Puschendieb – Gedanken einer Mutter
Ich hatte sie mir gestern Abend noch liebevoll auf ihren Warteplatz ins Bad gestellt,
doch der Platz ist leer, was meinem Bedürfnis nach einem weichen Fußbett nicht gefällt.
Noch während ich die Treppe hinunter gehe und mich ärgere, dass du sie mir einmal wieder entwendet hast,
kommt mir der Gedanke, dass du mir mit tieferer Bedeutung auf deine Weise liebe Botschaften verfasst.
Vielleicht sagst du:
Mama, als dein großer Sohn zieh ich mir deine pinkfarbenen Puschen an und zeige dem Patriarchat, dass es mit meinem Feminismus rechnen kann.
Mama, ich bin dir einfach gern nah bei jedem Lebensschritt
und mit deinen Puschen ist es, als hätte ich dich mit.
Mama, es ist so, dass ich meine Füße noch eine Weile unter deinen Tisch stelle
und mich wahrlich gern zu dir und in deinen Puschen geselle.
Mama, ich will hin und wieder Schritte in deinen Schuhen machen,
so kann ich dich besser verstehen und statt streiten mit dir lachen.
Mama, ich sehe dich und will doch in deine Fußstapfen und darüber hinaus wachsen,
in deinen Crocs kann ich fühlen, wie meine Zehen schon an deinen Grenzen kratzen.
Mama, ich will noch eine kleine Zeit meinen Alltag mit dir teilen,
deine Puschen laden mich wie du selbst ein, noch ein wenig zu verweilen.
Ach, mein lieber Puschendieb,
Ich hab dich wahrlich lieb.
Ich schlüpfe in meine Crocs hinein
und denke: Sie sind dir eigentlich schon zu klein.
Mein Lächeln ist echt, meine Füße jetzt warm und mein Ärger verflogen.
Ich werde nicht die Puschen, sondern dich vermissen – bist du erst ausgezogen.
Und sei gewiss, ich werde mir die Puschen als Mutter immer wieder holen -
Hast du doch nicht nur meine Puschen, sondern vor langer Zeit mein Herz gestohlen.
Ach, mein großer Schatz, dennoch freute mein Mutterherz sich sehr,
gäbst du mir nach dem Tragen meine Puschen einfach wieder her. ❤️
LetteringNisa











