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„Rockerkrieg“: Vierter Teil der Dokureihe in ZDFinfo was originally published on
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„Rockerkrieg“: Vierter Teil der Dokureihe in ZDFinfo was originally published on
Rezension zu "Rockerkrieg"
Diese Rezension habe ich bei Amazon geschrieben. Dort schein auch der eine oder andere Rocker den Shitstorm für sich entdeckt zu haben. Bisschen Hilfe schadet den Autoren sicher nicht. Sex, Drogen, Waffen und Gewallt sind ja immer ganz interessant. Vor allem wenn man sie zuhause auf der Mattscheibe oder in Form eines Buches konsumieren kann. Mit hochgelegten Füßen – ohne Kalt, ohne Regen, ohne gefährlich. „Rockerkrieg - Warum Hells Angels und Bandidos immer gefährlicher werden“ ist ein Sachbuch, dass die nähere Geschichte der Biker-Szene in Deutschland nacherleben lässt. Die drei Autoren arbeiten alle irgendwie für das Sturmgeschütz der Demokratie und sind offenkundig mit der Materie gut vertraut. Die Autoren, twittern zu dem Thema regelmäßig unter @SponDiehl, @meyerheuer und @HeiseThomas. Folgen lohnt sich. Schon im Vorwort werden die krasseren Zusammenstöße zwischen den Angels und den Bandidos, aber auch der eine oder andere Polizeieinsatz angesprochen. So eingenordet, weiß der Leser was Sache ist. Die Kompassnadel zeigt vom Untertitel bis zu Seite 310 auf eine These, die – sehr kurz zusammengefasst – lautet: „Hells Angels und Bandidos haben durch den Rockerkrieg zu viele Kriminelle ohne Interesse an den Clubregeln aufgenommen und stehen nun in der Gefahr die Kontrolle über diese Leute zu verlieren.“ Um diese These zu erkähren ist die Seitenanzahl angemessen. Die Autoren grenzen von Papas „kreuzbravem Motorradclub“ ab, erklären die Regeln, Codes und Symbole der „Outlaw Motocycle Gangs“ (OMCG) und die Geschäftsmodelle mit denen Rocker ihren Lebensstiel finanzieren und die einige zu Millionären werden ließ. Dabei beschränken sie sich allerdings auf eine recht kleines Repertoire, was verhindert, dass man in Szenebegriffen ertrinkt und zurückblättern muss. Nachdem ausreichend Grundlagenwissen gelegt ist, führen die Autoren den Leser anhand von Einzelpersonen und Ereignissen durch die Geschichte des Konflikts zwischen den beiden OMCG's. Sie zitieren aus älteren Berichten und Interviews, Polizeiakten, Gerichtsurteilen und Rockermagazinen. Neue Interviews gibt es nicht. Diese sind aber auch nicht notwendig um die These zu belegen. Zumal ein Interview mit Rockergrößen keinen Erkenntnisgewinn verspricht. Leider sind es tatsächlich nur wenige Einzelereignisse, die ausreichend gut aufgearbeitet sind um den Rockerkrieg nacherzählen zu können. Den Grund dafür benennen die Autoren immer wieder. Unter den Rockern herrscht ein „Gesetz des Schweigens“, das auch bei potentiellen Zeug*innen durchgesetzt wird. Das geht so weit, dass ein Zeuge, der den Kampf zwischen zwei Rockern mit seinem Handy videografierte und auf Youtube hochlud, vor Gericht angab sich an nichts mehr erinnern zu können. In einem solchen Klima ist es nur der Akribie der Autoren zu verdanken, dass diese Geschichte überhaupt erzählt werden kann. Diese Akribie sorgt manchmal aber auch merkwürdige Züge, wenn Kennzeichen und Aktenzeichen, die keinen Mehrwert für das Textverständnis bringen, den Textfluss stören. Es wäre m.E. besser gewesen diese Details in ein paar Fußnoten zu packen. Einige Kapitel fügen sich nicht in die Chronologie ein, sondern behandelt ein besonderes Thema, wie zum Beispiel „Das fatale Dreieck“ aus Rockern, Presse und der Polizei oder „Kronzeugen, Krumme Vögel“ über Aussteiger aus der Szene. Besonders empfehlenswert: „Freiheit – Von Wegen“ über den Alltag der Rocker. Dass die Anzahl an gut beschriebenen Fällen gering ist, hat den blöden Effekt, dass gut aufgeklärte Einzelereignisse immer wieder herangezogen werden. So ließt man so oft vom Tode des Bandidos „Eschli“ Elton, bis man das Gefühl hat, aus versehen zurückgeblättert zu haben. Warum man immer wieder von ihm ließt müsst ihr aber selbst herausfinden. Die stellenweise Langatmigkeit machen die Autoren durch den einen oder anderen sarkastischen Kommentar wieder wett. Das tut dem ernsten Thema gut. Wer die Berichterstattung über Rocker nicht verfolgt, finden ein solides Buch über die neueren Ereignisse und Entwicklungen in der Szene. Wer die Berichterstattung bislang verfolgt hat, schließt mit dem Buch gewiss die eine oder andere Wissenslücke.