Leonding 2030: "The object is closer than it appears."
Die Warnung auf den Rückspiegeln amerikanischer Autos könnte man auch auf die großzügigen Fenster des Stadtamts Leonding schreiben. Denn eine Fehlentscheidung wie die Planung einer Südtrasse durch den Grüngürtel kann schneller ins Auge gehen, als man erwartet.
Wenn die Bahn durch den Grüngürtel gebaut wird, könnte das im Jahr 2030 so aussehen:
Im östlichen Teil des Grüngürtels wurde ein riesiges Rampenbauwerk errichtet, auf dem eine mächtige Einhausung thront. Diese „Chinesische Mauer“ gilt als neues Wahrzeichen der Stadt Leonding und ist sogar vom Weltraum aus zu sehen.
Der Stadtpark wurde mit Baubeginn 2016 unattraktiv. So wurde Platz frei für die Ansiedlung von Diskontern aller Art - Fliesen, Tierfutter, Billigtextilien, Möbel etc.
Zwei Straßen mussten verändert werden: die Paschingerstraße und die Straße Richtung Kreisverkehr Paschingerstraße. Diese Chance hat man zur weiteren Belebung der Wirtschaft genützt und Tankstellen samt Fastfood-Drive-ins geschaffen.
Der westliche Teil der Grundbachsenke ist durch den Bahnbau landwirtschaftlich wertlos geworden. Die Gemeinde hat das Land von den Bauern billig erworben und die Senke zu einem großzügigen Park & Ride Platz für Linz-Pendler umgebaut. Das spült Geld in die Gemeindekasse.
Drüben bei der Tattenbachstraße teilt ein tiefer Graben, in dem die Bahn fährt, die Ortschaft Reith. Die verheerende Optik, Erschütterungen und Probleme mit der Grundwasserverdrängung machen das Wohnen dort nicht besonders angenehm.
Die Siedlung Jetzing ist dem Bahnbau zum Opfer gefallen. Die Bewohner wurden enteignet. Da Landwirtschaft dort sinnlos geworden ist, haben die Bauern der Gemeinde ihr Land billig verkaufen müssen. Die Gemeinde hat es in Gewerbegebiet umgewidmet.
Da Wohnungen entlang des Grüngürtels jetzt deutlich billiger zu haben sind, hat ein massiver Bewohnerwechsel stattgefunden. Daraus resultiert zwar manches soziale Problem, das man aber mithilfe von ein paar Sozialarbeitern irgendwann lösen wird, oder auch nicht...
Leonding hat nun eine klare Identität. Es gibt das Stadtzentrum, das bis zur Paschingerstraße reicht. Dort ist es, wie der Slogan verspricht, schön zu leben. Wer dort zuhause sein will, muss natürlich ein bisschen Kleingeld mitbringen, dafür ist man unter sich, soziale Probleme gibt‘s hier nicht.
Diese wurden samt der Bahn nach Süden verlegt. Denn irgendwo muss ja das alles hin, was man zum schönen Leben braucht...