Ein Leondinger verkauft seine Bauparzelle am Grüngürtel, weil er sich nicht dem Risiko aussetzen will, sich plötzlich als Anrainer einer viergleisigen Bahnstrecke wiederzufinden.
Eine Familie überlegt, ihre noch nicht abbezahlte Eigentumswohnung wieder zu veräußern, denn wenn die Bahn wirklich kommt ist die Lebensinvestition entwertet.
Einige von der Südtrasse betroffene Bürgerinnen und Bürger beginnen sich bereits zu organisieren und überlegen zivilrechtliche Schritte, eine Sammelklage auf Schadenersatz, weil ihnen die Stadt völlig unvermittelt eine viergleisige Bahn vor die Wohnungstür legen will.
Der Westbahnausbau: Beispiel für die Geisteshaltung in Leondings Politik
Die Grundstückspreise entlang des Grüngürtels stiegen. Der Wohnbau boomte. Familien siedelten sich an. Sie griffen tief ihre eigenen zukünftigen Taschen, viele von ihnen werden noch lange für die neu erworbenen Wohnungen zahlen, oft Jahrzehnte lang. Die neuen Siedler und Bewohner haben sich auf die Entscheidungen der Politik verlassen und haben im Vertrauen auf die geltende und 2005/6 bestätigte Entscheidung zum Erhalt des Grüngürtels gebaut oder gekauft.
Da kam Ende letzten Jahres die Meldung von der Verlegung der viergleisigen Westbahntrasse durch den Grüngürtel. Die Betroffenen, die dadurch eine schwerwiegende Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und eine bedeutsame Minderung des Wertes ihrer Wohnungen zu erwarten hätten, wurden nicht informiert.
Bürgermeister Walter Brunner weigert sich bis heute standhaft, diesen - BÜRGERINNEN und BÜRGERN SEINER STADT - irgendeine Information über ihre Zukunft, den zukünftigen Lebenswert und Vermögenswert ihrer Wohnungen zu sagen.
Er bricht sein diesen - BÜRGERINNEN und BÜRGERN SEINER STADT - gegenüber schriftlich gegebenes Wort, die Südtrasse zu den Akten zu legen, sobald die Pläne vorliegen.
Dass die betroffenen - BÜRGERINNEN und BÜRGER SEINER STADT - verunsichert sind, kostet den Bürgermeister ein müdes Lachen. Die Vertreter und Unterstützer der Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“ werden von ihm in den Medien als „Stadtschädiger“ beschimpft, weil sie es wagen, für die Interessen ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger einzutreten.
Wir finden, das ist eine Politik, die mündige Bürgerinnen und Bürger nicht dulden sollten!
Tun sie das, könnte sich leicht wiederholen, was wir beim Westbahnausbau erleben:
Für wie dumm werden die Wählerinnen und Wähler gehalten?
Es ging nie um die Südtrasse, so heißt es jetzt. Es ging immer um die Prüfung von Varianten, um die beste Lösung für Leonding zu finden.
Der Bürgermeister wiederholt immer wieder, dass „die Südtrasse nur kommt, wenn der Grüngürtel nachher genau so aussieht wie vorher“. Und sobald dies bekannt ist, wollte er - so schrieb er uns im Februar - im Gemeinderat das Ende der Südtrasse beschließen.
Das „Verschwinden“ der Bahn im Grüngürtel ist technisch unmöglich, es war immer unmöglich. Es wäre gestalterisch, ökologisch, ökonomisch und sozial eine Katastrophe für Leonding.
Der Bürgermeister verweigert jedwede Information über die Pläne, lässt sie auf unsere Kosten, Experten prüfen, und die Betroffenen lässt er „dumm sterben“.
Die Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“ zählt mittlerweile rund 2000 Unterstützerinnen und Unterstützer. Wir setzen uns für den Erhalt des Grüngürtels und für den bestmöglichen Lärmschutz entlang der bestehenden Westbahntrasse sowie eine verlässliche Politik in Leonding ein.
Soweit wir informiert sind, gibt es bereits seit Wochen konkrete Pläne für die so genannte Südtrasse durch den Grüngürtel (Grundbachsenke/Harterfeld).
Bürgermeister Walter Brunner zweifelt an Ihren Plänen (so seine Aussage im gestrigen Gemeinderat) und lässt diese von Experten prüfen. Er ist allerdings nicht bereit, Ihre Pläne für die Südtrasse vorzulegen. Mitgliedern des Gemeinderates und Stadtrates sowie Bürgerinnen und Bürgern wird die Einsicht in die Südtrassen-Planungen der ÖBB verwehrt.
Wir hätten daher gerne von Ihnen erfahren, ob die an den Bürgermeister übergebenen Pläne zur Südtrasse inhaltlich jenen Aussagen entsprechen, die Sie uns in Ihrem Schreiben vom 2.2.2012 gegeben haben oder davon abweichen.
Darüber hinaus möchten wir Sie höflich ersuchen, die Pläne für die Südtrasse in Leonding öffentlich zugänglich zu machen.
Des Weiteren spricht Bürgermeister Brunner davon, dass Entscheidungen nicht möglich wären, solange der ÖBB-Plan für die Nordtrasse nicht vorliegt, was wir nicht verstehen können, dachten wir doch, dass ebendiese Nordtrassen-Pläne (bestehende Strecke) Ausgangspunkt für die Forderung einer Südtrassen-Planung an die ÖBB waren.
Könnten Sie uns bitte schriftlich informieren, ob und bis wann die ÖBB einen weiteren Plan für die bestehende Strecke (also die vom Bürgermeister angekündigte Alternative Nord) vorlegen werden?
Wir danken Ihnen.
Mag. Hermann Lehner
Sprecher Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“
Lambergstraße 2, 4060 Leonding
Was Bürgermeister Brunner schon Anfang Februar wissen musste
Bürgermeister Brunner sagt sinngemäß, er wisse nicht wie die Südtrasse aussehen wird, er verrate nichts darüber und lasse seine Experten tüfteln.
Die Experten tüfteln also, bezahlt mit Steuerzahlergeld darüber, ob es stimmt, was jene, die ihr Leben lang nur Schienen geplant haben - die Experten der ÖBB - schon seit jeher sagen.
Die ÖBB haben es der Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“ schriftlich gegeben, und wir haben es Bürgermeister Brunner weitergegeben, ebenfalls schriftlich.
Ein Teil der Gärten würde wahrscheinlich gänzlich wegfallen, ein anderer Teil an oder unter der mächtigen Einhausung (vgl. Grundbachwiki: Einhausung) liegen.
2. Die Bewohner der Siedlung Gartenweg/Birkenweg
Die Bewohner der Reihenhäuser hätten geschätzte 150 Meter bis zur Westbahntrasse. Sie und auch die Bewohner der oberen Stockwerke der dahinter liegenden Wohnbauten hätten beste Aussicht auf die Rampe mit oberirdischer Einhausung. (vgl. Grundbachwiki: Einhausung)
3. Die Sportler und Parkbenützer
Die Sporteinrichtungen und die Lauf- und Spazierwege könnten mit dem Zusatznutzen Westbahnblick beworben werden.
4. Die Schüler und Lehrer der HTL
Statt Blick ins Grüne - Blick auf die Einhausung. Zwar ohne Bahnhof, aber alles kann man halt nicht haben.
5. Die Kleingärtner in der Grundbachsenke
Für sie hieße es vermutlich Abschied nehmen, denn über ihre liebevoll gepflegten Gartenparadiese fährt der Zug höchstwahrscheinlich drüber.
6. Die Bewohner entlang des Högerlwegs und der Tattenbachstraße
Bestenfalls hier könnte die Trasse tiefer gelegt werden. (vgl. Grundbachwiki: Tieferlegung). Wie wird es sich mit einem klaffenden Graben von rund 40 Metern Breite leben lassen, in dem alle zwei Minuten ein Zug durch rauscht?
7. Die Bewohner im Norden von Altreith
Vielleicht haben sie schon das Glück, dass sie nichts von der Trasse sehen. Ob ihr Geschirr im Kastel scheppert, wenn in kurzer Distanz nahe den Fundamenten ihrer Häuser alle zwei Minuten ein Zug vorbei braust, ist noch nicht geklärt...
8. Die Bewohner von Jetzing
Könnte gut sein, dass diese Menschen der Bahn im Weg sind. Vielleicht haben sie aber auch nur die Ausfahrt vor ihrer Nase, denn die Trasse muss hier irgendwo wieder ans Licht. Dann werden diese Leondinger in Zukunft anstatt Vogel-singen den Sound von über 500 Zügen täglich hören, denn an „Tunnel“-Ausfahrten hat es bekanntlich eine besonders tolle Akustik.
Ein kurzer Überblick über die aktuellen Entwicklungen
1. Die ÖBB bestätigen in einem Brief vom 2.2.2012 an die Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“, dass die Bahn im Grüngürtel nicht „verschwinden“ kann, also die „Grüne Wiese“ mit durchgehendem Tunnel keinesfalls möglich ist.
Antwortbrief der ÖBB
2. Die Bürgerinitiative „schön.hier.zu.wohnen“ legt die schriftlichen ÖBB-Aussagen am 7.2.2012 vor und ersucht den Bürgermeister um Stellungnahme.
Brief Lehner ⇒ Bürgermeister
3. Der Bürgermeister bestätigt am 8.2.2012 sinngemäß, dass nun abzusehen ist, dass ein „Verschwinden“ der Bahn nicht möglich ist, dass er sich daher klar gegen die Südtrasse ausspricht und dies dem gesamten Gemeinderat empfehlen wird.
Antwort Bürgermeister ⇒ Lehner
4. Die ÖBB werden ihre Planungen für die Südtrasse bereits Ende Februar/Anfang März abschließen. Wir werden natürlich darauf bestehen, dass das Ende der unmöglichen Südtrasse möglichst noch im März 2012 beschlossen wird.