Mein ersters Ausflugsziel ist das Rabet gewesen. Was für ein schöner Name.
In diesem Fall ist es ein Straßenname der Straße, in der ich mein erstes Lebensjahr verbracht habe. Woran ich mich selbstverständlich umwerfend erinnere.
Ich bin also am 5. März los und erst irgendwann unterwegs in der Bahn fiel mir ein, daß ich gar nicht nochmal nachgeschaut hatte, wie genau ich zu besagtem Haus von der Haltestelle aus komme. Doch die Erinnerung daran, daß von ihr aus der Park, der mittlerweile angelegt und ausgebaut worden ist, sichtbar sein würde und mein Orientierungssinn („ungefähr in die Richtung, geh mal los“) hielten mich zwischen sich an den Händen.
Die Frage, wie mein Leben wohl so verläufen wäre, wenn wir nicht weggezogen wären als ich in der zweiten Klasse war, hat mich über die Jahre immer mal wieder besucht. Teils wohl als verschönter, romantischer Gedanke – ein Stück weit Realitätsflucht wenn ich mich so gar nicht Zuhause gefühlt habe am neuen Ort – und in den letzten Jahren im Zusammenhang mit einem Romanprojekt Die leere Schallplatte (Paralleluniversen, alternative eigene Leben besuchen und feststellen: es ist alles genau so, wie es sein soll, hier).
Und genau die Frage, diese Spielerei, hat mein Leipzig leb´ ich mir letzten November mit angeregt. Weil unser Zukunft in unseren Händen liegt. Aus den Entscheidungen & Handlungen, die wir tagtäglich treffen & vollführen erwächst. Weil wir sie mit unseren Gedanken, unserer Perspektive färben. Unsere Wünsche und Träume eine Rolle spielen – ob wir sie ins Leben rufen wollen, es wenigstens versuchen wollen. Denn wer weiß schon, was unterwegs noch so passiert, was wir auf dem Weg lernen und wo wir am Ende landen. Oder auch immer wieder. Wer sagt denn, daß es da ein Ende geben wird oder geben muss?
So dachte ich mir dann also: mensch, seit einigen Jahren lebe ich nun wieder hier. Sicher, von bisherigen Umständen und was sie mit mir machten, womit ich so zu tun hatte ganz für mich, abgesehen, doch dank Arbeiten von Zuhause hat sich so vieles verändert – ich habe wieder (mehr) Energie und auch die Lust, mich dann und wann auf den Weg zu machen, unter Menschen zu begeben, wenn auch nach wie vor mehr als Beobachter denn um sie ansprechend kennenzulernen; warum das nicht also nutzen? Was kann ich daraus machen?
Meine Stadt kennenlernen. So, wie ich will. So, wie mir danach ist. Und all das dokumentieren. Als Liebesbrief festhalten. Vorsorglich auch als Erinnerung, da ich auf lange Sicht gern ganz woanders leben mag (Schottland zieht und zerrt an meinem Herz, hach). Definitiv mindestens ländlich genug. Von der Stille und den Geräuschen der Natur umgeben.
Doch bis dahin… übergebe ich an die Großstadtdetektivin in mir. Und die Schriftstellerin, der das Menschenbeobachten ein Vergnügen und Recherche zugleich ist.
Amüsant fand ich, als ich vor Ort war, daß die Beschriftung auf dem Boden sich genau auf Haushöhe befindet. Kommunikation mit dem Universum: ich bin genau da, wo ich gerade sein soll.
Von dort aus bin gemütlich bis zum Café Bubu; wobei. Ganz sooo gemütlich war es nicht. Weil ich nicht genau wusste, wo lang. Sicher, mein Orientierungssinn meinte dann und wann „naaa, eher da so lang, in die Richtung“, was auch stimmte. Doch irgendwann war´s mir etwas zu komisch und ich dachte mir: okay, nächste Straßenecke und ich schau nach. Merke: da mein Mobiltelefon auf PrePaid läuft, habe ich unterwegs keine Internetverbindung. Brauch ich auch einfach nicht. In dem Moment allerdings angeworfen, Straßennamen eingegeben und – natürlich.
Wäre ich schon eine Biegung weitergelaufen, hätte ich die Ecke, in der ich war, wiedererkannt und gut.
So typisch Leben. Und gleichzeitig mag ich genau solche Momente (zumindest rückblickend). Wie ein personifiziertes Fragezeichen dastehen und überlegen: nächster Schritt. Was tun?
Das macht doch Abenteuer im Alltag aus, nicht? Zumindest ist es das, was ich am Unterwegssein, an Reisen mag: unbekannte Gegend. Ein Schritt nach dem anderen. Was brauche ich, wohin will ich, wahrnehmen, was um mich ist und kleine Wunder und Wunderlichkeiten entdecken und einfach nur sein. Hier und Jetzt.
In diesem Fall war es ein Kleingartenverein, der da plötzlich zwischen zwei Häusern begann. Ich liebe Kleingärten. Auszeiten inmitten Stadtatmosphäre. Wie ein Tee im Alltag.
Und so schließe ich mit meiner Freude an Sprache (jede hat so ihres) – denn, warum auch nicht? Bloß, weil irgendwer irgendwann beschlossen hat, wie die Mehrzahl von Krokus ist… pah. Möglichkeiten sehen und wahrnehmen.