Marc Pascal Sahli
Marc Sahli kam über die Fotografie und die Malerei zum Schreiben. Seine Spezialität sind kurze Texte – Kurzgeschichten, Prosaminiaturen, Haikus usw. Diese überarbeitet er zum Teil während Jahren immer wieder.
Marc Sahli nimmt regelmässig an Leseperformances teil und steht immer wieder auf Slambühnen. Seine aktuellsten Bücher «Logographien» (2014) und «Vielleicht ein anderer Augenblick» (noch nicht erschienen) werden vom KaMeRu Verlag publiziert.
Umschreibe kurz, wie du «mys bärndütsch» verstehst, d.h. welche regionalen, sozialen und sprachbiografischen Einflüsse deine literarische Mundart geprägt haben.
Geboren in Bern, bin ich seit der ersten Klasse grösstenteils im Oberaargau aufgewachsen und habe dort alle Schulen besucht. Trotzdem ist das Stadtberndeutsch meiner Eltern und Grosseltern prägend geblieben, nebst Einflüssen grosselternseitig aus dem Emmental.
Warum und wann schreibst / publizierst du Hochdeutsch, wann Berndeutsch (gemeint ist journalistisches / literarisches Schreiben)?
Hauptsächlich schreibe und publiziere ich in Hochdeutsch. Für die Slambühne übersetze ich manchmal, was schwieriger ist, als man gemeinhin glaubt. Online publiziere ich hingegen manchmal auf Berndeutsch. Manche Sachen kann man im Dialekt einfach «träfer» ausdrücken als in der Hochsprache.
Schreibst du ein homogenes Berndeutsch, oder benutzest du ab und zu auch andere regionale Färbungen, Soziolekte oder ev. sogar andere Mundarten? – Wenn ja, welche und wozu?
Wenn ich Dialekt schreibe, dann städtisches Berndeutsch. Sprechen, respektive imitieren kann ich aber einige andere Dialekte, aber nur zum Spass. Wie unter Punkt 1 gesagt, benutze ich ein Stadtberndeutsch, die Oberaargauer Färbung habe ich nie angenommen.
«spoken word»: würdest du dich als spoken word-AutorIn bezeichnen? Inwiefern wird dein Mundart-Schreiben durch die Vorstellung, dass der Text vorgelesen wird, beeinflusst?
Ich würde mich als Autor bezeichnen, nicht explizit als Spoken Word-Autor. Siehe Punkt 2. Es kann vorkommen, dass ich für die Bühne übersetze. Selten schreibe ich von vornherein in Berndeutsch.
Gibt es für dich richtiges / falsches Berndeutsch?
Seit von Greyerz-Bietenhard (das Berndeutsch Wörterbuch) ist viel Wasser die Aare runter geflossen. Zum Glück ist der Dialekt nicht starr. Und dennoch regt mich manchmal der Teutonismus auf, der sich langsam ins Berndeutsche reinschleicht, Worte wie Butter, Pfärd, Männer etc. oder aber auch Wort- und Satzstellungen aus dem Deutschen.
Legst du Wert auf bestimmte Prinzipien der Schreibung oder lässt du das deine LektorInnen machen?
Ich schreibe selten in Berndeutsch und wenn, versuche ich mich an den von Greyerz-Bietenhard, aber auch an von Tavel zu halten.
Marc Sahli auf spoken-word.ch (Video und Audio)
Wenn du deine Schreibung selbst pflegst, welche Regeln sind dir besonders wichtig?
Bei anderen stolpere ich über die Endungs-ä, bei mir ist es immer ein auslautendes e. Auch bei den offenen oder geschlossenen i achte ich auf die Verwendung von i oder y.
Christian Schmid sagt: «We mer e Mundaart schribe für Wortkunscht, sötte mer is für d Gramatik u für e Wortschatz interessiere. Das mache die, wo Schriftdütsch schribe, schliesslech oo. …….Wär Wortkunscht schribt, schaffet mit dr, i dr u a dr Schpraach. We mer daas nid mache, schribe mer üsi Vorishäreploderimundaart, ooni druf z achte, wi si uf ds Papiir chunt» (Christian Schmid, «Häbet nech am Huet», p. 104).
Gibt es Berndeutsch-Schreibungen bei anderen, die dich aufregen? Nenne Beispiele und begründe kurz.
Siehe Punkt 7. Ä statt e oder auch die Verwechslung von z und ds. Oder die falsche Verwendung von zwe, zwo und zwöi. Man kann zwar sagen, es gebe keine Regeln,….und es gibt sie doch. Auch sprachliche Teutonismen, sei es in Wortschatz, in der Satzstellung oder Grammatik, finde ich unangebracht.
Kultivierst du besondere Wörter, hast du Lieblingswörter? Gib ein paar Beispiele!
Seit einiger Zeit habe ich eine Affinität zum Matteberndeutsch. Und ich möchte eine Lanze brechen für das hübsche Wort «kapöberle», das bereits bei von Greyerz-Bietenhard als «veraltet» gelistet wird. Es bedeutet kotzen. Tönt aber viel schöner.
Was für Wörterbücher konsultierst du? – Hast du auch schon mal www.berndeutsch.ch benützt?
Von Greyerz-Bietenhard, www.berndeutsch.ch, das Idiotikon, diverse Duden, Woxikon, ganz selten ein mittelhochdeutsches Wörterbuch oder Lexika der Erlanger Liste und weitere Spezialwörterbücher.














