Vor Jahren schied ein Frankfurter aus dem Komitee des Hegel-Preises aus, schlug einen Frankfurter Kollegen als Nachfolger vor. Als er dann kurz danach selbst den Hegel-Preis bekam, war das Gerede groß. Der Nachfolger hätte ihn vorgeschlagen, das sei die Tat eines stets gut vorbereiteten und eben auch gut vorbereitenden Kollegen gewesen und in dem Sinne durchaus 'preiswürdig'. Andere spöttelten, das sei doch ohnehin das Prinzip der Aufhebung. Das Ansehen aller war angekratzt, aber vorher war den Beteiligten ihr Ansehen ja auch noch nicht genug, von daher auch nicht so schlimm. Der Anschein, immer dieser Anschein, muss doch nicht sein. Leute, die älter als 28 Jahre sind,älter wurden als zum Beispiel Amy Winehouse, sollten eigentlich gar keine Preise mehr kriegen. Wenn sie dann noch Unterstützung für ihr Leben und ihre Projekte brauchen, kann man sie ja unterstützen. Viele sog. Preise sind eigentlich Unterstützungen, dann ist das gut, mein Vorschlag: Preise in Unterstützungen umbenennen. Andreas Thier kriegt jetzt Hegel IV wäre doch eine Supermeldung.
Seit damals hat sich der Ruf Frankfurts in Sachen Filz nicht unbedingt verbessert. Darum habe ich es geglaubt, als ich die Einladung erhielt, bei der Verleihung des Börne-Preises an Robert Habeck teilzunehmen, Mike Josef und Jürgen Kaube würden preisen. Das würde ja dann doch zu krass sein, den Herrschenden und Regierenden zu huldigen und dafür Börne ins Spiel zu bringen, kann also in Frankfurt passieren. Das ist der Vormärzbörne, nicht eine Clownfigur aus dem Münsteraner Tatort. Vom Karlspreis kennt man das, da ist das schon fast peinliches Prinzip, den Leuten einen Preis zu geben, die vor allem den Preis populär machen sollen, sonst aber sowieso gerade ihre bequeme Preisungskonjunktur haben und gerade zufällig auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit sind. Ist Habeck gerade nicht, da haben die Preiser noch Glück gehabt. Aber trotzdem. Der ist Minister gerade, der ist gerade nicht Presse. Kann man doch warten, bis er abgewählt wurde, muss doch nicht jetzt sein.
Und es geschah wohl doch, Minister Habeck wurde von Oberbürgermeister Josef und Herausgeber Kaube gepriesen; nicht einmal kurz konnte ich vorbeischauen, muss isch heute Ossobuco machen für morgen, für den Adeodato-Tag, das muss vormittags passieren, sonst wird es zu heiß in der Küche.
Konnte meinen Augen vor dem Papier nicht trauen und hoffe nur, dass das heißt, dass Habeck eben kein Regierender und Herrschender ist. Denn so Aachen oder Wuppertal (Kaube als Oberfilzer Giradet???) soll Frankfurt nun wirklich nicht werden, auch wenn, weil alles für sich schön ist. Im wechselseitigen Schulterklopfen verschwindet die Schönheit nicht, schmeckt nur etwas abgestanden, wie vorübergehend vergessener Champagner aus unseligen Flöten. Untertänigst bitte ich, so etwas in Zukunft zu unterlassen. Soll doch ein Düsseldorfer Oberbürgermeister (CDU oder FDP) dem Friedrich Merz eine goldschwere Heinrich-Heine-Plakette am Ufer des Rheins um den Hals hängen, wenn und solange der Minister oder Kanzler ist, Düsseldorf ist doch sowieso peinlich. Kaube kann preisen, der kann auch den Preis an Habeck begründen, klar kann er das. Das könnte man auch bei Merz, etwa, dass er ungelöste Widersprüche wie in einer Kombination von Loriot und Buster Keaton vorträgt und damit dem Wort Ironie einen ganz neuen Sinn verliehen hat, der gleichwohl an manch schlaflose Verzweifelung Heines erinnere. Quatsch wäre es. Schon wieder: Das Ansehen aller angekratzt, aber auch vorher reichte das Ansehen ja auch nicht, darum scheint das wirklich vielen egal. Die Mitarbeiter der FAZ fanden alles was drinnen passierte und von ihrem Herausgeber initiiert wurde "klug", draußen habe nur Gebrüll stattgefunden, da hätten nur Querdenker gestanden. Drin habe man sich gegen die Verwilderung der Sprache gewendet, quasi gegen die wilden unmenschlichen Barbaren da draußen . Das Markenzeichen der FAZ wurde gesetzt, klug sagte man, man sei "klug" gewesen. Wie gesagt: ich war eingeladen, blieb draußen, habe nicht gebrüllt, sondern Ossobuco zubereitet. Kann mir vorstellen, wie klug alle auf der Innenseite sind. Klug sein ist kein Problem, an klugen Leuten kein Mangel. Edo Reents hat was geschrieben, ok, das war ok, da merkte man dem Schreiben aber auch was an, darum war es ja ok. Man merkte, dass er was rechtfertigte, aber nicht begründete. Und originell isser, Witz hatter. Man könne sich an keine Literatur, keinen Satz und Spruch von Habeck erinnern, das sei doch bester Beweis dafür, dass es dem nicht um Pop und Ullarität ginge oder so stand da. Da trifft er was, den Gedanke leihe ich mir für später mal. Unterlassen als Literaturrichtung, klingt doch fast schon nach Onkel Bazon.
Das beste Buch über das Preisen hat immer noch Thomas Bernhard geschrieben: Meine Preise. Man kann sagen: "Es hat sich nichts geändert" (Walter Sobchak). Der Ausruf Ach du meine Güte! könnte aber eigentlich abwechslungsreicher gestaltet werden, man könnte ab und zu auch sagen Ach du meine Preise!