Der Tragödie erster Teil
Göthe schrieb einmal in einem Brief an seinen Brieffreund Kerner;’Deutschland am morgen, fick dich!’. Das war in seiner Friedrichshainer Phase und ich verstehe ihn vollkommen. Die Quintessenz dieses Satzes war, dass Nationalstolz der gleichen Grundlage entspringt, wie der Stolz darauf am morgen aufzuwachen weil die Müllabfuhr so einen mephistophelischen Lärm entwickelt. Weder der passive Vorgang des Geborenwerdens noch das Gewecktwerden bedarf eigenen Könnens. Somit ist die Hochachtung dieser Leistung ein grobe Fehleinschätzung. Wenn denn die Leistung darin liegt, vom Lärm des Kampfmittelräumdienstes der BSR wach zu werden, weil wieder die Gläser aus der Anbauwand scheppern, werde ich zukünftig auch bei jedem aufrecht gehendem Menschen applaudieren. Verrückt diese Natur, da bekommen wir die Gabe zwei Beine für eine hochachtungswürdige Bewegung zu nutzen, aber ebenso bekommen wir den Gehirnfurz selbige Bewegung auch mit Longboards nachzuahmen. Der Pegel der Mülltonnen, die randvoll in den Hausdurchgang gezerrt werden, erinnert eher an die Notlandung einer Boeing 747 in meinem Erdgeschoss. Der Pilot muss betrunken sein und jeden Tag das gleiche Manöver vollführen. Wahrlich kann ich nicht stolz darauf sein, aus dem Schlaf gerissen zu werden. Wohl aber darauf, so beherrscht zu sein, keinen siedenden Teer auf die unter meinem Fenster laufenden Terroristen gekippt zu haben. Ebenso verhält es sich mit meiner Nationalität. Ich bin in dieses Land gefallen und mir wurde der deutsche Pass geschenkt. Genau wie Johnny bin ich glücklich darüber, und erkenne dieses unheimliche Privileg. Nur was würde Göthe damit tun? Erstmal Kacken gehen und dann mit Kaffe auf den Balkon setzen. Bloß keinen Text übers Stolzsein rausrotzen.










