Sa Pa, der feuchte Traum eines jeden Wanderkumpanen!
Nach drei Tagen der Rückkehr in meine Home-Basis Hanoi ging es für Michiel, John und mich auf nach Sa Pa. Die Provinz im Nordwesten Vietnams gehört zum obligatorischen Programm des naturbegeisterten Touristen und so wollte ich mir die saftigen Reisfelder und wunderschönen Berge auch nicht entgehen lassen. Ursprünglich plante ich mit John den Nachtbus zu nehmen und Michi und Luuk vor Ort zu treffen, da die beiden aber auf ihrem Weg einen schlimmen Motorbike-Unfall hatten – ein betrunkener Geisterfahrer crashte gleich in beide, sie hatten aber jede Menge Glück im Unglück – kam es am Ende doch anders. Eine weitere Bestätigung für mich, vorerst die Finger vom Scooter zu lassen.
Die Hauptstadt Sa Pa selbst ist keine zwei Stunden Besuch wert. Nicht nur das maßlos überteuerte Essen und das triste Stadtbild treiben dem Budget-Backpacker die Tränen in die Augen, auch die Situation der Kinder des Hmong-Tribes ist hier wirklich schlimm. Die Hmong sind eine indigene Gruppe, die über China, Vietnam, Laos, Myanmar und Thailand verteilt ist und zum Sa-Pa-Erlebnis wie die Reisterrassen zum Landschaftsbild gehört. Helfen die Hmong-Tribe-Ladies auf dem Land allerdings untalentierten Wanderern wie mir Händchen haltend den Berg hoch und begleiten Touristen auf die schönsten Touren, so verkaufen in der Stadt siebenjährige kleine Hmong-Mädchen mit einjährigen Geschwistern auf den Rücken bettelnden Blickes Armbänder an Besucher.
In Sa Pa angekommen wurden wir um fünf Uhr morgens aus dem Bus in die eisige Kälte verbannt und ich entschied mich aufgrund des Gruppenzwanges dagegen, mit einer der wartenden Hmong-Ladies in eines der Homestays in ihren Dörfern zu fahren. Stattdessen wurde ein Taxi nach Tavan genommen. Dort suchten wir uns das Hostel Sa Pa’s Best, ein einfacher Dorm mit Matratzen, die dem Komfort eines Lazarettes Konkurrenz machten. Dafür waren Stimmung, Lage und das geteilte Familien-Dinner abends wunderbar.
Wenig später fanden wir uns dann ehe wir uns versahen auf einem vierstündigen Trek (den einige Unglückliche in Flipflops meistern mussten) wieder. Eigentlich nur auf der Suche nach ein paar Informationen für eine nette Wanderung am nächsten Tag gewesen, hatten uns die Hmong-Tribe-Ladies direkt aufgelesen und auf so charmante Weise in Gespräche verwickelt, dass wir ihnen mir nichts dir nichts zu einem Wasserfall folgten. Was diese jungen Frauen auf dem Weg dorthin leisteten war wirklich unfassbar. Eine meiner beiden Helferinnen, sie nannte sich Lisa, erzählte mir in gebrochenem Englisch, dass sie mit 15 Jahren die Schule beendet und geheiratet hatte und nun schon das zweite Baby auf ihrem Rücken herum trug – hier geht man mit seinen Neugeborenen direkt wandern. In billigen Plastiklatschen und mit jeder Menge Klimbim am Körper, der ganze „Lady-Shop“ wurde nämlich auch noch herum getragen, half mir rüstiger Europäerin diese junge Frau nun mit eisernem, sicheren Griff über jede Unebenheit. Nachdem ich in Bali die wundervollsten, saftigsten Reisfelder bewundert hatte, konnte mich die Natur um Sa Pa nicht gänzlich verzaubern, denn die Felder waren frisch abgeerntet und dementsprechend nicht gerade strahlend grün. Was mich aber faszinierte, war das Wesen unserer Tourguides, ihre Stärke und ihr Lächeln. Bezahlt wurden ihre Mühen später indirekt, denn sie luden uns ein, am Ende der Wanderung in ihren Lady-Shops – prall gefüllte Plastikbeutel mit angeblich handgefertigten kleinen Täschchen, Armbändern und Tüchern – etliche Souvenirs zu shoppen. Für mich ein mehr als fairer Deal. Da wir alle keine Wanderjunkies waren und uns nicht unbedingt nach einem 10-stündigen Marsch sehnten kehrten wie nach nur 48 Stunden in Sa Pa schließlich in der Nacht des nächsten Tages nach Hanoi zurück. Ein Ausflug, der zwar kürzer als gedacht ausfiel, mich aber keinesfalls enttäuscht zurückließ.
Sleeperbus nach Sa Pa: 390.000 VND
Geteiltes Dinner: 50.000 VND
Sa Pa’s Best Hostel in Tavan: 155.000 VND pro Nacht
persönlicher Kostenaufwand im Lady-Shop: 220.000 VND










