Gesetzt, es gäbe so etwas wie eine kosmologische Gesamtordnung, wie sowohl Hesiod, Poseidonis und M.Aurel sie annehmen, in dem aber jene Ordnung durch Unrecht gestört wird, welches sich wiederum an anderen Orten des Komos‘ zeigt bzw. zeigen kann und nicht dort wieder „gesühnt“ werden muss wo es passierte, zieht dies eine eklatante Verschiebung für den heute gebräuchlichen Gerechtigkeitsbegriff nach sich.
Beginnt man jedoch zunächst mit den ethischen Konsequenzen solch einer kosmologischen Ordnung.
Jeder Mensch, als Teil des Kosmos, in dem Wissen, dass das von ihm begangene Unrecht an anderer Stelle ausgeglichen wird bzw. werden kann, gerät ganz zwangsläufig in eine extreme Verantwortungsposition dem restlichen Kosmos gegenüber. Ein fundamentaler Unterscheid zu jeder metaphysischen Gerechtigkeitslehre in der z.B das Individuum dafür „sanktioniert“ wird wie (un-)gerecht es in seinem Leben gehandelt hat. Es handelt sich also un eine Ethik, die nicht auf Belohnung, Bestrafung oder ähnlichem beruht, sondern eben auf der Verantwortung der Gesamtordnung gegenüber. Das eigene Fehlverhalten wird nun nicht auf das Individuum selbst zurückfallen müssen, sondern anderen Schaden (können).
Interessant ist es, dass daraus keine Normative folgen müssen. Die Aussage, etwas polarisiert in ein rhetorischen Frage dargestellt lautet: „Willst du dafür verantwortlich sein, dass Unschuldige(s) deinetwegen und somit zu unrecht leiden?“
Nun ist es zwar möglich, daraus eine Pflicht gegenüber allem anderen (da zum Kosmos gehörig) zu postulieren, aber wie bereits erwähnt, muss diese nicht zwangsläufig folgen.
Fallen Sanktionierungen und damit einhergehend die Pflichtweg, so kann sich jeder Verbrecher dieser Verantwortung entziehen, wenn es ihm egal ist, dass Unschuldige(s) unter seinem Fehlverhalten leiden. Er muss, sofern man jede staatliche bzw. gesetzliche Macht welche sich um den Schutz der Gesamtordnung kümmert und somit die Ordnung schädigende, wie auch immer man dieses erkennen kann, Verhalten sanktioniert, keine Angst davor haben, seine Ungerechtigkeit büßen zu müssen.
Hier zeigt sich nun deutlich, zu Beginn angesprochen, wie sehr sich der heute gebräuchliche Gerechtigkeitsbegriff im Sinne eines „Jeder bekommt was er verdient.“ von einem kosmologisch gedachten Gerechtigkeitsbegriff unterscheidet. Gerechtigkeit, die sich über das Bestehen einer kosmologischen Ordnung die bewahrt werden muss definiert, bestimmt sich viel eher ex negativo über all das, was diese Ordnung stören würde.