auf Veränderung vorbereiten – auf sie zugehen
Fällt es dir leicht, mit Veränderungen umzugehen?
Meine Lieblingsantwort auf so viele Fragen ist: kommt drauf an. Einfach weil sie stimmt. Es gibt, glaube ich, nur wenige Momente, in denen man weiß, wie man reagieren oder mit umgehen würde.
Und so kommt es für mich auch bei Veränderungen ganz drauf an, was für welche es sind, welchen Lebensbereich sie betreffen und nicht zuletzt: habe ich schon gelernt, mit Veränderungen umzugehen?
Ganz ähnlich wie unser Körper keine Antikörper zu bilden lernt, wenn er Krankheitserregern oder einfach möglichen Fremdkörpern nie ausgesetzt wäre, entwickeln wir uns uns emotional und mental. Ob wir von Einwirkungen abgeschottet und ferngehalten werden oder einfach nicht wirklich gezeigt oder gelernt bekommen, wie wir darauf grundsätzlich und aber auch uns selbst entsprechend reagieren und mit umgehen – beides führt zu Unsicherheiten, Ungewißheit, Angst oder gar Furcht, einem Gefühl von Kontrollverlust und was nicht noch. Und wenn das alles plötzlich geballt in uns aufsteigt, ist sicher einer der ersten Impulse, Kontrolle zurückzuerlangen, Egal, wie. Uns wieder in Sicherheit zu wissen.
Ich erinnere mich nur allzu gut an genau das Gefühl – als ich 2014 für 10 Wochen in der Klinik v.a. wegen Eßstörung war und es in der Therapie natürlich grundsätzlich darum geht, welche Emotion hier und da aufkommt, um dann damit umgehen zu lernen. Und alles, was ich zu dem Zeitpunkt fühlen und beschreiben konnte, war: fühlt sich in Bauch- und Brustgegend alles wie ordentlicher Matsch an. Keine Ahnung. Alles eins. Da ist kein Unterschied.
Wenn also irgendetwas war, was diesen Matsch oder diese Pfütze in Aufruhr versetzt hat, wusste ich mir nur zu helfen, indem ich es gleich wieder (mit Essen) hinuntergedrückt und mit einem kurzweiligen Gefühl einerseits der Erleichterung (Zuckersucht), andererseits den Matsch nicht mehr zu spüren sondern meinen physischen vollen Bauch stillgelegt hatte. Kontrolle, Sicherheit.
So nicht mehr leben (eher ein dahinvegetieren, da schließlich alles im Leben etwas in uns auslöst und auf alles falsch zu reagieren, an der Stelle gibt es durchaus ein Richtig und Falsch, verschleiert uns die Sicht für´s Eigentliche im Leben) zu wollen und können hieß und heißt, spüren zu lernen. Emotionen zuzulassen, sie kennenzulernen und nicht wegzudrücken. Veränderungen stehen auf jeder Tagesordnung. Mit ihnen umgehen und sich anpassen zu können (was passiv klingt, ich aber auch sehr als „damit spielen“ und „was mach ich daraus? mal ausprobieren“ empfinde), ist meinem Verständnis nach der einzige Weg um wirklich zu leben. Zu erleben. Zu wachsen. Zufriedenheit und Freude zu empfinden, immer und immer wieder.
Ich weiß nicht, ob es mir je leicht oder schwer gefallen ist, mit Veränderungen umzugehen. Früh genug hab ich einschneidende erlebt, die mich auf ihre Art traumatisiert und demzufolge eine gewisse Wachsamkeit hinterlassen haben, sodass ich instinktiv wusste, mich anpassen zu müssen ist der einzige Weg.
Vielleicht – wahrscheinlich, wenn ich mir diverse Systeme ansehe (Geburtshoroskop, Human Design, MBTI) – haben diese und folgende Veränderungen und Erlebnisse Eigenschaften, die ich schon in der Tasche hatte, nur verstärkt.
Was, wie so oft, hier und da voll in Ordnung und super aber auch anstrengend ist. Kommt drauf an.
So oder so – egal, ob wir wissen, wie wir mit Veränderungen umgehen oder uns noch nicht wirklich gut ausgestattet fühlen, wir können immer noch etwas dazulernen. Etwas, das ich am Leben sehr mag: Wissensdurst kann momentär gestillt werden, wächst gleichzeitig auf´s Neue. Es wird nicht langweilig. Ruhige Tage, ja, sind notwendig, aber langweilig? Hm, Langeweile ist ein Thema für einen anderen Beitrag.
Stichwort Abenteuer Alltag: wie also auf Veränderungen vorbereiten, auf sie zugehen?
Laßt uns Möglichkeiten entdecken, die eine Mischung aus Komfortzone & Unbekanntem sind.
Ein neues Rezept oder neue Mahlzeit probieren – wir wissen, das, was es so gibt, was angeboten wird, ist mindestens essbar. Wie wir eine Mahlzeit zubereiten, ist uns sicher auch wenigstens grob klar. Also los, Neuland erkunden!
Einen Park oder eine Gegend auskundschaften, die wir noch nicht kennen. Oder einfach einen neuen Weg einschlagen, wenn wir unterwegs sind; sei es die Parallelstraße. Die Gegend ist uns an sich bekannt, doch die Straße oder der Park noch nicht.
Kleidungsstücke. Damit zu experimentieren um uns selbst ausdrücken, uhh, ist eh etwas, da bin ich Feuer und Flamme. So viele Möglichkeiten! Farben, Muster, … und was wollen wir zum Ausdruck bringen? An einem Tag vielleicht einfach alle unsere Lieblingsteile tragen und uns bombastisch fühlen – ihr grinst vielleicht schon, weil ihr wisst, daß sich das optisch hier und da beißt oder wer weiß was ergibt. Aber ganz ehrlich… wer sich an der Kleidung anderer stört, hat doch echt kein Leben. Also trag, wie und was dir Freude bereitet! Damit tun wir niemandem weh. (Ausgenommen sind Kleidungsstücke, die mit respektlosen Sprüchen verunstaltet wurden) Oder auch Frisur und Haarfarbe.
Schon selbst Küchenkräuter gezogen und gepflegt? Neue Musik hören, ganz andere Art Filme (Stumm, s/w?) und Serien schauen. Was auch immer es ist.
Es geht um den Moment. Ins Hier und Jetzt zu kommen und das, was neu und unbekannt daran ist, egal, wie unbedeutend es scheinen mag (wie wird´s schmecken? wird die Pflanze wachsen? – zumal der Gedanke „unbedeutend“ doch auch nur entstehen kann, wenn wir vergleichen und vergleichen ist Quatsch bzw. unmöglich).
Es geht darum, uns dabei zu beobachten, nachzufühlen, wie es uns geht. Vielleicht ist währenddessen alles entspannt, doch am Tag danach fühlen wir uns irgendwie anders? Je nachdem, was wir ausprobiert haben, kitzelt das alte Erinnerungen und bringt so bestimmte Emotionen hervor. Zulassen, ist nur eine kurze Welle, durchatmen und Tagebuch hilft durchaus. Oder mit jemandem darüber austauschen.
Wir können tagein, tagaus so viel über uns und wie wir auf unsere Umgebung reagieren, mit dem Leben umgehen, lernen, so wir denn wollen. Und indem wir das im kleinen, halbwegs vertrauten lernen, erfahren wir, was uns hilft und gut tut, wenn wir bspw. Ungewissheit spüren und es uns damit nicht gut geht. So sind wir bestens ausgestattet und vorbereitet wenn uns das Leben mit Veränderungen entgegentritt, die völlig außerhalb unserer Komfortzone sind, mit denen wir uns jedoch irgendwie arrangieren müssen oder auch Ereignisse eintreten, über die wir keinerlei Kontrolle (sprich Beeinflussung; Kontrolle ist auch so ein seltsames Thema für später) haben.
Wir wissen dann, was wir schon erlebt und geschafft und bewältigt haben. Können uns das in Erinnerung rufen. Nicht nur das, was war, sondern auch das Gefühl dazu.
Ein Schritt nach dem anderen. Ein Moment nach dem anderen. Ein Tag nach dem anderen. <3
Liebst,
Annie