Seit Januar 2015
Ich verdiene mein Geld in der Seegurkenforschung
Im Januar 2015 habe ich die Android-App “Google Opinion Rewards” heruntergeladen, vermutlich hatte ich irgendwo davon gelesen. Seitdem habe ich an knapp 50 kurzen Umfragen teilgenommen und dafür € 14,16 Google-Play-Guthaben erhalten. Ich habe zwar schon schlechter bezahlte Tätigkeiten ausgeübt, aber der Hauptgrund für meine Anmeldung ist nicht das Geld. Ich finde Marktforschung eigentlich ganz gut.
Die mit 75 Cent bestbezahlte dieser Umfragen kommt immer wieder. Meine Lieblingsfarbe, meine Augenfarbe, meine Lieblings-Augenfarbe bei anderen Menschen, wie zufrieden ich mit meinem Leben bin, was ich gestern vor dem Einschlafen als Letztes getan habe, ob Seegurken Gemüse sind: Grün, Braun, egal, ziemlich, Internet, nein. Eines Tages werde ich die Auflösung erfahren, wenn Google eine neue Anwendung zur automatischen Klassifikation von Gemüse auf den Markt bringt oder so.
Erst kürzlich habe ich mich gefreut, dass ich immer, wenn ich gefragt werde, ob ich in letzter Zeit bei Rewe, Netto oder Bauhaus eingekauft habe, zufällig wirklich gerade da war und die Fragen beantworten kann, mit welchem Verkehrsmittel ich dorthin gelangt bin oder wie es mir gefallen hat. So oft bin ich nämlich gar nicht in Supermärkten.
Heute kommt die Frage wieder, und diesmal lese ich den Vorspann aufmerksamer: Die Umfrage bezieht sich auf meine Ortsdaten. Es ist also gar kein Zufall. Google weiß, wann ich bei Netto oder Rewe war, und befragt mich am nächsten Tag dazu: Ich fand es so mittel, dankeschön, 45 Cent. Wenn die Seegurken bei Netto demnächst ins Gemüseregal einsortiert werden, liegt es nicht an mir, ich habe unter Verzicht auf meine Privatsphäre alles getan, um das zu verhindern.
(Kathrin Passig)












