Mit dem Open Bus Ticket durch Vietnam – erster Ausstieg: Phong Nha
Nachdem ich mir Minh Binh eiskalt hatte entgehen lassen – wirklich bitter, aber ich rechnete zu dem Zeitpunkt ja noch mit der Deadline meines Rückfluges Anfang Dezember – wurde Phong Nha zum ersten Stop meines Open-Bus-Tickets. Dieses güldene Büchlein (ist gelb, aber die Vorstellung eines Willi-Wonka-Tickets ist doch schöner) bringt Backpacker das ganze Jahr über unkompliziert mit Sleeper- und Tagesbussen von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-City oder umgekehrt und ist mit rund 40 Euro dennoch ein Schnäppchen. Eine Einzelfahrt kostet immerhin auch gerne mehr als 10 Euro. Je nach Anzahl der Zwischenstopps variiert der Preis und es gibt mindestens drei verschiedene Companys mit deren Sleeperbussen man reisen kann. Ich habe über jede gute und schlechte Erfahrungsberichte anderer Backpacker gehört – wo du das Ticket also kaufst, ist daher, wie sagt man so schön: Jacke wie Hose.
Phong Nha-Kẻ Bàng ist ein wundervoller Nationalpark an der Grenze zu Laos zwischen Nord- und Zentralvietnam und vor allem für seine Höhlen bekannt, besonders die Sơn-Đoòng-Cave, die mit dem größten Höhlengang der Welt und langen Wartelisten für gut 3.000 USD teure Führungen aufwartet.
Viele Backpacker – so auch ich – verbringen hier nur ein bis zwei Tage um ein paar der Höhlen zu besuchen. Wer sich mehr Zeit nimmt, kann den saftig grünen Dschungel auf Motorbike-Touren oder Treks erkunden, mir machte der Regen da aber einen Strich durch die Rechnung. Zwei Tage bevor ich ankam stand der kleine Ort Son Trach noch nabelhoch überflutet. Kaum vorstellbar, war doch schon wieder alles in bester Ordnung beim Check-In. Einzig, dass da nicht mehr Gäste waren als ein blonder, stummer Herr und ich ließ erahnen, dass nicht wenige Backpacker sich so kurz nach der Flut scheuten schon wieder anzureisen. Mangels sozialer Kontakte begab ich mich so ein paar Häuser weiter ins weitaus bekanntere und daher deutlich besser besuchte Easy Tiger Hostel und ruhte nach meiner Nachtfahrt eine Weile am Pool, bevor ich für den nächsten Tag eine Tour mit meiner neusten niederländischen Begleitung Lieke buchte. Die Deutschen und die Niederländer, die sind doch überall in Südostasien!
Da offensichtlich neben mir kein weiterer Mensch zugegen war, der sich an der Exklusivität ergötzen wollte eine erst im August 2016 eröffnete und wohlmöglich bald wieder schließende Höhle namens Hang Tra Ang zu besuchen, musste ich mich der absoluten Phong-Nha-Standard-Tour hingeben: 8 Ladies Cave, Paradise Cave, Dark Cave.
Alle drei können auch selbstständig mit dem Motorbike besucht werden, für eine Tour durch die Berge fühlte ich mich aber noch nicht wieder bereit – ein Glück, denn es regnete fast den gesamten Tag. Abgewertet hat das unseren Besuch aber nicht, liegt Schutz vor den Launen des Wetters zu bieten doch in der Natur einer Höhle. Die Paradise Cave ist absolut touristisch, selbst um hier zu stolpern muss man sich schon außerordentlich doof anstellen, sind die abgezäunten Pfade doch sogar geebnet. Schön war es trotzdem, die Stalaktiten (von oben) und die Stalagmiten sind hier schon ganz besonders. Letztere vor allem besonders oft phallisch. Späße darüber konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, von wem ich das wohl habe?
Von der Dark Cave war ich schließlich sehr positiv überrascht, hatte ich mir unter dem Ziplining rüber zur Höhle und dem angepriesenen Mud-Bath nicht viel erhofft. Tatsächlich war es aber richtig abenteuerlich in recht kleiner Gruppe von zehn Personen durch das eiskalte Wasser in die finstere Höhle zu schwimmen, alles nur von unseren Stirnlampen beleuchtet. Im Schlamm zu baden – Spa-Fans kennen es vielleicht – ist ein wahnwitziges Gefühl, du denkst einerseits, du würdest aufgrund deines Verhaltens im sich doch recht wässrig anfühlenden Schlamm untergehen, merkst aber, dass du dennoch fast schwebend auf der Oberfläche gleitest und nicht wirklich untertauchen kannst. Die absurdesten Sitzpositionen lassen sich so einnehmen! Neben einem tollen Guide, der uns viele spannende Informationen zu den Höhlen oder auch dem Ho-Chi-Minh-Pfad, der im Vietnamkrieg vom Vietcong zur Unterstützung der Befreiung Südvietnams genutzt wurde, gab, bekamen wir für den recht kostenintensiven Tourpreis auch ein wirklich leckeres Essen zum Lunch serviert – auch nicht immer selbstverständlich. Nach einer weiteren halben Nacht im Hostel konnte ich um vier Uhr morgens noch mit Michiel, der gerade aus Minh Binh kam, am Sleeperbus abklatschen, bevor es für mich nach Hội An ging. Achtung Spoiler: Es folgt einer meiner absoluten Lieblingsaufenthalte auf dieser Reise!
Gecko Hostel für 1,5 Nächte (Spezialangebot nach der Überflutung): 198.000 VND
Finds mega stark zu sehen wie du das durchziehst und was du alles erlebst. Du kommst als zehntausend mal weiserer Mensch wieder als wir es sein werden :D wirklich, ich bewundere dich für deinen Mut und Abenteuerlust :)
Awww, danke! Vielleicht inspiriere ich ja den ein oder anderen Freund, der noch nicht gereist ist, es mir gleich zu tun — war die beste Entscheidung loszuziehen und eine Erfahrung, die ich jedem mit Fernweh wünsche :)
Das sind 9.16 Euro nach aktuellem Kurs, Dong sind immer in Tausendern, es sind also 220.000 Dong. Ändere ich mal noch, damit es nicht verwirrend ist, hatte ich nur im ersten Post mal angemerkt ;)
Sa Pa, der feuchte Traum eines jeden Wanderkumpanen!
Nach drei Tagen der Rückkehr in meine Home-Basis Hanoi ging es für Michiel, John und mich auf nach Sa Pa. Die Provinz im Nordwesten Vietnams gehört zum obligatorischen Programm des naturbegeisterten Touristen und so wollte ich mir die saftigen Reisfelder und wunderschönen Berge auch nicht entgehen lassen. Ursprünglich plante ich mit John den Nachtbus zu nehmen und Michi und Luuk vor Ort zu treffen, da die beiden aber auf ihrem Weg einen schlimmen Motorbike-Unfall hatten – ein betrunkener Geisterfahrer crashte gleich in beide, sie hatten aber jede Menge Glück im Unglück – kam es am Ende doch anders. Eine weitere Bestätigung für mich, vorerst die Finger vom Scooter zu lassen.
Die Hauptstadt Sa Pa selbst ist keine zwei Stunden Besuch wert. Nicht nur das maßlos überteuerte Essen und das triste Stadtbild treiben dem Budget-Backpacker die Tränen in die Augen, auch die Situation der Kinder des Hmong-Tribes ist hier wirklich schlimm. Die Hmong sind eine indigene Gruppe, die über China, Vietnam, Laos, Myanmar und Thailand verteilt ist und zum Sa-Pa-Erlebnis wie die Reisterrassen zum Landschaftsbild gehört. Helfen die Hmong-Tribe-Ladies auf dem Land allerdings untalentierten Wanderern wie mir Händchen haltend den Berg hoch und begleiten Touristen auf die schönsten Touren, so verkaufen in der Stadt siebenjährige kleine Hmong-Mädchen mit einjährigen Geschwistern auf den Rücken bettelnden Blickes Armbänder an Besucher.
In Sa Pa angekommen wurden wir um fünf Uhr morgens aus dem Bus in die eisige Kälte verbannt und ich entschied mich aufgrund des Gruppenzwanges dagegen, mit einer der wartenden Hmong-Ladies in eines der Homestays in ihren Dörfern zu fahren. Stattdessen wurde ein Taxi nach Tavan genommen. Dort suchten wir uns das Hostel Sa Pa’s Best, ein einfacher Dorm mit Matratzen, die dem Komfort eines Lazarettes Konkurrenz machten. Dafür waren Stimmung, Lage und das geteilte Familien-Dinner abends wunderbar.
Wenig später fanden wir uns dann ehe wir uns versahen auf einem vierstündigen Trek (den einige Unglückliche in Flipflops meistern mussten) wieder. Eigentlich nur auf der Suche nach ein paar Informationen für eine nette Wanderung am nächsten Tag gewesen, hatten uns die Hmong-Tribe-Ladies direkt aufgelesen und auf so charmante Weise in Gespräche verwickelt, dass wir ihnen mir nichts dir nichts zu einem Wasserfall folgten. Was diese jungen Frauen auf dem Weg dorthin leisteten war wirklich unfassbar. Eine meiner beiden Helferinnen, sie nannte sich Lisa, erzählte mir in gebrochenem Englisch, dass sie mit 15 Jahren die Schule beendet und geheiratet hatte und nun schon das zweite Baby auf ihrem Rücken herum trug – hier geht man mit seinen Neugeborenen direkt wandern. In billigen Plastiklatschen und mit jeder Menge Klimbim am Körper, der ganze „Lady-Shop“ wurde nämlich auch noch herum getragen, half mir rüstiger Europäerin diese junge Frau nun mit eisernem, sicheren Griff über jede Unebenheit. Nachdem ich in Bali die wundervollsten, saftigsten Reisfelder bewundert hatte, konnte mich die Natur um Sa Pa nicht gänzlich verzaubern, denn die Felder waren frisch abgeerntet und dementsprechend nicht gerade strahlend grün. Was mich aber faszinierte, war das Wesen unserer Tourguides, ihre Stärke und ihr Lächeln. Bezahlt wurden ihre Mühen später indirekt, denn sie luden uns ein, am Ende der Wanderung in ihren Lady-Shops – prall gefüllte Plastikbeutel mit angeblich handgefertigten kleinen Täschchen, Armbändern und Tüchern – etliche Souvenirs zu shoppen. Für mich ein mehr als fairer Deal. Da wir alle keine Wanderjunkies waren und uns nicht unbedingt nach einem 10-stündigen Marsch sehnten kehrten wie nach nur 48 Stunden in Sa Pa schließlich in der Nacht des nächsten Tages nach Hanoi zurück. Ein Ausflug, der zwar kürzer als gedacht ausfiel, mich aber keinesfalls enttäuscht zurückließ.
Sleeperbus nach Sa Pa: 390.000 VND
Geteiltes Dinner: 50.000 VND
Sa Pa’s Best Hostel in Tavan: 155.000 VND pro Nacht
persönlicher Kostenaufwand im Lady-Shop: 220.000 VND
Nach den ersten paar Tagen in Hanoi wurde es Zeit für einen kleinen Ausflug und so machten Michi, Luuk und ich uns auf den Weg Halong Bay zu erkunden. Anstatt einer völlig überteuerten Zwei-Tage-Eine-Nacht-Tour für mindestens 70 Tacken organisierten wir den Trip lieber selbst und buchten nur den Bus- und Boot-Transfer von Hanoi nach Cat Ba. Die Insel im Nordosten Vietnams ist der Ausgangspunkt für eine Tour durch Vịnh Hạ Long und ich würde jedem Reisenden mit etwas Zeit ans Herz legen, keine überteuerte Rundum-Tour vorab zu buchen, denn mit einem Minimum an Selbstorganisation kann man nicht nur jede Menge Geld sparen, sondern auch Cat Ba selbst erkunden. Vor Ort angekommen sind wir von Haus zu Haus gewandert um Preise zu vergleichen und ein Hostel zu suchen. Danach schmerzten mir zwar die Knie und es war mal wieder Zeit für meine lieb gewonnene Voltaren-Salbe, dafür nächtigten wir drei aber auch zum Spottpreis inklusive Frühstück. Die Motorbikes für die Tour am nächsten Tag im Hostel selbst zu mieten war nicht die beste Idee, wir mussten insgesamt drei Mal zur Reparatur oder ein gänzlich neues Bike mieten, immerhin haben wir dabei mit den Locals nett geschnackt, die - wie immer - Gastwirt, Touristenguide, Mechaniker usw. in Personalunion waren. Die Motorbikes in Vietnam haben sich ohnehin unverhältnismäßig oft im Vergleich zu anderen Ländern wie Indonesien als Schrott erwiesen. Neben dem Besuch der Hospital-Cave haben wir ansonsten nur die Insel erkundet und dank Michis 1a-driving-skills hatte ich trotz meines Bali-Traumas jede Menge Spaß als Sozius. Im Hostel buchten wir dann eine Tagestour mit dem Boot nach Halong Bay für 11 Euro, inklusive eines völlig unerwartet guten Mittagessens auf dem Wasser. Teilen mussten wir das Boot nur mit ungefähr zehn weiteren Reisenden – die pure Idylle! Für mich gehörte dieser Ausflug eindeutig zu den Highlights meiner Vietnam-Reise, alleine am Bug zu sitzen, Whitney zu lauschen und mit dem Fahrtwind im Haar den Kalksteinformatierungen entgegen zu blinzeln lies mein Herz vor Glück hüpfen und tut es auch jetzt noch. Auf Cat Ba bin ich auch erstmals beim skinny dipping im seichten Plankton-Leuchten geschwommen. Luuk schwört noch heute, dass es sich nur Reflektionen, unseren Alkoholpegel oder sonst was gehandelt habe, nachdem ich aber in Kambodscha mehrfach im intensiven Meeresleuchten geschwommen bin, bin ich gänzlich sicher dass es sich auch auf Cat Ba um Plankton handelte. Außerdem stand es schon immer drei zu eins gegen den Ungläubigen!
Die Fotos der Bootstour sind einen Post weiter!
Bus/Boot-Transfer inkl. Return: 600.000 VND (gab’s auch noch günstiger wie ich später herausgefunden habe)
Am 9. Oktober 2016 verschlug es mich von Kuala Lumpur in Malysia nach Hanoi in Vietnam und ich war sofort hellauf begeistert von den kleinen Gassen der Altstadt durch die sich mein Minibus kämpfen musste. Für läppische vier Euro kann man statt eines „teuren“ Taxis eine Van vom Flughafen Hanoi bequem direkt zu jedem Hotel nehmen, die Local-Busse sind natürlich noch billiger aber eben auch nicht so super easy.
Das Chien Hostel wurde für insgesamt über eine Woche mein Zuhause in der Altstadt Hanois, direkt an der St. Joseph Cathedral. Auch dutzende Hostels später ist dieses Plätzchen immer noch mein Favorit. Vielleicht hatte ich dort nicht das bequemste Bett, das beste Frühstück oder das geschmackvollste Interieur, aber die Stimmung samt stündlichen 15 Minuten Freibier, unzähligen geselligen und interessanten Leuten und den bemühten, witzigen Mitarbeitern hat einfach alles bisher geschlagen. Rein sozial gesehen hatte ich in Hanoi (und Hoi An, doch dazu später) die wohl beste Zeit in Vietnam. Direkt an meinem ersten Abend bei der Stadtour lernte ich so auch Michiel kennen, der zu einem meiner dicksten Travel-Buddies geworden ist. Zusammen mit Luuk machten wir nicht nur Hanoi unsicher, sondern verbrachten auch eine tolle Zeit in Cat Ba mit einer grandiosen Bootstour durch Halong Bay, Fotos gibt’s in meinem nächsten Post.
Hanoi selbst erschlägt zunächst mit seinem überwältigendem Wirrwarr aus Motorbikes, die aus allen Richtungen ohne jegliches System die engen Gassen unsicher machen. Die Devise lautet hier, erhobenen Hauptes im langsamen, aber kontinuierlichen Tempo - ohne einen Blick nach links und rechts - einfach die Straße zu überqueren, die Motorräder weichen dann schon aus. Amen. Ho-Chi-Minh war während meines Besuches leider gerade ausgeflogen, jedes Jahr wird der Gute nach Russland geschippert um sich ein paar Wochen ein Ganzkörper-Retreat zu gönnen (die Konservierung seinen Leichnams wird aufgefrischt). Dafür besuchten wir das Hỏa-Lò-Gefängnis in dem, nach dem Abzug der Franzosen, dann im Vietnam-Krieg auch John McCain inhaftiert war. Gerade die Beschreibung der Unterbringung der Amerikaner im scherzhaft „Hanoi Hilton“ getauften Gefängnis war spannend und definitiv einen Besuch wert. In Sachen kulinarisches Erlebnis war der berühmte Egg Coffee mein eindeutiges Highlight. Ich habe ihn in verschiedenen Cafés probiert - im Vergleich zum Süden Vietnams war er überall gut – und muss Trip Advisor zustimmen dass das Giang Cafe der Place to be ist! Ansonsten träume ich noch heute von den französischen Leckereien (die absolut mit einer Pâtisserie in Paris mithalten können) bei Madame Huong im French Quarter…
Bus-Taxis vom Flughafen zum Hotel in Hanoi: 100.000 VND
Oh where am I gonna find a free feeling
Oh the one I've always wanted to know
Where I am not afraid of revealing, oh no
I'll show whatever I want whenever I want
Well I've done an awful lot of concealing
Yeah I've spent a lot of time just sitting at home
Oh and is the only way to find a free feeling on the road
Where you go wherever you want whenever you want
Während du reist vergeht die Zeit wahrlich im Fluge und so ist es schlichtweg „passiert“, dass ich gut zwei Monate lang meinen Blog nicht mehr gefüttert habe. Neben ein paar Beschwerden meiner Lieben habe ich mich vor allem selbst anfänglich ganz schlecht gefühlt, schließlich weiß ich, was für eine wundervolle Erinnerung an meine Erlebnisse ein paar gepflegte Niederschriften und Songs in einigen Jahren sein werden. Nachdem ich mich allerdings gegen den Druck einer absoluten Deadline des Reisens und damit gegen meinen Rückflug Anfang Dezember entschieden hatte, erschien es mir nur logisch, dass man als angehende, planlos Reisende nicht die Zeit hat, ständig alles festzuhalten. Vor sieben Tagen habe ich nun meinen Flug verstreichen lassen und nach der anfänglichen Ratlosigkeit – Freiheit kann auch ein wenig Angst einflößend sein – habe ich in Chiang Mai zu meinem glücklichen, inneren Reisegleichgewicht zurück gefunden. Zum ersten Mal denke ich nun wieder, „Oh, ich habe Lust endlich ein paar Fotos hochzuladen“, anstatt „Ich sollte wohl mal wieder einige Bilder sichern, danach freue ich mich schließlich darüber“. Und auf geht’s, nun in vielleicht etwas kürzerer Form – bekanntlich nicht leicht für mich, aber immerhin.
Nach einer halben Ewigkeit habe ich nun endlich wieder Zeit gefunden, meine Erlebnisse ein wenig aufzuarbeiten. Nach meinem geliebten Singapur verschlug es mich am 5. Oktober nach Kuala Lumpur in Malaysia, da Flüge von hieraus nach ganz Asien unglaublich billig sind und mich die Busfahrt von Singapur hierher plus Flug nach Hanoi genauso viel kostete, wie der Flug von Singapur. In Kuala Lumpur angekommen konnte die Stadt natürlich schlichtweg nicht mit meiner Herzstadt Singapur mithalten, trotzdem verbrachte ich hier ein paar Nächte im äußerst stylischen Mingle Hostel. Die Unterkunft atmete Hipster-Schick durch und durch und von abgezogenen Wänden über schwarze, grafische Metalllampen und Omas Bilderrahmen war hier alles zu finden. Natürlich hatte ich mir mal wieder ein Caspule-Hostel mit netten Vorhängen gebucht, was das Umfeld allerdings auch wieder etwas asozial gestaltete, erst Recht mangels eines Gemeinschaftsraumes. Dafür war der Eigentümer, studiert in den USA und für einige Zeit in Deutschland angestellt – daher wohl auch der für Malaysia eigentümliche Geschmack, umso netter und so aß ich hin und wieder mit ihm zusammen und bekam ein paar tolle Tipps für Malaysia, die ich aufgrund meines Zeitmangels aber nicht umsetzte. Am ersten Abend wollte ich nur kurz nach einem Snack suchen, daraus wurde jedoch direkt der Besuch eines indischen Großfestes. Das Video dazu gibt’s im Post hierunter. Nachdem ich versehentlich in das Fest hineingestolpert war und mich sichtlich unwohl fühlte und in den Ecken herumdruckste, luden mich die Hindus mehrfach ein, mich direkt ins Treiben zu setzen – hier hat anscheinend keiner ein Problem damit, seine Religion zu teilen oder dass andere Leute Fotos davon machen. Wenn ich mir da vorstelle, wie ein paar Touristen bei einer Messe in die erste Reihe vorrücken und diese fotografieren sieht das wohl ganz anders aus. Die Rituale waren mehr als berauschend, in der Mitte des Tempels wurden alle möglichen Opfergaben dargereicht von Männern mit freiem Oberkörper und einem alten, sehr hagreren Greis. Derweil ehrten verschiedene Mädchen die Göttin mit Tänzen. Krish, ein Inder aus Neu-Dehli, erklärte mir, dass bei dem mehrtägigen Fest jeden Tag eine andere göttliche Inkarnation verehrt wird, also nicht Gott selbst, sondern seine Boten. In seiner Heimat sei das Fest weit größer und heute Abend sei er nur gekommen, da er sich an die angebetete Kriegerin noch aus seiner Kindheit erinnerte – in London und Kuala Lumpur studiert und in einem Hostel jobbend beschrieb er sich als weltoffen und wenig gläubig. Dennoch fand auch er Interesse daran die Betenden zu beobachten und lud mich darauf zum Essen ein – natürlich indisch und zu einem, für Europäer so absurd billigen Preis, dass ich das das Restaurant noch weitere zwei Mal besuchte.
Batu Caves
Am nächsten Tag ging es in die Batu Caves, Kalksteinhöhlen die nur gut 15 Kilometer, aber rund 40 Minuten Bahnfahrt von Kuala Lumpur entfernt sind. Sie beherbergen einige Hindu-Tempel und die Haupthöhle wird von der weltgrößten Statue der hinduistischen Gottheit Murugan bewacht. Als Sohn Shivas, der im Hinduismus allgegenwärtig ist, gehört er zu den wichtigsten Gottheiten. Natürlich musste die Statue direkt während meines Besuches restauriert werden und auch meine Versuche, nur den Bereich ohne Gerüst zu fotografieren, waren zum Scheitern verurteilt, weil sie Murugan winzig erschienen ließen. Nach 272 Stufen und ein paar Panikattacken aufgrund der frechen Äffchen (einer wollte mir an meinem Beutel schaukelnd meine indischen Süßigkeiten klauen, ich hielt sie fest wie eine Mutter ihr Kind) betrat ich die Haupthöhle, wenig später erkundete ich die Dark Cave mit einer Tour.
Größte Statue Murugans.
Makake der einem Touri die Süßigkeiten abgezogen hat.
Haupthöhle Batu Caves.
Want-to-have-Nippes.
In Vorbereitung für die Zeremonie am Abend, Schrein im Eingangsbereich.
Dark Cave
Jeder bekam eine Taschenlampe und so ging es auf in die stockdustere Höhle. Ein paar der anderen Besucher hatten noch nie im Leben völlige Finsternis erlebt, ich hatte mich daran schon im Hamburger Dunkelmuseum und vor ein paar Jahren im Berliner Dunkelrestaurant begeistert. Die so seltene Trapdoor Spinne, die wohl einem lebenden Fossil gleicht, konnten wir (leider, leider) nicht finden und auch ansonsten gab es die Tiere bis auf ein paar winzig kleine Würmchen nur auf der Lehrtafel zu sehen. Allein die Geräusche der verschiedene Fledermäuse in der Höhle und die Informationen waren das recht günstige Eintrittsgeld allerdings wert.
Hanuman, Gehilfe von Lord Rama.
Ramayana Cave
Zu guter Letzt ging es in die Ramayana Cave, die in ihrem absoluten Kitsch wirklich all meine Erwartungen übertraf. Da mein Herz ja insgeheim für jegliche Art von Nippes schlägt, ich das Ganze aber nicht ständig in meinem Zimmer ertragen kann und mir dafür immer einen zweiten Raum gewünscht habe, begeisterte mich die kunterbunte und absurd schrill gestaltete Höhle, welche den Ramayana Epos recht detailliert erzählt, sofort.
Kumbhakarna, Ravanas Bruder, der wohl gerne auch mal sechs Monate nonstop schnarcht.
Tags darauf traf ich Kyra wieder, ich hatte sie in Singpur kennengelernt und mit ihr auch Sentosa Island besucht. Zusammen mit der Niederländerin Laura machten wir Kuala Lumpur nochmals unsicher, bevor es am nächsten Tag für mich nach Hanoi gehen sollte. Der Ausflug endete in einem Street-Food-Porn und nach einer durch Faulheit bedingten längeren Busfahrt mit dem kostenlosen Touristenbus Peta Laluan, der auf vier verschieden farbigen Routen verkehrt, verließen wir den Bus auf der roten Linie nahe Little India um ordentlich reinzuhauen – gigantische Donuts und ein Kokos-Schoko-Milkshake waren da nur zwei von vielen Stops auf dem Markt. Für mich gab es on top noch zwei Paar trashig-wundervolle Blusen in tropischen Mustern aus knalligem Pink, intensivem Violett und leuchtendem Türkis, die von nun an im Gesamtwert von 4 Euro meine Reisebegleiter sind.
Fotoshoot vor der großen Moschee.
National Mosque of Malaysia.
Nach einem kitschigen Wasserspektakel vor den KL Towers, um den letzten Tag in Kuala Lumpur gebührend ausklingen zu lassen, sollte am nächsten Tag die bisher vielleicht schönste Zeit meiner Reisen beginnen: Vietnam, ich komme!
Singapur eroberte mein Herz im Sturm und als ich die ersten Schulmädchen in kurzen Röcken und Frauen in Shorts sah, wollte ich am liebsten vor ihnen niederknien, den Boden zu ihren Füßen küssen und ihnen zu ihrem Mut, ihrer Unabhängigkeit und Freiheit gratulieren. Es war das Schönste der Welt endlich wieder einer unter vielen zu sein anstatt ständig beobachtet zu werden und als ich schließlich im Green Kiwi Hostel ankam – nachdem ich noch ein paar Dänen am Flughafen aufgelesen hatte, die eine Unterkunft benötigten – vollführte ich einen kleinen Freudentanz in Shorts in meinem Dorm. Ich hatte das Gefühl, dass meine Beine so leicht wie nie waren (nein, meine langen Hosen hatten auch keine Bleieinlagen) und hüpfte zur Belustigung von Darcie, die ich in Ubud kennengelernt und hier wieder getroffen hatte, auf und ab. Sie war schon zwei Tage länger als ich in Singapur und hatte sich bei der Ankunft genauso gefühlt. Zusammen gingen wir etwas essen und ich sah zum ersten Mal die Gardens by the Bay in ihrer vollen Pracht bei Nacht.
Die großen Blüten haben etwas absolut Surreales und erinnerten mich stark an James Camerons “Avatar”. Die phänomenale Lichtshow, bei der sie zu tollen Broadway-Klassikern in allen erdenklichen Farben glitzern und schimmern, sollte ich erst am nächsten Abend mit Darcie erleben. Dafür gaben wir uns direkt die Licht- und Wassershow vor der großen Mall und dem Panorama der Marina Bay, die zwar ungemein kitschig, aber auch beeindruckend die Höhepunkte eines Lebens von der Entstehung bis ins hohe Alter zeigt. Warum diese ganzen Lichtspektakel jeden Abend? Weil man in Singapur kann, so einfach.
Marina Bay – spontane Tanzgesellschaft.
Lecker Tee-Macarons.
Wieder einmal konnte ich den Berichten vieler Reisender, die behaupteten, Singapur sei langweilig und keine drei Tage wert, nicht im Geringsten zustimmen. Ja, Singapur als Asien für Einsteiger zu bezeichnen ist treffend, denn hier ist es sauberer als in jeder europäischen Metropole, die Bürgersteige sind existent und sogar ebenmäßig, da man hier scheinbar über so Dinge wie Wasserwaagen verfügt. Die Menschen sind westlich orientiert und die Frauen ungemein stylisch gekleidet und natürlich besteht Singapur aus riesigen Hochglanz-Wolkenkratzern. Es behauptet ja aber auch keiner, dass New York langweilig wäre aus selbigen Gründen und so kann ich nur schwer verstehen, wie jemanden das Panorama an der Marina Bay, der Anblick des Marina Bay Sands – ein luxuriöses Hotel mit Infinitypool – oder des botanischen Gartens kalt lassen kann. So viel zu meinem Plädoyer für den Stadtstaat Singapur, in dem ich mir definitiv vorstellen könnte, eine Weile zu leben.
Little India in voller Pracht.
Mein erstes Henna-Tattoo.
Mit Darcie plante ich nun also einen ganzen Sightseeing-Tag, der einem Food-Porn glich. Nachdem wir schon im Hostel ordentlich beim – für asiatische Verhältnisse grandiosen – Frühstück samt frischen Früchten, echtem Maschinen-Kaffee und dem leckeren Kokos-Aufstrich Kaya, reingehauen hatten, spazierten wir im Anschluss 15 Minuten zu Fuß nach Little India. Die Gegend entwickelte sich zu meinem absoluten Lieblingsviertel, welches ich nun jeden Tag besuchte. Da es Samstag war, waren die indischen Tempel bestens besucht und auch wir wuschen uns die Füße und entledigten uns unserer Schuhe um mal in einen hineinzuspähen. Die Vielfalt an Farben, glänzenden Stoffen und glitzerndem Goldschmuck der Frauen erschlug mich regelrecht – im absolut begeisterten Sinne. Danach ging es vorbei an einigen Goldschmieden, bei denen ich schwören könnte, sirenenhaft lockende Gesänge gehört zu haben, ins Tekka-Center, einen großen Food-Court den ich noch viele Male besuchen sollte. Nachdem wir bald 30 Minuten nichts zu beißen hatten war der Hunger bereits riesig und so gönnten wir uns Chicken Dosa, also gefüllte Pfannkuchen und im Anschluss Chicken Masala mit Naan. Für mich gab’s on top noch einen Milcheis-Tee und einen Milo Dinosaur (ein riesiger Kakao mit Pulverberg und bunten Streuseln) und im Anschluss hätten wir uns sicherlich übergeben müssen, wären wir nicht abgelenkt wurden von den zauberhaften indischen Kleidern die im oberen Stockwerk warteten. Darcie kaufte sich eine Tunika und ich legte acht Singpore Dollar, also vielleicht 6 Euro, für eine Bluse hin, auch wenn ich natürlich lieber ein ganzes Kleid gehabt hätte – für den Kleiderschrank und Fasching dann eben. Danach machten wir uns zu Fuß auf nach Clarke Quay, einer kleinen Ansammlung bunter Häuser die irgendwie recht unspektakulär waren und es vermutlich ausschließlich wegen des farbenfrohen Anstriches zu einer Touristenattraktion gebracht hatten.
Da wir schon fast zwei Stunden gedarbt hatten, wurde es Zeit unsere leeren Mägen zu füllen und so wartete in China Town ein leckerer Black Rice Pudding auf uns. Das Viertel selbst ist zu 100 Prozent touristisch und extrem unauthentisch, selbst die Räder an den „Street Food“-Ständen waren fake und einfach über dem Erdboden angeschraubt. Wer einmal in seinem Leben ein anderes China Town besichtigt hat, fühlt sich hier direkt wie in einem Theme-Park.
Zum Abend gönnten wir es uns dann nach der Gardens by the Bay Lichtshow so richtig und zahlten 20 Singapore Dollar, um auf das Dach des Marina Bay Sands Hotels zum kommen. Nach einem kurzen Blick auf den berühmten Infinity Pool, der leider nur für Hotelgäste zugänglich ist (das günstigste Zimmer kostet über 300 Euro), aßen wir ein sündhaftes Dessert der Superlative an der Bar und unterhielten den neugierigen Barmann eher unfreiwillig mit pikanten Anekdoten. Ein gelungener Abschied!
Nach Darcies Aufbruch gen Kuala Lumpur, wo sie sich mit einem Freund verabredet hatte, war ich ernsthaft traurig, weil ich die kurze Zeit mir ihr so schön fand und den unverklemmten Girl Talk, wie ich ihn sonst nur mit Freunden zuhause habe, wirklich vermisst hatte. Dank einem weiteren Nickerchen sah die Welt zwei Stunden nach der Verabschiedung aber schon ganz anders aus. Um 13 Uhr war ich mit Azhar in Little India verabredet. Wie das Glück es wollte, zog die Arbeit ihn an diesem Wochenende auch nach Singapur, da er die Beleuchtung für ein Gebäude designen soll, und so hatten wir uns schon in Jakarta auf das baldige Wiedersehen gefreut. Am Abend zuvor waren wir uns bereits zufällig in der Stadt begegnet - so klein ist Asien! Zusammen mit seinem schnuffigen Kollegen schnackten und schlemmten wir im Tekka Center über eine Stunde, bevor die beiden leider wieder arbeiten mussten – und das an einem Sonntag! Der Abschied fiel mir sehr schwer, da es ja das vermutlich letzte Treffen war und auch Azhar wirkte traurig und erinnerte mich mehrfach daran, immer brav auf mich aufzupassen. Ich hoffe inständig, dass er sich für ein Studium in Wismar und nicht in New York entscheidet – sorry, ein bisschen Egoismus wird ja wohl mal erlaubt sein ;)
Den Rest des Tages vertrieb ich mir auf der Orchard Street, der großen Einkaufsmeile Singapurs und hier war es an mir, den hübschen, stilvollen Frauen nachzuschauen. Ein Glück bekommen nur Männer die Prügelstrafe bei der kleinsten sexuellen Belästigung. Nach einem kleinen Fauxpas an der U-Bahn, auf den eigentlich 5.000 Singapur Dollar Strafe stehen – ich habe einen Donut gegessen – ging es zurück in meine Hood nach Little India.
Auch der nächste Tag startete, nachdem ich ewig geschlafen und mich lange mit meinen beiden Zimmergenossinnen Vicky und Kyra verquatscht hatte, recht spät. Die beiden sind 17 und 18 und bei dem Gedanken, wie ich in diesem Alter durch Asien gereist wäre und was erst meine Eltern dazu gesagt hätten, entfährt mir jedes Mal ein hysterisches Lachen. Den Rest des Tages verbrachte ich im botanischen Garten Singapurs — dass meine Pläne, am gleichen Tag die Arab Street und ihre Seitengassen (ein absolutes Hipster-Vintage-Viertel) nochmals bei Tageslicht zu sehen absolut unrealistisch waren, hätte mir eigentlich bei allen sechs Silben dieser Gartenanlage klingeln müssen. Ich und Parks und Blumen = eine Fotosession bei der jeder Japaner erbleicht und die jedes Mal zur Bestückung von Gartenkalendern für die nächsten zwei Jahrzehnte taugen würde. Mein Studentenausweis (Knutschi an die Person der hier Dank gebührt) brachte mich für einen läppischen Dollar in den Orchideen-Garten, das Herzstück des botanischen Singapurs und Grund für die Nominierung zum Weltkulturerbe. Hier sah ich einige der seltensten Orchideen der Welt und zahlreiche hier gezüchtete Hybride, die seit Jahrzehnten auf dem gesamten Globus vertrieben werden. Nicht zu vergessen auch die VIP Abteilung, in der allen möglichen Staatsoberhäuptern und Stars ihre eigenen Orchideen gewidmet wurden. Bei William und Kate sah es leider ein wenig mau aus.
Auch hier wurde an jeder Ecke der Bund fürs Leben im Fotoeinband manifestiert.
Bewohner des botanischen Gartens erspäht.
Abends plante ich dann meine Abreise aus Singapur für den 5. Oktober, auch wenn ich noch einige Zeit länger hätte verweilen können. Zum Abschied besuchte ich mit Kyra am Dienstag die zu großen Teilen künstliche Insel Sentosa und ruhte einen Tag am Strand. Mal wieder konnte ich die schlechten Bewertungen nicht verstehen. Die Insel war vollgestopft mit den riesigen Universal Studios, Funparks, einem Wasserpark und gigantischen, überteuerten Restaurants; der Strand, angeschafft aus Indonesien und Malaysia, wurde tatsächlich von einer Art Traktor gesäubert und geglättet. Ich vermute, dass selbst viele der Palmen angepflanzt wurden, doch genau diese übertriebene Reinheit und befremdliche Künstlichkeit die wir so nicht kennen, hat ihren ganz eigenen Charme. Denn genau das ist eben Singapur, eine Stadt, in der 1923 noch das Fullerton Hotel an der Marina Bay das höchste Gebäude darstellte und die heute nur so vor Übermaß strotzt. "Künstlich muss ja nicht immer schlecht sein", stellte Kyra da schon ganz richtig fest – beschwert sich ja auch keiner in Strandbars an der Spree drüber. Im Anschluss an meinen Aufenthalt am südlichsten Punkt Kontinental-Asiens besuchte ich ein letztes Mal die leuchtenden Straßen Little Indias. Heim für eine Woche, ich vermisse dich schon jetzt.
Selfie mit den Locals.
Blick auf den südlichsten Punkt Kontinental-Asiens.
Indonesien, es war schön mit dir. Ich habe mich vor der Reise am wenigsten mit dir beschäftigt, habe wohl einen dicken und, so weit ich das nach 20 Seiten beurteilen kann, gut geschriebenen Reiseroman namens „Indonesien und so weiter“ im Regal zu stehen, mich aber intensiver für Vietnam und Thailand interessiert. Ersteres Land stand für mich schnell im Mittelpunkt, nun könnte ich getrost noch länger deine Inseln erkunden. Doch früher oder später muss der Abschied kommen, eher früher, denn später heißt Bußgeld für die Überziehung des 30-tägigen Visa-On-Arrival zu zahlen. Nachdem ich aufgrund deiner Größe zunächst von Stadt zu Stadt, Tempel zu Tempel und schließlich Insel zu Insel eilte, habe ich mich letztlich entschlossen Sumatra ganz zu skippen und lieber länger in Jakarta zu verweilen, denn mein Sitzfleisch neigte ich nach all den Boots-, Bus- und Luftfahrten langsam dem Ende zu.
Nah am Paradies
Auf Gili Air war mein Aufenthalt eher unfreiwillig so kurz: Mit dem Captain Coconuts habe ich wohl das schönste und komfortabelste Hostel Indonesiens gefunden. Besser hätte mein Start in Dorms nicht ausfallen können, die Betten hingen freischwingend an großen Bambusbalken, vor Moskitos und allzu neugierigen Blicken war man von semi-durchsichtigen, weißen Vorhängen geschützt, jedes Bett hatte seinen eigenen Ventilator und die verschieden gemusterten Steppdecken waren ein bunter Traum. Dazu konnte ich mein gesamtes Backpack in ein Schließfach packen und weil hier endlich mal mitgedacht wurde, hatte jeder in seinem Fach auch eine eigene Steckdose. Genauso wie der Dorm waren auch Duschen und Toiletten im Erdgeschoss halb im Freien und nicht nur sauber und modern, sondern auch mit Seife, Toilettenpapier, Kosmetiktüchern und Haken in den Duschkabinen ausgestattet. Ein Blick in die Einzelbungalows bewies: Die Besitzerin hat wirklich Geschmack. Der Pool war klein aber so schön, dass es mir die Tränen in die Augen trieb beim Blick auf meine verschorften Knie und zum Frühstück gab es die geilsten Pancakes – vegan and organic food stand hier auf dem Tagesplan.
Das Besitzerpaar kommt aus Australien und konnte das Land hier erwerben, weil er gebürtiger Indonesier ist, ansonsten können ausländische Privatpersonen nämlich nur Mietverträge auf hundert Jahre schließen und kein Land kaufen. Zwei Übernachtungen hatte ich hier, wie es mir zur Gewohnheit geworden ist, im Voraus gebucht und gleich am nächsten Morgen fragte ich nach einer dritten – leider war in diesem Paradies natürlich schon alles ausgebucht. Ein wenig geknickt ob dieser Nachricht ging es dann mit meinem zitrusgelben Beachcruiser auf Erkundungstour um die Insel und irgendwann im Schatten eines Baumes an den Strand. Das Meer war so wunderbar ruhig dass es richtig schmerzte nicht schwimmen zu gehen, da das Wasser fast einem See glich und mich sonst ja immer die Wellen nerven. Ins Wasser setzen mit den Knien draußen war dennoch drin, aber da wurde ich gleich zum Opfer zahlreicher winziger und fast durchsichtiger Babykrebse die mich in Po und Rücken zwickten und so genehmigte ich mir lieber einen Milchshake mit frischen Bananen und einem leckeren Curry am nächsten Warung für ungefähr 3,70 Euro. Warten musste ich auf jede Bestellung gut 30 Minuten aber ich ließ mich von Titeln wie „No Woman No Cry“ und anderem Reggae-Getüdel auf Dauerschleife einlullen und zum ersten Mal mochte ich dieses immer so gezwungen entspannte Genre ernsthaft. Zum Abend hatte ich mich mit Delphine aus Bordeaux zum Essen verabredet, es sollte einen fetten Pancake-Stack aus einem Café in der Nähe des Hafens geben von dem mir Darcie in Ubud Food-Porn-artige Bilder gezeigt hatte. Leider machte der Laden um 18 Uhr dicht – und das, wo es doch mein letzter Tag dort war.
Mehr Malle geht immer.
So ging es am nächsten Nachmittag um 15 Uhr nach Gili T mit dem Public Boat, zuvor hatte ich mir nicht nur ein nettes Urlaubssouvenir gegönnt – natürlich die typischen Armbänder, die es da an jeder Ecke gibt, meines ist aber das Schönste und ganz außergewöhnlich will ich da mal gesagt haben – sondern auch noch einen leckeren Zucchini-Puffer im Captain Coconuts geschlemmt. Das Public Boat sah nicht ganz so zuverlässig wie die Speedboote meiner letzten Reiseagentur aus, aber mein Host hatte mir erklärt wie sicher sie seien und so verdrängte ich den Gedanken an die drei Stunden vor meiner Reise nach Gili Air gesunkene Gili Cat einfach mal. Mit jeder Menge Salzwasser auf den Brillengläsern und einem gut gelauntem Grinsen kam ich nach 30 Minuten auf Gili T an und musste sagen: Habe ich mir schlimmer vorgestellt nach all den Ballermann-Warnungen. Klar, Gili Air ist schöner und Gili T müsste ich nun kein zweites Mal besuchen, aber zumindest tagsüber in der Off-Season kann man das schon mal machen.
Am Hostel Beach Camp angekommen, dass ich wegen des günstigen Preises und des angeblich phänomenalen Frühstücksbuffets gewählt hatte, durfte ich dann geschlagene 40 Minuten mit dem Typ an der Rezeption diskutieren. Ich hatte einen Single-Room mit geteiltem Bad gebucht. Das stand auf seiner Booking.com-Bestätigung, das stand auf meiner Booking.com-Buchungsbestätigung. Nur in der hosteleigenen Excel-Tabelle stand das nicht. Nach dieser sollte ich nun für 200.000 Rupiah, also den Einzelzimmerpreis, in ein Dreibett-Zimmer gesteckt werden. Mit dem geteilten Zimmer hatte ich an und für sich nicht das Problem, damit den unverschämt teuren Preis eines Einzelzimmers dafür zu bezahlen aber schon. Also gingen die Diskussionen los, der Rezeptionist wies mich immer wieder auf den „shared Bathroom“ hin, ich ihn auf den gebuchten „single BEDroom“. Als ich ihn so weit hatte, aus Kulanz auf 150.000 Rupiah pro Nacht herunter zu gehen und das MIT Frühstück und ihm auch eine Zeichnung mit Strichmännchen und traurigen und fröhlichen Smileys angefertigt hatte und er mir gerade die Rechnung schreiben wollte, kam der nächste Kollege um die Ecke und die Diskussionen gingen weiter. Der Dritte wollte mich schließlich zwingen, selbst über Booking.com zu stornieren, was dann aber für mich mit Gebühren verbunden gewesen wäre, ist ja aber nicht sein Problem. Nachdem ich beinahe allen an die Gurgel gegangen wäre, es aber hin und wieder doch mit einem verbissenen Lachen versuchte, willigte ich ein dann eben 175.000 Rupiah zu zahlen und verfluchte den unkulanten Haufen.
Als ich abends durch die Straßen lief, wunderte ich mich, wo denn nun die laute Musik und die besoffenen Jugendlichen seien, auf dem Rückweg begegnete ich ihnen dann in einer Bierpong-Bar. An und für sich war gegen 21 Uhr aber weniger Trubel als am Boxi und ich hätte ein bisschen Eskalation hier und da ganz spannend gefunden, bekam aber nur Musik aus der Hölle um die Ohren gehauen. Auch Gili T wurde von mir am nächsten Tag umrundet und zurück am Hotel dann der Höhepunkt: Endlich schwamm ich mal ein bisschen im Meer, denn seit der im Captain Coconuts verschriebenen, frischen Aloe Vera sahen meine Wunden 1a aus! Abends genehmigte ich mir nach dem Sonnenuntergang auf dem Nachtmarkt dann zwei unglaublich leckere Spieße mit Red Snapper und Hähnchen, dazu gab es Reis und leckeres Gemüse. Nach Geschmatze und ständigem „ist das lecker“-Gemurmel bekam ich dann aber leider später die Quittung und verbrachte die Nacht zwischen Gemeinschaftsraum und Gemeinschaftsklo. War’s irgendwie dennoch wert. So richtig erholt hat sich mein Magen knapp sechs Tage nicht und so blieb ich fortan lieber brav bei Nasi Goreng anstatt Neues auszuprobieren – was mein kulinarisches Herz auf eine harte Probe stellte.
Ein Tag in Yogyakarta, oder: Der Beginn einer Reisedepression
Mit Perama-Tours hatte ich dann am 19. September für 350.000 Rupiah mein Shuttleboot plus Bus zum Flughafen Denpasar auf Bali gebucht. Noch immer etwas paranoid vom Untergang der Gili Cat habe ich gerne ein bisschen mehr Geld drauf gelegt, denn Perama Tours ist super bekannt und wäre ja doof für die, wenn da ein Boot mit Touris untergeht. Um kurz vor 12 ging’s los, mir hatte man versehentlich mit 11.30 Uhr die richtige Uhrzeit gesagt, die anderen
wartenden Touris ließen sich schon seit 10.30 Uhr von den fliegenden Händlern betratschen doch vielleicht ganz innovative Cola-Dosen-Lautsprecher oder Aufziehautos zu kaufen. Das Boot war natürlich viel langsamer als angekündigt und auch der Bus sollte nicht in zwei Stunden sondern eher so vier Stunden am Flughafen Denpasar sein. Zum Glück war eine pedantische Londonerin zur Stelle, die nicht nur eine gesamte Flughafentruppe zusammenstellte die „STRAIGHT TO THE AIRPORT“ fahren sollte, sondern auch noch einen Fahrer und Bus organisierte, weil das Unternehmen wenig Lust auf Stress mit der Guten hatte. So musste ich, außer fassungslos den Kopf zu schütteln und hin und wieder ein schockiertes „I can’t believe that“ zu murmeln, rein gar nichts tun und war schließlich fast vier Stunden vor meinem Abflug entspannt am Airport. Da gab es zur Belohnung dafür, den gesamten Tag mit fiesem Bauchweh durchgestanden zu haben, eine sündhaft teure Pizze von Pizzahut und den luxuriösesten Kurzstreckenflug aller Zeiten mit Garuda Indonesia – glücklicherweise zum schmalen Taler von 45 Euro. Angekommen im Hostel in Yogyakarta freute ich mich über die großen Schließfächer, unglaublich nettes Personal und Vorhänge an den Betten (mein Hostel-Must-Have) und ging schlafen.
In aller Frische wollte ich am nächsten Morgen die bekannte Malioboro Street erkunden und hatte mir, weil ich ja hier in einer Großstadt war, auch weiterhin nichts bei ärmellos und meinen recht züchtigen, längeren Shorts gedacht. Die Straße selbst war sauhässlich: Die Häuser waren nicht so klein und süß wie in Kuta (und hier war das Straßenbild ja nun auch nicht pittoresk), es handelte sich aber auch nicht um riesige Hochglanz-Malls, wie sie mich später in Jarkarta anschimmerten, stattdessen reihte sich ein charmeloses, großes Haus mit Batik-Ramsch und anderem Souvenir-Müll an das nächste. Bleibt zu erwähnen, dass ich eine hohe Summe, die ich nicht nennen möchte, für ein Batik-Gemälde einer indonesischen Kunstakademie-Schülerin rausgehauen habe, die vielleicht doch gar nicht so viele Ausstellungen und einen so interessanten Werdegang hatte, wie mir der angebliche Professor erzählte. Vielleicht gab es auch keine Uni die Student-Exchanges mit München organisiert und vielleicht war die Galerie auch am nächsten Tag noch da und zog gar nicht nach Sumatra zur neuen Ausstellung weiter. Wer weiß. Immerhin habe ich echtes Batik erworben und von allen 99.000 Bildern, die ich danach noch sah, blieb meines doch zumindest das Schönste. Das ist doch schon mal was. Das ist doch was.
Andere Touristen gab es auf dieser Straße zumindest keine, vielleicht lag das an der Off-Season, vielleicht daran, dass die schönere Ecken von Yogya kannten. Dafür wurde ich nur angegafft und begann mich richtig unwohl zu fühlen, die Frauen hier hatten dreimal so viel an wie auf Bali, schließlich ist Java auch muslimisch geprägt. Nachdem ich bereits in Erwägung zog nach einer Burka in den Läden zu suchen um nicht mehr ständig so blöde angegafft zu werden – die Laune war schon lange auf dem Tiefpunkt – hätte ich das nette deutsche Pärchen um die 60, welches mir nach einer Stunde ohne einen anderen erkennbaren Touri weit und breit begegnete, am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Sie erzählten mir von ihren unzähligen Reisen lauter spannende Geschichten und so standen wir bestimmt eine Stunde vor dem Sultans Palace bevor der Österreicher Erik unseren Weg kreuzte und uns nach dem Eingang fragte. Das Pärchen zog weiter, sie hatten in zwei Tagen eine Führung hier, und ich traf Erik drinnen wieder. Der Palast selbst war auch langweilig und wenig schön, aber immerhin hatte ich mit Erik eine nette Begleitung. Im Anschluss suchten wir ohne Witz über zwei Stunden erfolglos nach dem Wasserpalast durch den der Sultan jeden Morgen spaziert, weil der einfach völlig eingekesselt von Wohnhäusern nahezu unauffindbar war.
Nach einem Abstecher in ein kleines Haus, in dem Erik ein wenig Batik erstand und im Sarongbinden unterrichtet wurde, kamen wir letztlich außerhalb der Öffnungszeiten am Wasserpalast an. Ein netter alter Mann mimte uns aber den Guide und erzählte, dass schon sein Vater dem Sultan gedient hatte und es immer noch täte – dabei sah der gute Mann selbst aus, als hätte er die Erfindung des Rades miterlebt – und dass in diesem Areal um den Palast ausschließlich Diener des Sultans leben würden. Nach einem Spaziergang durch das Häuserlabyrinth konnten wir dann von oben auf den leeren Wasserpalast schauen.
Zum Abschluss des Tages wartete dann das erste Bintang Bier meiner Reise auf mich.
Am nächsten Tag hatte ich meine Sunrise-Tour zum Borobudur, einer der größten buddhistischen Tempelanlagen ganz Südostasiens, zusammen mit Erik gebucht. Um drei Uhr morgens wartete der Bus auf mich und kam zehn Minuten zu früh an. Vermutlich bin ich der erste Tourist in der Geschichte Indonesiens, der zu früh anstatt gut 30 bis 90 Minuten zu spät abgeholt wird. Mit der Zahnbürste im Mund rief ich dass ich gleich käme, der Busfahrer entschied sich aber lieber zuerst andere Hotelgäste abzuholen. Der Borobudur war die horrenden Kosten eindeutig wert und im Sonnenaufgang wirklich magisch, die anderen Touristen störten mich dabei wider Erwarten gar nicht groß, waren sie doch alle recht schweigsam.
Nach einem kleinen Frühstück musste Erik sich verabschieden, da abends sein Flug nach Wien zurück ging, meine Bustour führte mich noch zum Prambanan, der größten hinduistischen Tempelanlage Indonesiens.
Dank unseres Aufbruches mitten in der Nacht, kam ich schon mittags wieder im Hostel an und vergrub mich erstmal in meinem Bettchen. Wieder in die hässliche Malborio Street rauszugehen reizte mich wenig und auch so fiel ich in ein richtiges Tief. Mir geisterte ständig durch den Kopf wie Erik, der fast nur mit Frauen gereist war, meinte, dass es für seine Begleitungen oft einiges leichter gemacht habe ihn als Mann dabei zu haben. Nach einem furchtbaren Vormittag in Yogyakarta alleine und einem schönen Nachmittag gemeinsam mit ihm konnte ich das nur unterschreiben und es wurmte mich sehr. Ich bin es nicht gewohnt, Abhängigkeit von einem Mann zu spüren zu bekommen, musste aber feststellen, dass ich alleine sehr viel respektloser behandelt wurde und mit ihm zusammen fast gar nicht mehr angesprochen wurde. Freunde hatten mir vorher erzählt, wie oft Leute hier mit einem Fotos machen wollen oder von der weißen Haut fasziniert seien, für mich persönlich war es aber sehr viel belastender, als ich es mir vorgestellt habe. Männergruppen habe ich nie gemeinsame Fotos erlaubt, Familien und Schulmädchen schon, fand es deswegen aber nicht weniger befremdlich von ihnen wie ein Alien oder ein Tier im Zoo behandelt zu werden.
Frontrow am Bromo
Ziemlich überstürzt buchte ich spät abends dann eine Tour zum Bromo, eigentlich recht lustlos, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen eine Nacht länger in Yogyakarta zu versauern, auch wenn das Hostel schön und sauber war. Leider erzählte man mir an der Rezeption nicht, dass ich 12 Stunden mit dem Bus fahren würde bis ich in der Nacht in einem Dorf am Vulkan ankäme, und so offenbarte sich dieser Fakt genauso überraschend am nächsten Morgen, wie die Ansage, ich würde erst um 5 Uhr morgens des übernächsten Tages wieder in Yogyakarta ankommen – dabei hatte ich für Freitag um 8 Uhr doch schon einen Zug nach Jakarta gebucht. Mit einer „ist mir alles egal“-Haltung lies ich das mal so stehen, da der Busfahrer wie der verdammte Teufel fuhr und selbst Indonesier, die ja einiges gewohnt sind und nach meiner Erfahrung sonst keinerlei Entrüstung im Straßenverkehr zeigen, dem Fahrer so was wie den Finger zeigten, war ja eh nicht klar, ob ich es überhaupt lebend zum Bromo schaffen würde. Dafür entpuppte sich die Reisegruppe als bunter Trupp aus Argentiniern, die den Bus mit spanischem Geschnatter und in gebrochenem Englisch bestens unterhielten. Als einzige Alleinreisende teilten der Chilene David und ich ein Zimmer in dem wir nach zwei Pannen – die AC hatte schon nach 30 Minuten Fahrt den Geist aufgegeben und musste repariert werden, mitten in der Nacht überhitzte dann der Bus auf halber Höhe zum Vulkan noch, sodass wieder eine Stunde ins Land strich – ganze drei Stunden zum Schlafen hatten bevor uns der Jeep noch vor dem Morgengrauen wieder abholte.
Am Bromo-Viewpoint angekommen schaffte ich es, mich in die absolute Front Row, noch eine Absperrung vor dem eigentlichen, offiziellen Geländer, zu sneaken und so hörte ich Kurt Viles „Feel My Pain“ auf Repeat und blendete alle anderen Menschen aus, bis die Sonne sich vollends auf dem Bromo brach. Ich hatte gedacht, dass der Moment nicht sonderlich magisch werden könne, schließlich hatte ich ihn mit etlichen anderen Touristen zu teilen, doch es waren weitaus weniger als erwartet und fast alle waren in stiller Erfurcht erstarrt. Endlich wieder einer dieser Momente, in denen das Glück mich umwaberte, wie der dichte Nebel den Grund des Bromo.
Durchgefroren und mit 20 Minuten Verspätung stapfte ich zum Jeep zurück und ratternd ging es zum Bromo selbst, der von einer graugelben Aschewüste umgeben war, die durch die bereits pralle Sonne und die sich verflüchtigenden Nebelschwaden noch unwirklicher erschien. Ein Pferd nahm ich nicht, der wirklich beschwerliche Teil waren ohnehin die Stufen und der Abgrund, an dem sich meine Höhenangst leise meldete. Das unterschwellige Grummeln an dieser Schlucht wirkte dadurch, dass man ja keine Lava sehen konnte, fast so unecht wie aus Lautsprechern für mich. Der klapprigste Bus mit dem ich bisher das Vergnügen hatte brachte uns alle schließlich wieder ins Tal und so musste ich mich von unserer Truppe verabschieden, denn so pfiffig wieder zehn Stunden nach Yogyakarta zurückfahren zu wollen war sonst keiner. David drückte mir noch mit einem charmanten Lächeln seine Visitenkarte in die Hand und murmelte ein paar Brocken Englisch – für Insider, sein Englisch ist noch schlimmer als Alvaros Deutsch, was er zumindest mit doppelter Sweetness wettmachte – bevor auch ich endlich in meinen Bus steigen konnte und mit einer anstrengenden, bummeligen Kettenraucherin aus Belgien zurück düste.
Jakarta: Hello Again – Heimatgefühle in der bekanntesten Mall Indonesiens
Mit dem Zug fuhr ich von Yogyakarta gut sieben Stunden nach Jakarta und wurde dabei von meiner indonesischen Sitznachbarin durchgefüttert, die nicht nur Bonbons, sondern auch kleine frittierte Köstlichkeiten mit Bohnenfüllung auspackte, die sie in Yogya erstanden hatte. Mit fünf weiteren Familienmitgliedern importierte sie scheinbar einige Kartons mit Schnaps in Javas Hautstadt, ganz sicher war ich mir da allerdings nicht. Die an mir vorbei sausende Landschaft war wie erwartet beeindruckend und in den Dörfern standen oft Kinder und Familien und sahen den Zug mit großen Augen an – auf dem Land war es einfach so langweilig, dass vorbeifahrende Züge anzustarren so spannend wie Fernsehen sei, so Azhars Erklärung dazu später. An meinem ersten Abend ging ich gleich mit meinen Dormnachbarn Göran aus Norwegen und einem Australier namens Abraham, der in Indonesien sehnsüchtig nach der großen Liebe über Tinder suchte, etwas Streetfood essen. Für meinen geschädigten Magen gab es mal wieder nur Nasi Goreng. Abraham hatte eine Verabredung über Couchsufing mit einem Indonesier und der erzählte so einige pikante Details über die angeblich Unzucht der muslimischen Großstadtfrauen und Clubs, in denen es Pussy-Shots zu schleckern gab.
Am 25. September wollte ich den car free sunday nutzen um unbehelligt über die Highways zu spazieren, leider fuhren dort schon wieder Autos und so landete ich für den Rest des Tages in der Grand Indonesia Mall. Nachdem mir das dämliche Gegaffe der Kerle auf den Straßen so sehr auf die Nerven ging, dass es mir langsam jegliche gute Laune versaute, erstand ich eine weitere lange Hose und eine langärmelige Bluse zu normalen Preisen wie ich sie auch zuhause zahlen würde, mir war es aber einfach zu blöd ewig und unter ständiger Belästigung auf einem billigen Markt nach etwas zu suchen. Als ich einen Mac-Store, YSL-Reklamen und eine Pâtisserie passierte und schließlich im H&M landete trieb es mir ohne Spaß die Tränen in die Augen. Die schwedische Kette sieht wirklich überall auf der Welt absolut gleich aus und ich fühlte mich so richtig schön zuhause. Endlich ein paar Frauen, die nicht von Kopf bis Fuß bedeckt sind und Männer, die lieber die Produkte und ihre eigenen Frauen beäugen, als Fremde. Wer die winzig kleinen Bodys und Crop-Tops in den Läden kauft ist mir wohl immer noch ein Rätsel, vermutlich tun dies aber nur die Upper-Class-Girls, die sich nicht auf den Straßen rumtreiben müssen, beschloss ich mit Azhar später. Er selbst hat jedenfalls noch nie solche Kleidung im Alltag gesehen, auch wenn sie überall verkauft wird. Nach meiner Flucht in den Western-Lifestyle ging es am Montag, dem 26. Januar dann mit Azhar auf große Sightseeing-Tour und ich bin dem Zufall und den streitlustigen Affen in Ubud unglaublich dankbar, dass ich ihn mit Pepito auf Bali kennengelernt habe.
Er holte mich aus dem Hostel ab, gab mir eine Karte für den Transitbus (strange fact: vorne im Bus dürfen nur Frauen sitzen und es gibt auch reine Lady-Busse, weil die Frauen sich so oft belästigt fühlen) und führte mich nicht nur durch das alte dänische Viertel, sondern zeigte mir auch unglaublich viele typische Leckereien. Ich probierte neue Früchte mit ihm, trank meinen ersten Kokosshake in Chinatown und entdeckte mein indonesisches Lieblingsessen, Nasi Rendang, ein über Nacht köchelnder, dunkler Fleischeintopf mit Reis. In Chinatown schrien wir beide betroffen wieder um die Wette als wir blutige Skelette von Schildkröten in einer Seitengasse fanden – wahrscheinlich wollten hier mal wieder einige Asiaten ihre Potenz steigern – und nachdem Azhar mich in die große Moschee Jakartas führte, brachte ich ihn das erste Mal in seinem Leben in eine Kathedrale. Kurzum, Azhar machte meinen Aufenthalt in Jakarta zu einer wunderbaren Zeit und so blieb ich länger als erwartet und fing an, die Stadt sehr zu mögen. Die nächsten Abende trafen wir uns auch zum Essen, besuchten das Moumen Nasional zusammen und tagsüber faulenzte ich nach Wochen des rastlosen Non-Stop-Reisens im Hostel und schaute ein paar Folgen „Vinyl“.
Mit Azhar auf einen kleinen Snack in einem guten Padang Restaurant (Sumatra)
Absoluter Favorit – wie ein dicker Pfannkuchen, nur besser <3
Mein Besuch im Taman Mini Themepark war weniger spannend als erwartet, was aber vor allem daran lag, dass dieser Park über die Kultur Indonesiens nicht sonderlich gut besucht war und mich an jeder Ecke ein Motorbike-Guide übers Ohr hauen wollte (ja, ja, der offizielle Shuttlebus macht immer von 12 bis 14 Uhr Lunch-Pause). Die Gebäude und Behausungen all der unterschiedlichen Kulturen und Stämme zu sehen war trotzdem interessant und im Sulawesi-Teil wurden mir einige obskure Bestattungspraktiken erläutert. Im Bali-Pavillion bekam ich echtes Bali-Heimweh, die Haustempel und Bauweisen der Häuser sind einfach das Schönste, was ich bisher gesehen habe und erinnerten mich an Ojeks Homestay, in dem ich mich so wohl gefühlt hatte.
Unterhaltungskomitee erster Klasse in Taman Mini.
Trash-Charme im Komodo-Park, Taman Mini.
Im West-Java-Part lernte ich schließlich Teddy kennen, der mich im Park herumfuhr und auch nach Jakarta zurück mitnahm sodass ich kein Uber-Taxi bestellen musste. Er ist für die PR des Taman Mini zuständig, woran auch kein Zweifel mehr bestand nachdem wir in bereits geschlossene Tempel durften und er seinen Mitarbeiterausweis am Ausgang vorzeigte. Dennoch fühlte ich mich leicht unwohl und erfand eine Reisepartnerin die im Hostel auf mich wartete. Jenny war lieber shoppen gegangen und als Beweis zeigte ich Teddy ein Foto von ihren neu erstandenen Schuhen, welches Jenny mir tatsächlich mal geschickt hatte. Nachdem ich zehn Minuten von meinem phänomenalen Ehemann erzählt hatte kam raus, dass auch Teddy eine Frau hat und ein adoptiertes Kind, die wohl zuhause warteten. Warum er sich dann mit mir rumtrieb war mir nicht ganz schlüssig, obwohl Gastfreundschaft und sein Englisch zu trainieren natürlich schon Sinn machten. Nachdem wir noch in Jakarta etwas aßen und meine Zweifel etwas leiser wurden, machte er einen schrägen Kommentar à la „over there is a Hotel“. Da mir nicht viel dazu einfiel, außer darüber zu reden, wo doch überall in der Welt Ibis-Hotels seien, meldete sich Jenny bei mir, die doch gerne im Hostel mit mir den nächsten Tag planen wollte und so fuhr Teddy mich in die Nähe meiner Straße, ich nannte ihm natürlich die falsche.
Um ihn für den Fall verrückter Triebtäterschaft mit ein bisschen mit Zuckerbrot zu zähmen, fragte ich ihn direkt nach seiner Nummer, da wir uns „unbedingt morgen Abend zum Essen“ treffen müssten weil er ja so „funny“ sei – as if. Falls die Hotelgeschichte doch kein Hint auf ein Nümmerchen war, hier mein offizielles, ehrliches „Sorry“ für mein Mistrauen und dich, Teddy.
Azhar redete mir mein schlechtes Gewissen am nächsten gehörig aus und bestätigte mich darin, dass so eine Aussage wirklich sehr schräg wirke. Meinen letzten Abend in Jakarta verbrachte ich dann mit Göran, der zufällig an meiner Bank im Park vorbei spazierte und sich zu mir gesellte. Er war zu einer richtigen Konstante in Jakarta geworden, hatte die Tür zu seiner kleinen Kabine stets geöffnet und nachdem ich eine Ahnung von seinem vergangen Liebeskummer, Enttäuschungen und Höhen im Leben, sowie der Liebe zu seiner wunderschönen Tochter, von welcher er mit glänzenden Augen erzählte, bekam, hatte ich ihn ganz unbewusst richtig ins Herz geschlossen. Wie sehr, merkte ich auch anhand der sonstigen Creeps im Hostel. Ein Philippine, der nie das Haus verließ, nervte mich täglich und behauptete, wir seien Freunde, obwohl ich mich nur einmal zu ihm zum Frühstück gesetzt hatte und Freunde mir meistens ins Gesicht schauen und nicht mit Glubschaugen auf die Beine wenn sie mich mal einmal in kurzer Hose erwischen. Nach seinem Tipp, dass in Singapur nicht nur etliche Moskitos sondern auch Männer an mir knabbern wollen würden, habe ich mich für das Ende unserer kurzen Zwangs-FB-Freundschaft entschieden. Ohne meinen lieben norwegischen Nachbarn hätte ich mich auch sehr vor dem Prediger gefürchtet, der an meinem letzten Abend realisierte, dass wir im selben Stockwerk wohnen. Einen Abend zuvor hatte er mich und Azhar unter dem Vorwand, ich hätte doch schon mit ihm geredet und sei doch die Android-Programmiererin (I wish) in ein hitziges Gespräch über Religion verwickelt und mich mit Fragen bombardiert, die mehr als unangebracht, intim und frech waren. Nur halb im Spaß hatte ich schon so was wie das erste Gebet meines Lebens gestartet mit der Bitte, dass der Irre nun nicht dieses Hostel Ungläubiger in die Luft jagen möge. Es hat geholfen! Next Stop: Singapore!
In den Tagen seit meiner Anreise in Kuta ist viel passiert, vor allem unglaublich beeindruckende Dinge, bei denen ich einfach nur mit offenem Mund dastand und mich pures Glück durchströmte dass ich so etwas erleben darf – aber leider inzwischen auch ein paar weniger schöne Momente.
Ciao Kuta!
Von Kuta selbst war ich zunächst enttäuscht, irgendwie fragte ich mich, ob ich wohl einfach zu viel von Bali erwartet hatte. Es herrschte dort echt latentes Ballermann-Feeling, dennoch habe ich noch das Beste aus meinem letzten Tag heraus geholt. Nach einem langen Strandspaziergang, bei dem ich den 20. Surflehrer der mich – wohlgemerkt immer noch mit triefenden Knien vom Sturz - anquatschte mit den Worten „I HATE SURFING“ bedachte, war ich pünktlich um 17 Uhr an der Turtle Station am Kuta Beach und bekam eine kleine Babyschildkröte zugeteilt die ich mit dem kreativen Namen Turti betitelte. Die kleinen Tierchen werden dort aufgepäppelt weil sie vom Aussterben bedroht sind, denn Turtle-Powder ist als Potenzmittel und für etlichen anderen absurden Aberglauben wohl vor allem bei japanischen und chinesischen Touristen beliebt. In einem kleinen Schälchen trug ich Turti also mit den anderen zum Meer und entließ sie in die Fluten. Nach einem kleinen Schnack luden mich die Volontäre dort ein abends wiederzukommen weil dann die Mutterschildkröten mit großer Wahrscheinlichkeit kämen, leider war ich nach einem Abendmahl im bekannten Poppies Restaurant einfach zu kaputt dafür.
Auf nach Ubud
Mit dem Perama-Bus machte ich mich am neunten September dann ganz aufgeregt auf den Weg nach Ubud. Trotz des angestiegenen Tourismus seit „Eat Pray Love“ gilt der Ort immer noch als spirituelles Zentrum Balis und ich freute mich riesig die Sachen zu sehen auf die ich so gewartet hatte: Tempel, Tempel, Tempel. Natur und Äffchen. Ich übernachtete in Ojek’s Homestay und fühlte mich dort wirklich wohl. Mein erstes Zimmer hier – ein Einzelzimmer mit Bad, auf die Gesellschaft in einem Dorm hatte ich einfach keine Lust – war wirklich perfekt. Rosa Fliesen im Bad, morgens den Blick auf den hauseigenen Tempel, Ruhe und ein duftender, aus Handtüchern gewickelter Schwan auf dem Bett. Gleich eine Stunde später lernte ich Katharina kennen, die kurz nach mir hier ankam. Sie ist aus Hamburg und wir verabredeten uns gleich für den Legong-Tanz im Palast abends. Da ich noch ein wenig Trubel mit dem Check-In hatte schaffte ich es nicht mehr zum gemeinsamen Essen und wir trafen uns dann nach dem Tanz und gingen noch etwas trinken.
Für den nächsten Tag besuchten wir den Markt gemeinsam und ich fremdelte noch ein wenig – irgendwie wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ob ich die Dinge hier nicht lieber ganz alleine erlebe, denn dann sind sie meist am intensivsten. Den berühmten Monkey Forest besuchte ich im Anschluss solo und hatte reichlich Schiss vor den Äffchen da ich gleich am Einlass mit ansehen durfte, wie sie einer Frau dicke blonde Strähnen aus dem Kopf rissen. Das mit dem Kauf der Bananen ließ ich deshalb besser bleiben – man will die Viecher ja nicht noch auf sich aufmerksam machen. So schlich ich durch den Forest, welcher für mich schon nach echtem Dschungel aussah obwohl er ja eher eine Touri-Anlage ist, und machte die Biege vor jedem Äffchen das mich schief ansah. In einer kleinen gemeinsamen Panikattacke lernte ich Pepito und Azhar kennen, sie Ärztin, er Designer der nach tatsächlich Wismar will und beide aus indonesischen Großstädten. Zusammen quatschen wir ein wenig und vielleicht besuche ich Azhar noch auf Sumatra – mal sehen. Zufällig begegnete mir noch Darcie aus Kanada die auch bei Ojek’s schlief und so verbrachten wir den Nachmittag miteinander bis ich mich mit Katharina zu meiner allerersten Ganzkörpermassage traf. Ich bin anscheinenden kitzelig an Stellen von denen ich noch nichts wusste und musste mir anfangs echt das Lachen verkneifen weil ich meine Masseurin schließlich nicht beleidigen wollte. Auch neu für mich: Ein Po kann sehr verspannt sein, kein Spaß.
Downhill & Reisterassen
Für den 12. September hatten Katharina und ich eine Cycling Tour an den Tegagalang Reisterassen gebucht und die ist bis jetzt wirklich das schönste was ich erlebt habe. Um 8.00 Uhr morgens – mit den üblichen 30 Minuten Verspätung – wurden wir abgeholt und zunächst zu einer Kaffeeplantage gefahren. Dort erklärte man uns die Herstellung des berühmten Luwak Kaffees, dem wohl teuersten Kaffee der Welt. Die Bohnen werden erst im Magendarmtrakt der Luwakkatze fermentiert und dann anschließend aus dem Kot gesucht in den umliegenden Wäldern. Yummi! Dieses wunderbare Gebräu ließ ich mir natürlich nicht entgehen trotz des Extraaufpreises zu unserer Probierauswahl. Mein Fazit: schmeckt wie Kaffee.
Danach ging es auf Mountainbikes downhill und ich bretterte über etliche Schlaglöcher, Stock und Stein bevor eine richtige Straße kam. Auf dem Rad fühle ich mich in meinem Element und so hatte ich gar keine Angst sondern mich durchströmte pure Freude beim Anblick dieser so anderen und saftig grünen Welt. Wir fuhren durch wirklich kleine Dörfer und unser Guide, den ich bei jeder Pause in bester Journalisten-Manier ausquetschte, erklärte unglaublich spannende Dinge. So weiß ich nun dass die Priester in einem Trance-Ritual erwählt werden und danach heiraten müssen weil es immer ein Priesterpaar ist, die Ältesten einer Familie in das Haus, welches am nächsten zum Familientempel steht, ziehen – jedes Haus hat einen eigenen Familientempel auf dem Grundstück – und wann gebetet und wann die kleinen Opfergaben erbracht werden.
Abends sahen wir uns dann den Feuertanz Kecak an auf den ich mich schon in Kuta gefreut hatte. Er beinhaltet traditionelle Parts der alten Stammestänze, erzählt wird aber die Geschichte von Ramayana - eine Hindu-Erzählung.
On the Road oder das erste Mal auf dem Motorbike
Für Dienstag planten Katharina und ich dann eine Motorbike-Tour. Wir wollten schon morgens um 8 Uhr starten weil dann der Verkehr in Ubud noch recht ruhig ist und nicht der puren Hölle gleicht, leider machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung. Schon in der Nacht hatte es so monsunartig geregnet dass uns auf dem Heimweg das Wasser bis zu den Knöcheln ging und am Morgen sah es nun nicht besser aus. Nach ein paar Banana-Pancakes, die ich mit Saya aus China, die aber seit zehn Jahren in der Tschechei lebt, frühstückte wirkte das Wetter schon wieder versöhnlicher. Katharina hatte sich in der Zwischenzeit aber wieder schlafen gelegt und so beschloss ich mir einen Regenmantel zu kaufen und selbst auf Tour zu gehen. Da sie in meinem Supermarkt geplündert waren nahm mich ein äußerst herzlicher Ukrainer um die 60, der sechs Monate im Jahr mit seiner kleinen Tochter in Ubud lebt, mit zu einem Großmarkt und ermutigte mich, wirklich ein paar Sachen mit dem Motorbike zu erkunden, denn wenn ich häufig auf dem Fahrrad unterwegs bin sei der Unterschied zum motorisierten Rad auch nicht mehr so riesig. Am liebsten hätte ich ihn genötigt mein Guide zu sein, weil er mir so von Grund auf sympathisch war, aber das schien mir dann doch zu aufdringlich. Mit seinen Tipps im Gepäck machte ich mich dann zusammen mit der wiedererwachten Katharina auf und so wurde ein kleiner Honda Scoopi in Rot-Cremé mein erster Gefährte.
Nach kleinen Startproblem beim Anfahren fühlte ich mich schnell recht sicher und Katharina war die perfekte Begleitung. Sie war vor einigen Jahren regelmäßig gefahren und so nun genauso vorsichtig wie ich, aber dennoch gelassen genug um auf die Route zu achten und so musste ich nichts tun als ihr einfach hinterher zu fahren. Zum Glück waren die Straßen verhältnismäßig breit (wie ich später noch erfahren musste), und so funktionierte das Verkehrssystem aus einmal Hupen für „Ich fahre an dir vorbei“, zweimal Hupen für „Ich will vorbei und du bist ein Problem also mach dich weg“ und dreimal für „Weg da du Bastard sonst war’s das“ ziemlich gut. Letzteres musste ich zum Glück nicht einmal hören. Wir besuchten zunächst die Goa Gajah Höhle ganz in der Nähe von Ubud in deren Gestein Elefanten zu sehen sind obwohl es diese ja nie auf Bali gab. Für eine Spende von läppischen 2.000 Rupiah (peinlich wenig wie ich später realisierte, mit den vielen Nullen auf den Scheinen kam ich wirklich nicht klar) wurde mir dann ein wenig Reis auf die Stirn gedrückt und etwas Weihwasser ins Gesicht gespritzt bevor wir weiter zum Yeh Pulu Steinrelief fuhren. Hier gab es recht anschaulich einige balinesische Alltagssituationen zu sehen und der Legende nach hat ein gefürchteter Riese von der Insel Lombok das Ganze in den Stein gehauen. Im Anschluss ging es zum Tirtha Empul oder auch Holy Springs, den heiligen Quellen die Einheimische und Touristen gleichermaßen anlocken. Die Menschen baden hier und beten, ich begnüge mich damit meine Füße ins Wasser zu halten und den Schorf zu beträufeln und danach noch einige Schlucke des heiligen Wassers, welches mir jede Menge Karmapunkte bescheren soll, zu trinken. Vielleicht kann ich ja damit wieder gut machen, dass wir es versehentlich ohne Eintritt zu zahlen die Tempelanlage geschafft haben.
I Survived!
An meinem letzten Tag auf Bali, bevor es Donnerstag auf die Gili-Inseln gehen sollte, wollten Katharina und ich noch eine ziemlich lange Liste von Tempeln und anderen Sehenswürdigkeiten „abarbeiten“ und fuhren so schön früh los da uns die Tour sicher zehn Stunden kosten würde. Bis zum Besuch des Tegenungan Wasserfalls lief auch alles wie geschmiert und das Motorrollerfahren machte mir großen Spaß. Angekommen wurde die obligatorische Fotosession absolviert und ein Eiertanz des Umziehens hinter unseren Sarongs vollzogen, bevor wir weiter nach Gunung Kavi fuhren. Leider gibt es nicht nur einmal einen Tempel mit diesem Namen und so landeten wir nach über einer Stunde Fahrt ganz im Westen der Insel an einer mickrigen Tempelanlage und realisierten unseren Fehler.
Auf dem nicht minder langen Weg in den Norden, wo die Seen auf uns warteten, passierte es dann: Ich checke in einer Rechtskurve im Rückspiegel, ob ich vielleicht den Fahrer hinter mir behindere und rutsche von der Fahrbahn, da ich stets versucht habe, so weit wie möglich links zu fahren. Scheiße, denke ich gleich, merke aber recht schnell dass noch alles dran ist und steige vom Rand der Fahrbahn ins Grüne. Auch der Fahrer hinter mir mit Frau und Kind war sofort zur Stelle, richtete den Roller wieder auf und fragte mich ob alles in Ordnung sei. Leider sprachen beide kein Englisch und so versuchte ich gestikulierend zu erklären dass es mir gut geht. Ich hatte wirklich Glück und kam nur mit einer arg blutenden Schürfwunde davon – es hatte das Knie natürlich direkt wieder aufgehauen – und ein paar blauen Flecken, schlimmer war aber der Schock darüber wie schnell es ging und was noch hätte passieren KÖNNEN. Nachdem Katharina zurück gekommen war kullerten dann die Tränen bei mir und mehr als holprig musste ich wohl oder übel weiter, die Fahrt wurde ab da eine wahre Odyssee und ich fürchtete mich vor jeder Rechtskurve. Ohne es zu merken, weil sich die Straßen so langsam verschmälert hatten, waren wir ins absolute Hinterland gefahren und nicht mehr auf den breiten Straßen vom ersten Tag unterwegs und die Serpentinen waren nach dem Sturz nur noch die Hölle. Zu allem Überfluss kippte ich drei Minuten später gleich nochmals um, als wir an einem Aussichtspunkt hielten und ich wackelig auf den Schotterparkplatz fuhr. Es passierte wohl fast in Zeitlupe und ging harmlos ohne blauen Fleck an mir vorüber, danach war es aber ganz vorbei und ich traute mir gar nichts mehr zu, wenn ich doch keine fünf Minuten mal nicht mehr umkippen konnte. Als hätte ich das All-Inclusive-Scheißpaket gebucht, entpuppte sich dann ein „Helfer“ am Aussichtspunkt, der direkt meinen Roller wieder aufstellte und mir hoch half, als absolutes Arschlochexemplar von einem Mann. Zunächst dachte ich, er sein nur fürsorglich als er ständig meine Wade und meinen Arm tätschelte. Als ich ihm lachend gestikulierte dass es schon alles okay sei, wollte er mir mit widerlichen gelben Zähnen einen Kuss aufdrücken und als er mich am Bauch tätscheln wollte schrie Katharina ihn dann an: „Don’t touch her!“
Das Schlimmste war eigentlich, dass ich in meinem hohen Adrenalinspiegel und meiner Verwirrtheit nach dem Sturz dem Ganzen nicht schon früher Einhalt geboten hatte und immer nur lächelnd und Kopf schüttelnd ausgewichen war, da ja nicht eindeutig war, ob er sich vielleicht doch nur überführsorglich benahm. Mit seinem abartigen Dauergrinsen auf dem Gesicht folgte uns der Kerl dann und fuhr einfach neben mir. Ich hatte fürchterliche Angst, gar nicht so sehr vor ihm, ich nahm ihn gar nicht als Gefahr sondern eher wie eine ekelhafte, aufdringliche Fliege wahr, sondern vor der Straße, dass er mich auf dem Roller anfassen und damit zum Sturz bringen könnte oder Gegenverkehr käme und ich mit ihm umgerissen werde. Schneller fahren wie Katharina immer wieder zurief ging auch nicht für mich – später stellten wir beide fest, dass unsere Ängste in diesem Moment ganz unterschiedlich waren und sie sich vor ihm extrem fürchtete während meine Angst vor der Straße größer war. Nachdem all meine „Go away!“-Rufe nichts halfen brachte Katharinas Ankündigung die Polizei zu holen dann schließlich die Kehrtwende – der Typ zischte ab und kam nicht wieder. Auf dem Rückweg nahmen wir noch Regen und Nebel und Dunkelheit mit und als ich endlich wieder in Ubud war, war ich nur eines: glücklich noch zu leben.
Während wir auf der Rückfahrt wieder auf die großen Straßen kamen fing ich bereits an, mich wieder sicher beim Fahren zu fühlen. Ich weiß nicht, ob ich noch mal auf ein Motorbike steige, ich vermute, ich werde es in ein paar Wochen tun. Aber ich weiß, dass ich keine langen Touren und nur noch auf Hauptstrecken und nicht in die entlegensten Bergdörfer fahren werde und diese Routen auch danach aussuche. Was wir auf dieser Fahrt gesehen haben, fühlte sich wie das echte Bali an, wir mussten einen Umzug Gläubiger in traditioneller Kleidung auf dem Grünstreifen überholen, wir haben in einem schmuddeligen Warung ohne Fenster für ein oder zwei Euro gegessen, Kinder sind uns am Straßenrand hinterher gerannt weil sie vermutlich fast nie so weiße Haut sehen. Der Ausblick war fantastisch und die saftigsten grünen Reisterassen säumten den Weg. Dennoch konnte ich heute kaum auf die Straße gucken als mich der Shuttlebus zu meiner Fähre fuhr und habe stattdessen trotz all des Geschaukels lieber auf meinem Laptop geschrieben weil mir beim Anblick des Verkehrs plötzlich ganz komisch wurde. Und auch jedem zu freundlichen „Hellooooo!“ indonesischer Männer stehe ich nach der kleinen Verfolgung von gestern auf einmal ungewohnt feindselig gegenüber, was ich unglaublich schade finde und hoffe in ein paar Tagen wieder ablegen zu können. Alles in allem werde ich den Tag sicher bald unter „Abenteuer“ verbuchen können, vor allem nachdem ich gestern gleich noch abends eine einstündige, traumatherapeutische Behandlung von Katharina bekommen habe – sie ist Psychologin, da sag ich mal Volltreffer für mich! Momentan erhole ich mich aber lieber erstmal auf Gili Air und mache einfach mal nichts (schwimmen ist ja nun schon wieder nicht drin, mäh!), es muss ja nicht jede Woche und jeden Tag Action geben.
Während ich meinen Sonnenuntergang am Strand genossen habe, hat diese kleine Lady ganz von alleine meine Gesellschaft gesucht <3