Bei CHANGIZI findet sich korrespondierend, dass sich Sprache und Musik offensichtlich in der Natur vorgefundener akustischer Basisstrukturen bedient, die imitiert werden. Aus diesem Grunde passten sich Sprache und Musik den für die basalen Oberflächenstrukturen früher erworbenen neurologischen Strukturen an.
A. KING über Rentierzüchter in Kamtschatka:
Sobald wir das Lager verlassen hatten, hörte ich ihn Geräusche machen, die ich nie zuvor gehört hatte. Dies war ein hauchender Gesang von Pfiffen und einem schweren Schnaufen. Ich war verwirrt und meine einzige Idee war, dies unterstütze seinen gemessenen Gang; ich versuchte, seinen Rhythmus zu imitieren. … Als wir näher kamen, hörte ich eine Kakophonie von Grunzen, Schnaufen und schnappenden Sehnen. … Selbst beim Ausruhen sprachen die Hirsche untereinander und raschelte sich etwas zu, wobei es eine ruhige, gemütliche Art von Rascheln war. Die Männer pfiffen die ganze Zeit des Marsches, laut und weich, als eine Art von Konversation mit den Hirschen, welche als Herde insgesamt ebenfalls andauernd Geräusche erzeugte und einerseits den Männern antwortete und sich andererseits untereinander unterhielt. Diese seltsame Konversation war meine erste Ahnung von einer Menge komplexer Beziehungen zwischen Mensch und Hirschen. … Wir wanderten entlang der Front der Herde und den Hügel hinauf. Wolodjas Pfiffe mischten sich jetzt mit Rufen und verschiedenen Grunzlauten. Er sprach zu den Hirschen, beruhigte sie, erzählte, wo wir waren und wohin wir gingen. … Hinter der Herde war der Hirt… [sein] jüngerer Bruder. Er machte ähnliche Geräusche wie Wolodja, sprach zum Wild.
Dies dank der sich v.a. oral realisierenden Somationen und der besonderen Beweglichkeit der Zunge (GREENSPAN & SHANKER). Sicher aber betraf das Imitationsverhalten auch die Bewegung im Raum*, insbesondere ihr Anschluss an vorherige Bewegungen mit Signalwirkung auf Zukünftiges. Damit werden reaktive Verhaltensmuster erstmals auf ihre eigenen Resultate angewandt ― daraus beruhte dann das Wahrnehmen des Wahrnehmens selbst (LUHMANN) ― und die beginnende Trennung der Aktion von der Wahrnehmung und der Erwerb der Werkzeuge des Lernens (GREENSPAN & SHANKER).
Emotionen sind zunächst an die Anwesenheit des verursachenden Objekts gebunden* — in der Ausdrucksweise der Affekte ist somit kein übergreifender Diskurs möglich. Sprechen dagegen beinhaltet den Gebrauch von Symbolen unabhängig vom realen Auftauchen der Dinge. Das Ausdrucksgebaren ist eindeutig* — im intentionalen regelgeleiteten Gebrauch systematischer Ketten strukturierter Geräusche gibt es meist Synonyme und immer die Möglichkeit der Umschreibung*. Dazu kommt:
Die Schwelle der Sprache ist dort, wo das Verb auftaucht. … Das Verb bestätigt, d. h., es zeigt an, dass der Diskurs, wo dieses Wort angewandt wird, der Diskurs eines Menschen ist, der nicht nur die Namen begreift, sondern der sie auch beurteilt. Es liegt ein Satz ― und Diskurs ― vor, wenn man zwischen zwei Dingen eine attributive Verbindung feststellt, wenn man sagt, dies ist jenes. FOUCAULT
Anfangs agierte der protosprachliche Ausdruck mit einfachen und wohl angeborenen, dann mit zunehmend komplexen und zu erlernenden Signalen, welche jetzt die Existenz eines spezifischen Erlebens anzeigen (einer Beziehung zu den Dingen). Sie bleiben durchgehend an das dahinter stehende affektive Erleben gebunden, sie sind kein direktes Abbild des Bezeichneten.
Ein weiteres Merkmal einer Primitivsprache ist ihre relative Vieldeutigkeit. Im Buschmännischen heißt … „g´ons“: „Sonne“, „warm“ oder „durstig“ oder alles zugleich (man beachte die Szeneneinbettung der Wortbedeutung); „Ne-ni“ heißt: „Auge“, „sehen“, „dieser da“. 7. Die mehrfachen Funktionen einzelner Wörter. Zum Beispiel heißt im Buschmännischen „/na“ soviel wie geben. Gleichzeitig wird „/na“ als Dativpartikel verwendet (soviel wie „bekommen“). Auch in der Ewe-Sprache wird der (semantische) Dativ durch das Verbum „na“ („geben“) ausgedrückt. … 8. Der Mangel an Gattungsnamen oder Oberbegriffen. Die Buschmänner haben viele Bezeichnungen für Früchte, aber sie haben kein Wort für Frucht. 9. Die Übertragung anschaulicher Ähnlichkeiten in die Wortbedeutungen. Im Buschmännischen steht der bildhafte Ausdruck „/´ka-/na“ für Finger und heißt wörtlich übersetzt „das Haupt der Hand“; Hunger heißt in der Übersetzung: „der Bauch tötet den Menschen“; der Elefant heißt wörtlich das „den-Baum-Zerschmetterer-Tier“. Man beachte auch hier das szenische Element selbst in den Wortbedeutungen für einzelne Dinge. KLIX*
Aus den interindividuellen Formen der Interdiktionen hoben sich also die suggestiven Lautäußerungen heraus. Daneben erfolgte die zeitliche Distanzierung der unmittelbaren Reaktion (der Fone) von der geplanten Aktion (des Sprachlauts) — zunächst als Teil des komplexen affektiven Agierens, dann als deren Verselbständigung — und wurden zu individuellen, dann zu intrapsychischen Verhaltensweisen (ПОРШНЕВ):
Transformation des äußeren Sprechens in das innere und zurück bei WYGOTSKIJ mit: Motiv – Gedanke – inneres Sprechen – semantischer Plan – äußere Sprache.
Dabei konnte Redundanz nur durch möglichst genaues Kopieren früher verwandter Signale erreicht werden:
Die bei JUSLIN & LAUKKA beklagt enge Bandbreite der Fonen setzt nun aber voraus, dass unsere Vorfahren mit eiserner Miene und unbeweglichen Gliedmaßen agiert hätten ― die nötige Bandbreite ergibt sich also durch die Kombination der verschiedenen Kommunikationskanäle ― diese verweisen dann nicht mehr auf Äußeres, sondern sind die Information selbst (LUHMANN):
Bei der Wahrnehmung von Emotionen lässt sich beobachten, dass sie eine automatisierte Wirkung auf den Betrachter besitzen. Zeigt man Personen Bilder von Grundemotionen, … dann stellt sich bei ihnen der gleiche physiologische Zustand … ein, der auch die echten Grundemotionen begleitet (THOMAS) ― es wird dann also nicht mehr der äußere Reiz, sondern der innere Zustand kommuniziert.
Mit dieser Entwicklung des inneren Ausdrucks (welcher einfachere physiologische Vorgänge jetzt auch im Kommunikator selbst hemmt) kam das Moment der Autosuggestion als Kontersuggestion hinzu. So werden beim (modernen) Menschen nicht nur transitive, sondern auch intransitive Aktionen verarbeitet, im letzteren Falle ohne Aktivierung des Broca-Areals (ZABOURA).
Mit diesem Unterdrücken des Imitierens fremden Verhaltens* durch die intrapsychischen Signale begann die Fähigkeit zur Bildung von überdauernden Einstellungen im Kommunikator selbst und zur Verhaltensregulation, inklusive der Beeinflussung anderer Interpreten:
So kommt z.B. Kommunikation (also Gesellschaft) immer dann in Gang, wenn man beim Beobachten (das dadurch „Verstehen“ wird) Mitteilung und Information unterscheiden kann. Das ist auch vorsprachlich schon möglich, aber Sprache drängt diese Unterscheidung derart zwingend auf, dass der Verstehende, wenn er dann selbst spricht, sich auf eben den Mechanismus stützen kann, der ihm das Verstehen ermöglicht. So entsteht eine rekursive Schließung, die keinerlei Elemente aus der Umwelt benutzt, sondern mit einer emergenten Unterscheidung arbeitet. LUHMANN.
Am Ende dieser Entwicklung intrapsychischer Objekte stand dann die dauernde Fähigkeit zur Systematischen Werkzeugherstellung (HOLZKAMP) ― gegenüber den sporadischen Werkzeuggebrauch bei anderen Primaten. Werkzeuge sind dabei funktionelle Erweiterungen des eigenen Körpers, die aber nicht vollständig in das Körperschema integriert sind*. Sie sind sichtbarer Ausdruck nicht-sichtbarer Konstellationen und Bedürfnisse und sind wegen dieser allgemeinen Sichtbarkeit Ausgangspunkt für das kollektive Bewusstseins (TALLIS). Ähnlich im Ausdrucksgebaren: Aus dem sporadischen Ausdruck entwickelte sich die dauernde und systematische Produktion von Ausdruck ― der sowohl Teil des unmittelbaren nicht-symbolischen Erlebens ist als auch eine beginnende, symbolische Eigenständigkeit bekommt.
Der Beginn des intentionalen regelgeleiteten Gebrauchs systematischer Ketten strukturierter Geräusche bestand somit in der Beeinflussung Anderer durch interdiktive und imperative Protoverben (plus VULTUS plus GESTUS, der Sprache ― dem „Soll“) mit Bekräftigung durch Verbigerationen. Die Protokommunikation gestattet langsam das Wahrnehmen des Wahrgenommenwerdens und damit das Erleben von Gegenwart mit ihrer wachsenden Kommunikationsdichte (LUHMANN). Sprechen ist eine lustvolle Tätigkeit (GREENSPAN & SHANKER):
Typen autopoietischer Operationen und entsprechender Systembildungen … sind gleichsam Einmalerfindungen der Evolution, die sich auf Grund ihres Strukturentwicklungspotenzials bewähren. Dies Zusammenspiel von Selbstfortsetzung und Strukturbildung ermöglicht und erzwingt Evolution, ohne dass man dabei „natural selection“ oder andere Arten externer Strukturdetermination unterstellen müsste. LUHMANN
Sprachgebrauch erfolgt stets im Rahmen von Beziehungsstrukturen und erzeugt Sinn (LUHMANN, dem Sprechen ― dem „Was“, das VULTUS und GESTUS nicht vermitteln können), das Vergnügen beim Sprechen steigt mit der Komplexität und Differenziertheit der Inhalte:
Jeder Sprechakt oder Diskurs stellt eine bestimmte Konstellation dar, ist das Produkt des Zusammentreffens eines sprachlichen Habitus und eines sprachlichen Marktes, das heißt eines Systems von sozial konstituierten Dispositionen auf der einen Seite, das eine Neigung zu einer bestimmten Art des Sprechens und zur Formulierung von bestimmten Dingen (ein Ausdrucksinteresse) und zugleich eine bestimmte Sprachkompetenz impliziert, … und eines Systems von Verhältnissen der symbolischen Macht auf der anderen Seite… BOURDIEU
Dabei werden Strukturen immer wichtiger — sie verengen zunehmend den Spielraum für Anschlussoperationen (LUHMANN). Sobald diese sukzessive Syntax einsetzt, findet sich analog zum Nähesprechen* auch im Ausdrucksgebaren eine Prozesshaftig- und Vorläufigkeit mit Verkürzung durch Aggregation mit geringerer Kommunikationsdichte (KOCH & ÖSTERREICHER).
Die sprachliche Kompetenz ist dabei eine statusgebundene Fähigkeit*. Die sprachliche Aussage bekommt ihre Macht ihrerseits aus dem Status des Kommunikators, dieser konstituiert über seinen Habitus das Gegebene und der Interpret nimmt dies hin:
Die Sprache ist eine Technik des Körpers, und die sprachliche und vor allem die phonologische Kompetenz ist eine Dimension der hexis des Körpers, in der die ganze Beziehung zur sozialen Welt zum Ausdruck kommt. BOURDIEU
Der Interpret akzeptiert diese Weltsicht als natürlich, weil sie mit seiner übereinstimmt ― er erlebt sie mit Hilfe kognitiver Strukturen, die phylo- und ontogenetisch aus eben dieser Welt hervorgegangen sind.
Die nominativen Funktionen traten später hinzu, indem dieselbe Fone von verschiedenen Bewegungen und Objekten begleitet wurde, d.h. durch sich wandelnde Kontexte (ПОРШНЕВ). Hier ist sicher auch das emotionale Gebaren mit ihrer Kontextinformation als Technik des Körpers anzusetzen:
Im Gegensatz zu den ungerichteten Übersprunghandlungen steuern emotionale Signale über die Gestimmtheiten der Akteure das Zusammenleben über längere Zeiträume und über die Affekte die unmittelbare Compliance.
Emotionale Signale sind mit den intrapsychischen Interdiktionen der letzte Schritt vor der Herausbildung der Fähigkeit zur Symbolbildung ― die Einwirkung eines äußeren Objekts muss dann vom Interpreten nicht mehr unmittelbar erlebt werden, da der Kommunikator das Ergebnis auch zeitlich verschoben zur unmittelbaren Erfahrung darstellen kann.
Die Programme des Ausdrucksgebarens sind zunächst noch sehr eng an die neuronalen Strukturen gebunden und dürften diese in ihrer Phylogenese stimuliert haben. Zwischen Reiz und Reaktion wurden höhere funktionale Zentren zwischengeschaltet: Es mussten spezialisierte neuronale Zentren entstehen, die zu funktionalen Einheiten zusammengeschlossen, aber auch umkombiniert werden können. Die Freiheitsgrade des Verhaltens waren noch gering, der zeitliche Horizont war nah, der örtliche ebenfalls. Erinnerte affektive Reaktionen können jedoch eigene Reaktionstendenzen entstehen lassen.
In erster Hinsicht wurden Sicherheitsbedürfnisse (MASLOW) bedient. Im Rahmen des zwischenmenschlichen Austauschs geschieht dies alles auf der Ebene von Tausch- und Verwertungsmitteln (HAUG). Im bimodalen Ansatz von SMITH & NEUMANN klassifizieren sich die AFFEKTIONEN als assoziative emotionale Reaktionen.
Zwar gehören die meisten emotionalen Ausdrucksweisen zum stammesgeschichtlichen Erbe, bei den affektiven Reaktionen hat das Ausdrucksverhalten mit der Phylogenese der Psyche aber einen hoch differenzierten Formenreichtum erlangt. Dies v.a., weil die zunehmende Beherrschung der Umwelt und die zunehmende Komplexität der Gruppenstruktur neue Objekte und Beziehungen bedeutsam werden ließen.
Diese neuen Formen – die AFFEKTIONEN eben― tragen die Fülle spezifisch menschlicher Erlebnis- und Ausdrucksweisen im Hier und Jetzt. Sie realisieren das physiognomische Wahrnehmen, welches den anderen Wahrnehmungsqualitäten vorausgeht und die Triebkraft des archaischen Denkens ausmacht (CASSIRER).
Im archaischen Denken erleben sich Menschen nicht als eigenständig agierende Individuen, sondern eingebunden in ihre Welt ― in der mythischen Selbstbeschreibung also als eingebettet in die Hierarchie der Natur von den unbelebten Objekten über Pflanzen, Tiere usw. bis hin zur Welt des Übersinnlichen. Menschen sind also noch nicht „individualisiert“: Man könnte versucht sein zu sagen, dass sie bewusst sind, ohne selbstbewusst zu sein (ELIAS).
Diese Etappe brachte eine reiche Entfaltung des Ausdrucksgebarens. Dabei erzielen individuelle Aktivitätsmuster soziale Wirkungen, womit sie aus dem ursprünglichen Instinktkreis herausgelöst, jetzt situationsspezifisch eingesetzt und zum Instrument mit Fernwirkung wurden (KLIX). Das Affektgebaren der AFFEKTIONEN zielt darauf, Interpreten zu bestimmten Aspekten zu informieren und über deren affektives Reagieren bestimmte Aktionen anzuregen oder zu hemmen. In beiden Fällen müssen Erleben, Einstellungen und Intentionen der Anderen gelesen werden, was eben durch die Externalisierung intrapsychischer emotionaler Vorgänge aller Gruppenmitglieder ermöglicht wird.
Damit gelingt ― v.a. über die Augen bzw. Blickwendungen ― eine gemeinsame Aufmerksamkeitsfokussierung zwecks Zielbildung. Ausgangspunkt hierfür dürfte zum Beispiel die dyadische Mutter-Kind-Beziehung gewesen sein, welche dies bereits im Säuglingsalter realisiert (WEGENER).
In der kindlichen Sozialisierung folgt dann die Anpassung des egozentrischen kindlichen Denkens an das Denken Anderer, mit ihnen zusammen muss die materielle Welt erobert werden (ВЫГОТСКИЙ). So findet sich auch jetzt stets ein primärer Altruismus bei Kleinkindern ― diese schätzen Konformität besonders hoch (TOMASELLO), wofür eine genetische Basis erkennbar scheint (REUTER).
Großzügigkeit, Vertrauen, Bestrafungsgefühl, Gerechtigkeitsgefühl mit Bevorzugung des Familienverbandes und von reziproken Langzeitbindungen, dadurch Reduzierung der Wirkung von Stressoren. SILK
Tendenziell ist dies auch bei Schimpansen beobachtet worden und zwar, solange die Begünstigten keinen Druck in Richtung Kooperation ausübten (HORNER ET AL, SILK ET AL) — als nach ПОРШНЕВ keine Interdiktionen eingesetzt werden, die dann beim Interpreten die Kooperation hemmen. Korrespondierend versuchen schon Kinder, Unkooperativen aus dem Weg zu gehen (TRACY).
Die Stabilisierung der menschlichen Gruppenstrukturen* führte darauf aufbauend zu Kooperation und Arbeitsteilung. Die mentale Kapazität nahm zu und hob das intellektuelle Vermögen über das Versuch-Irrtum-Niveau (KLIX), koordiniertes Verhalten wurde dominierend. Kommunikation war somit weit über somatisches Ausdrucksgebaren hinaus gelangt.
Die Selektion einander widersprechender Eigenschaften ― Sicherheit vs. Neugierde, soziale Verantwortung vs. Durchsetzungsfähigkeit usw. ― führte zu einer Population mit einem großen Reichtum an Reaktionsmöglichkeiten. Emotionalität wurde zur Verhaltensmotivation auch beim Fehlen von Triebspannungen. Sie gewann relative Eigenständigkeit gegenüber äußeren Reizen, da sie auch durch deren intrapsychische Aktivierung ausgelöst werden kann. So wurde Emotionalität zum Informationsträger im Rahmen einer neuartigen Aufgabe: der Langstreckenkooperation in und der Auseinandersetzung zwischen Gruppen (JACKENDOFF). Dabei muss die eigene Gruppe zusammengehalten und strukturiert werden, und sie muss sich gegen andere Gruppen abgrenzen.
In dieser Entwicklungsetappe lernten Menschen, die eigenen Stellungnahmen auch anderen zugänglich zu machen. Dank der neu erworbenen Fähigkeit zur gemeinsamen Aufmerksamkeitslenkung entstand die Fähigkeit für die Identifikation mit Anderen, wodurch diese als intentionale Akteure wie das eigene Selbst verstanden werden können (TOMASELLO). Dabei werden im Rahmen gemeinsamer Tätigkeiten Erwartungen an den Anderen aufgebaut. Im Ausdrucksgebaren werden eindeutige Stellungnahmen vermittelt.
Affektives Erleben ist syndromal ― als Reaktion auf einen Stimulus, als sich selbst bekräftigender Vorgang mit begrenzter Kapazität und begrenzter Steuerbarkeit. Es schafft durch das Setzen einer Distanz zwischen Reiz und Reaktion neue Voraussetzungen für ein angemessenes Verhalten ― hat aber noch begrenzte Freiheitsgrade. Emotionalität interferiert mit Gedächtnis und Denken, wodurch diese differenziert werden. Sie ist jedoch meist unmittelbares Reagieren unterhalb der Bewusstheitsschwelle*. Der emotionale Ausdruck schafft einen kommunikativen Rahmen des Erlebens, und dies direkter und eindeutiger als Worte:
Emotionen, Entscheidungen und Sozialverhalte: Beim Menschen kommt es nach Läsion des ventromedialen Kortex … zu einer „erworbenen Soziopathie“. Bei erhaltener Intelligenz handeln betroffene Patienten sozial verantwortungslos, sind unfähig, kurzfristige Belohnungen zu ignorieren und haben im Alltag Entscheidungsschwierigkeiten. Darüber hinaus weisen sie subtile emotionale Defizite auf … emotionale Flachheit, Unbeteiligtsein und Gefühllosigkeit sowie Störungen des emotionalen Lernens und der emotionalen Wahrnehmung. Interessanterweise korrelieren die emotionalen Beeinträchtigungen mit der Schwere der sozialen Verhaltensstörung … Erstens beeinflussen implizite emotionale Lernerfahrungen Entscheidungen schon dann, wenn noch kein explizites Wissen vorhanden ist. Zweitens werden Entscheidungen auch nach Erwerb expliziten Wissens durch Gefühle gebahnt und stabilisiert … Während Primäremotionen fest „verdrahtet“ sind, entstehen sekundäre Gefühle in einer … Überlagerung einer mentalen Vorstellung mit einer Repräsentation des Körperzustands …Vor einer Entscheidung stellt sich eine Person die Ergebnisse verschiedener Handlungsalternativen vor…: Sie simuliert kontrafaktische Situationen mental. Diese Vorstellungen werden … an die Amygdala weitergeleitet, die körperliche Reaktionen bewirkt. Die Repräsentation des Körperzustands im Gehirn, welche laufend „online“ gehalten wird, hängt von früheren Lernerfahrungen ab. Sie wirkt als „somatischer Marker“, der uns vor dem Hintergrund vergangener Erfahrungen intuitiv spüren lässt, ob eine vorgestellte Entscheidung richtig oder falsch ist. WALTER
In der intellektuellen Phylogenese haben sich auf dieser Etappe die Basiskonzepte des mentalen Inventars herausgebildet ― Bewegung und Veränderung (PINKER). Diese tragen die Fertigkeiten, die physische Umwelt zum eigenen Nutzen zu manipulieren. Der intentionale regelgeleitete Gebrauch systematischer Ketten strukturierter Geräusche jedoch vermitteln multiple Aspekte bezüglich ein und dieselben Situation. JACKENDOFF erkennt darin einen Entwicklungssprung: Es können völlig neue Beziehungen dargestellt werden: Vaterschaft, moralische Konzepte, Objekte aus mehr als drei Einzelteilen, Übernatürliches, Lebensweisheiten, Verwandtschaftsbeziehungen (Allianzdispositive mit den Definitionen des Erlaubten-Verbotenen, des Vorgeschriebenen-Ungehörigen zwecks Reproduktion der Beziehungen inklusive des Inzestverbotes und der Vererbung des Besitzes). Diese Etappe scheint ihren Abschluss mit dem Wechsel von leicht abgeänderten, aber noch naturgegebenen zu dreidimensionalen, künstlichen, figurativen Schmuckobjekten gefunden zu haben.
Dabei geben die Konstellationen ― somatische, dyadische, gruppale und soziale ― die Matrix vor, nach der Erregungszustände als diese oder jene Emotion interpretiert werden: Eine initiale Alteration des homöopathischen Status durch den laufenden Fluss der Ereignisse (Kernaffekt) wird gleichzeitig auf ihre Wertigkeit validiert. Letztere ist situationsabhängig via den neuropsychologischen Schaltkreis, über den die Evaluation abläuft; diese erfolgt permanent und simultan für mehrere Vorgänge gleichzeitig. Hierdurch wird der Stimulus identifiziert und eines der möglichen Aktionsprogramme gestartet. Diese sind sowohl sozial vorgegeben als auch situationsabhängig, was wiederum durch Erfahrung modifiziert wird.
Das subjektive Erleben einer Emotion hängt zusätzlich vom Wissen über Emotionen ab (FELDMAN). ILLOUZ zitiert DUTTON & ARON bzw. SCHACHTER, in deren Experimenten Männer durch einen Furcht auslösenden Reiz bzw. Adrenalin zunächst in Spannung versetzt und dann in eine libidinöse Situation bzw. emotionale Erwartungshaltung versetzt wurden ― wodurch die Spannung tendenziell als sexuelle Erregung erlebt wird. Sie schließt, wobei sie auch auf die Verbalisierung von Emotionen abhebt: Kulturelle Rahmenbedingungen bezeichnen und bestimmen das Gefühl, begrenzen seine Intensität, spezifizieren die damit verbundenen Normen und Werte und liefern Symbole und kulturelle Szenarien, die das Gefühl gesellschaftlich kommunizierbar machen. Lies: schon sehr früh in der menschlichen Phylogenese bestimmten nicht mehr „fest verdrahtete Primäremotionen“* Erleben und Verhalten, sondern deren Einbindung in den aktuellen Kontext ― Menschen leben fortan in einer Semiosphäre (LOTMAN). Dazu gehören stets auch Mitmenschen, die einen Gutteil der Rahmenbedingungen des Individuums abgeben, womit Gefühle und Emotionen eher in der Gemeinschaft erzeugt, erlebt und definiert werden.
Nach JACKENDOFF werden stets Werte kommuniziert, diese vermitteln im System der Alltagslogik. Deren Regeln helfen, Personen, Objekte und Vorgänge zueinander in Beziehung zu setzen: 1. affektiver Wert ― eine Situation/Aktion führt zu Vergnügen oder Leid, fühlt sich gut oder schlecht an; es geht sowohl um das Erleben als auch das Beurteilen von Situationen, dabei wird Erleben auch Anderen zugeschrieben*; 2. Nutzwert ― eine Situation/Aktion führt zu Nutzen oder Kosten, er charakterisiert den Effekt einer Situation auf die Beteiligten, kann also individuell unterschiedlich ausfallen; 3. Ressourcenwert ― ein Objekt führt zu Nutzen und sollte besessen werden, das Objekt verspricht ein Potenzial für einen der obigen Werte; 4. Qualität ― ein Objekt/Aktion wird verglichen mit anderen Objekten/Aktionen desselben Typs, durch den emotionalen Ausdruck wird es möglich, auf Erleben und Erfahrungen Anderer zu schließen, ohne sie selbst machen zu müssen.
Mit der Ausbildung der Gesichtsmotorik werden Emotionen zunächst durch ausgreifende Loci dargestellt wie z.B. bei der Miene des
DOLORUS, welcher fast das gesamte Gesicht ergreift.
Die Kommunikationsmittel mussten dann komplexer werden, um neuen Bedürfnissen zu entsprechen: Später entstandene Mienen konnten nicht mehr das gesamte Gesicht beanspruchen ― mit dem Auftreten immer neuerer Mienen wurde letztendlich eine Verfeinerung durch örtliche Beschränktheit notwendig:
So beispielsweise bei der Miene des
PERPESSUS im kleinen Raum zwischen Nase und Oberlippe (über die Amplitude kann die Tiefe des Erlebens dargestellt werden).
Letztendlich kam es zu einer Beschränkung auf immer kleinere Geografien, sodass z.B. beim Ausdruck des
CUPIDUS schließlich nur noch die Lider mit einer minimalen Bewegung den Ausdruck tragen (der verloren geht, wenn eine bestimmte Amplitude überschritten wird).
Der Umfang des Gefühlsausdrucks im Gesicht wurde also immer weiter miniaturisiert, dabei erlebt man jetzt die Augengegend als Zentrum des Geschehens. Hier wirkt evtl. der Einfluss der Größenzunahme der Bulbi im Rahmen der menschlichen Migration nach Norden (PEARCE & DUNBAR). So wird das Ich i.S. des Zentrums einer Person auch in deren Augengegend projiziert (STARMANS & BLOOM, JAYNES); im sozialen Kontakt werden insbesondere die Aktionen der Augengegend beobachtet (DAVIDSON). Ein Test mit Monsterbildern, auf denen die Augen an atypischen anatomischen Orten plaziert wurden erbracht, dass zunächst der Mittelpunkt des Gesichts angeschaut, dann aber aktiv nach den Augäpfeln gesucht wird (LEVY, FOULSHAM & KINGSTONE)
Eine strenge Entwicklungslinie lässt sich nicht rekonstruieren und sie dürfte wohl auch gar nicht linear abgelaufen sein. Wie und warum einzelne Affekte sich eben so darstellten, wie sie es jetzt tun, bedarf noch der Klärung. Neben neuroanatomischen Gründen lässt sich funktionell auf die Phylogenese des ästhetischen Erlebens verweisen, letzteres wird seit DARWIN primär mit der sexuellen Auslese assoziiert*. Zur Phylogenese der ästhetischen Elemente und Formen verweist DARWIN auf Unterscheidungsmerkmale wie Neuheit, Vielfalt, Seltenheit und Übertreibung*:
DARWINs Modell einer sich selbst verstärkenden Elaborierung aufwändiger ästhetischer Signale um ihrer inhärent gefallenden Signalqualitäten willen sagt letztlich voraus, dass es immer und wesentlich „zu viele Liebeslieder“ gibt ― nicht nur in der menschlichen Kultur, auch unter Vögeln. Neuere Forschungen haben zeigen können, dass sexuelle Gesänge die umworbenen weiblichen Vögel einerseits, die männlichen Konkurrenten andererseits nicht durchweg kraft derselben Merkmale beeindrucken. … Diese funktionale Binnendifferenzierung bei gleichzeitiger Adressierung verschiedener Empfängerklassen mag die Evolution hochkomplexer Lautmuster zusätzlich begünstigt haben.
Ein erneutes starkes Argument gegen eine engen Zahl so genannter „Primäremotionen“. Da obiges Zitat von der Phylogenese des Ästhetischen ausging, sollte hier jeder prüfen, inwieweit handlungshemmende bzw. distanzierende Mienen ― z.B. FASTIDUS oder EXPETERUS ― deutlich weniger ästhetisch wirken als handlungsauffordernde / distanzverringernde Minen wie z.B. EXHILATUS oder GAUDIUS.
Aus dem Aufbau eines Ausdrucks kann man somit auf sein phylogenetisches Alter schließen. Da jeder Ausdruck frühestens dann aufgetaucht sein kann, wenn das dadurch kommunizierte Erleben in der psychischen Phylogenese erschien, lässt sich am Aufbau des Ausdrucksverhaltens auch die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Psyche ableiten (LEONHARD). Analoges gilt für die Kombination einfacher Mienen zu komplexeren Ausdrucksweisen.
Diese geografische Verfeinerung widerspiegelt sich auch im sozialen Raum ― grobe Mienen wirken und gelten als unfein, unschicklich, grob. Sie sind zurückzuhalten ― die große Kunst besteht dann im Gebrauch der Augen, von denen dann auch die Wünsche (lies: das Erleben) abzulesen sei.
Im Bereich der verbalen Sprache wurde kürzlich entgegen ZIPF konstatiert (BALL), die Wortlängen korrespondierten mit Bedeutung & Volumen der übermittelten Informationen ― weniger relevante Informationen würden daher mit kürzeren Ausdrücken übermittelt.
Einen Überblick über den aktuellen Stand bot SPITZER.
Für den VULTUS hieße das, groben Mienen vermittelten relevanteres Erleben. Ob sich in der Mimik hierdurch ein Bruch mit der Hypothese des höheren Alters ausgreifenderer Mienen ergibt, muss noch geprüft werden. Zumindest jedoch lässt sich das Prinzip für die Ausprägung einer Miene zwanglos nachvollziehen.
Vom Grundgedanken her entspräche bei REDDY dies alles wohl den Constantiven.
Die Mimik kann zum Ende dieser Entwicklungsetappe vielfältige affektive Stellungnahmen (GEFÜHLSMIENEN), volative Strebungen (WILLENSMIENEN) und kognitive Vorgänge (DENKMIENEN) kommunizieren. Die Gestik realisiert sich über HALTUNGSGESTEN (des Kopfes) und BEWEGUNGSGESTEN (auch der Arme) und Gesten können sich mit Mienen kombinieren, sodass komplizierte Konstellationen verarbeitet werden. Die begleitenden Fonen spezialisieren sich analog und realisieren jetzt eine Vielzahl affektiver Stellungnahmen. Meist verdoppeln sie sich in stimmhafte (bei geöffnetem) und stimmlose (bei geschlossenem Mund) Varianten. Insbesondere jene bezeugen den kommunikativen Inhalt, da sie ja keinen verbalen Sinn tragen (können).
Die Erkenntnisfähigkeit des Menschen und die frühe Wissenschaft waren variable Systeme von Verhaltensgewohnheiten, die unter den Bedingungen einer Umwelt entstanden, die, wie wir sagen, „natürlich“ war. PEIRCE
Die Affektivität hat neben ihrer Auffächerung jetzt eine neue Qualität gegenüber der tierischen erfahren ― Emotionen wurden zur propositionalen Attitüde (TALLIS). Sie beziehen sich auf reale oder imaginierte Dinge und Vorgänge, auf Beziehungen und Verhältnisse, im Hier und Jetzt oder in der Zukunft. Dies unterscheidet sie von den physiologischen Emotionen der vormenschlichen Entwicklung. Sie beziehen sich jetzt auch aufeinander, basieren auch auf Ethik und Moral, strukturieren die mittlerweile erschaffene menschliche Welt.
Gegenüber den neuen Erfahrungen und Problemen einer wissenschaftlichen Kultur sind die instinktiven Orientierungen, die einst ihr Entstehen und ihren Erfolg bestimmten, nicht in allen Fällen falsch, aber in vielen Fällen einfach unangemessen. PEIRCE