12.10.2018
Die Smart-Home-Enttäuschung
2016 haben wir ein Haus gekauft und sind zusammengezogen. Berufsbedingt habe ich ein Faible dafür, Dinge nicht mehr als zweimal manuell zu machen, wenn man sie intelligent automatisieren kann.
Das Haus hat im Erdgeschoss vier Rollos, die ich automatisch steuern will. Während der Renovierung habe ich schon überlegt, wie ich das mit einem Raspberry Pi als Steuerzentrale anstellen kann und kam auf eine Lösung mit fernsteuerbaren Rollowicklern, die ich über modifizierte Funkschalter des Herstellers steuere.
Während der Renovierung stellte sich heraus, dass ich von den verschiedenen per Funk steuerbaren Rollowicklern für drei Fenster das einfachste Modell nutzen kann. Das große Wohnzimmerfenster zur Terasse hin hat jedoch ein so großes – und damit schweres – Rollo, dass dort das stärkste Modell, das zugleich auch die intelligenteste Elektronik hat, eingebaut werden muss (siehe erstes Bild)
Dieses Modell verfügt über eine Zeitschaltprogramm, mit dem es ausreichend viele andere Rollowickler desselben Systems steuern kann.
Über eine Funkuhr weiß das System Datum und Uhrzeit, über die Postleitzahl den ungefähren Standort. Aus einer einprogrammierten Tabelle kann es die Zeiten für Sonnenauf- und -untergang ermitteln.
Über separate, ebenfalls drahtlose Lichtsensoren könnte es erkennen, dass die Sonne gerade in ein bestimmtes Fenster scheint, und das Rollo so weit runterfahren, dass das Zimmer nicht überhitzt etc.
Zugleich kann man sinnvolle Abhängigkeiten angeben. Die Rollos schließen jetzt bei Sonnenuntergang, spätestens jedoch um 21:30, öffnen sich bei Sonnenaufgang, frühestens jedoch um 6:45.
Ich kann außerdem für jeden angeschlossenen Wickler bestimmen, ob er den Befehlen zum Öffnen bzw. Schließen aus der “Zentrale” gehorcht oder eben nicht reagiert.
Der extrem kritische Rollowickler für die Terassentür schließt das Rollo tatsächlich nur auf manuellen Befehl am Wickler selber, damit wir uns nicht an einem lauen Sommerabend aussperren – siehe zweites Bild: Die LED unter der Mondsichel ist aus, das Rollo schließt sich nicht von selbst. Vor dem Urlaub drückt man dann für 2 Sekunden die Taste mit der Mondsichel und nachts ist auch diese Tür automatisch gesichert.
All das mit einem Raspi selber zu lösen würde Zeit kosten (wo bekomme ich eine Liste mit Sonnenenauf- und -untergängen her? Mit welchen Relais kann ich die Funkschalter steuern? usw.), hätte dabei aber nur den einen Vorteil, dass das Terrassenrollo abhängig davon, ob die Tür offen oder geschlossen ist (per Türsensor ermittelt) doch automatisch runterfahren könnte.
Was aber vollkommen egal ist, da der Hund abends nochmal zum Pinkeln in den Garten geht. Vorher darf das Rollo also eh nicht unten sein, und derjenige von uns Menschen, der ihn raus lässt, kann danach das Rollo manuell schließen.
Ähnlich (in aller Kürze) die Heizung: Die kann sich schon selber mit dem Internet verbinden und die App des Herstellers ermöglicht sogar eine komfortablere Programmierung der Heizkreise, als das an der Heizung selber möglich ist. Per Browser kann man sogar den Gasverbrauch des Gerätes auf Stunden heruntergebrochen protokollieren lassen Lediglich das Auslesen der Außentemperatur per cURL-Aufruf auf das Webinterface des Geräts habe ich letzte Woche ausprobiert, konnte aber für diesen Wert derzeit keinen sinnvollen Einsatz finden.
Ebenso der Staubsaugroboter. Auch der ist online, hat eine App und kann sogar nach mehreren Zeitplänen automatisch starten, was aber nur mittelnützlich ist, da die Stromkabel der Stehlampen vorher zur Seite gepackt werden müssen, damit er sich dort nicht verfängt. Eine Aufgabe, die ich derzeit noch nicht per Script lösen kann.
(Volker König)












