Vielmehr wird der Mord selbst, das hypergewaltsame und blutige Königsverbrechen, insofern er das Gesetz herausfordert, oder 'diesseits oder jenseits, darüber oder darunter' liegt, zur Matrix und zum Modell des historischen Ereignisses – und man versteht nun besser, warum sich Foucault, in einer gewissen 'Auseinandersetzung mit Maoisten' – und nicht den unwichtigsten – für die Schreckensherrschaft von 1793 und gegen die so genannten 'Volksgerichte' der 1970er Jahre ausspricht. Das Ereignis ist gewaltsam, Blut und Mord begleiten es wie sein Schatten, und dieser Mord ist, vom Standpunkt der Macht, der Einsätze und Strategien der Macht aus gesehen, neutral: Einmal ist er 'mit ihr'; einmal ist er 'gegen sie'. Die Macht ist intrinsisch gewaltsam, so wie der plebejische Aufstand, der sich gegen sie richtet. Und die Horizontlinie dieser Gewalt ist nicht der durch Einschüchterung und Behinderung hervorgerufene Zwang – sondern der Mord. Man könnte hier so etwas wie eine umgekehrte demaistrische Tonlage heraushören – Foucault feiert nicht die absolute Macht und ihren Vermittler, den Henker, sondern 'eine gegenläufige [...] Energie', die plebejische Geste, die die politische (symbolische …) Ordnung zerreißt. Das Gesetz jedoch, von dem er hier spricht, ist schon auf die Seite der Norm gekippt, es ist nicht mehr das Gesetz das durch diese Geste herausgeforderten Souveräns, sondern das der Spezialisten, Richter, Ärzte und anderer qualifizierter Beobachter der sozialen und moralischen Störungen, die der theologisch-politisch 'verzauberten' Sphäre entzogen sind – und die Gewalt, die auf den Plebejer niederfahren wird, ist folglich die Gewalt der unbegrenzten Haftstrafe und nicht die der Folter.
Brossat, Alain (2012): Plebs Invicta, Berlin: August, 34 f.










