1975, Ende der 1990er und Dezember 2019
Librophon und Phonobuch
Dezember 2019: Während eines Gespräches mit Kathrin Passig über technische Kuriositäten erzählte ich vom Librophon. Was ist das? Bitte gleich aufschreiben!
Ende der 1990er: Ich halte ein seltsames Ding in den Händen, das im Keller der Schwiegereltern verstaubt war und beinahe weggeworfen worden wäre. Ein Librophon, ein konservendosengroßer Plattenspieler mit eingebautem Lautsprecher – batteriebetrieben. Die Nadel dreht sich auf der Unterseite, als könnte man das Ding irgendwo draufstellen.
Ach ja, das sind ja auch noch Teile von Büchern, ungebundene Bogen mit dem Aufdruck Phonobuch, in denen kleine transparente Schallfolien kleben. Librophon anschalten, aufsetzen – und tatsächlich ertönt ein kurzes Musikstück.
1975: Das Phonobuch wurde von der Deutschen Verlagsanstalt 1975 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Es ergänzte Sachtexte mit Hörbeispielen – das Phonobuch als multimedialer Datenträger, das Librophon als Lese- und Ausgabegerät.
Laut Klaus-Kuhnke-Archiv für populäre Musik in Bremen wurde auf der Buchmesse nur der erste von sechs geplanten Bänden zur Geschichte der Populären Musik vorgestellt. Im Schwieger-Keller liegen aber auch Teile eines Buches über irische Lieder, ebenfalls unvollständig, ebenfalls ungebunden.
Und warum kennt man heute weder Phonobuch noch Librophon? Laut Klaus-Kuhnke-Archiv summierten sich die Lizenzgebühren und Entwicklungskosten damals zu 4.000.000 DM (rund 2 Millionen Euro):
“Die DVA ging daran beinahe in Konkurs, und keines der insgesamt 100 hergestellten Exemplare kam je in den Handel.”
(Florian Karsten, alle Fotos CC-BY 4.0 FlorianKarsten.de)
















