sometimes you just gotta write a novel and put gay squirrels in it just for the hell of it y’know

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Do y'all even remember Scharnow?! Anyways, I drew Nami in a Yucca Spiders t-shirt, because she definitely would love them.
Persönliche Buchtipps von Bela B. im Thalia Magazin
OUT NOW
“Scharnow”, der Debütroman von Bela B Felsenheimer, ist erschienen bei Heyne Hardcore und ab sofort als Taschenbuch (inkl. Nachwort des Autors – hier lesen), als gebundenes Buch, Hörbuch (gelesen vom Autor) und eBook erhältlich.
Mittwoch, 18.03.2020
Literatur 05/19
Ich habe wieder gelesen – weitaus mehr als die drei Bücher, die ich nachfolgend vorstellen will. Aber, wie es so schön heißt, alles der Reihe nach.
Lange bin ich auf keinen Roman gestoßen, der die Leserinnen und Leser so sehr gespaltet hat wie Scharnow von Bela B Felsenheimer. Das Mitglied der Ärzte ist nicht der erste Musiker, der sich neben dem Bandleben auch anderweitig kreativ auslebt und dies zum Beispiel als Autor tut. So weit ist der Weg nicht und über die Brücke zwischen Songwriting und Romanautor kann man durchaus gehen. In beiden Welten ist das Erzählen zu Hause, und wenn man sich, so wie Bela B, für abwegige Storys interessiert, fällt es vielleicht ohnehin leichter, einfach mal loszulegen. Mit Scharnow ist nun ein Roman herausgekommen, den man entweder unterhaltsam oder grottenschlecht finden wird. Dazwischen gibt es so gut wie keine Meinungen, die ich im Netz finden konnte. Und ein wirkliches Meisterwerk ist die Geschichte über ein fiktives Dorf nahe Berlin auch nicht. Aber sie hat andere Qualitäten, auf die ich später eingehen will. Zunächst der große Plot von Scharnow (und das ist schon verdammt schwierig in Worte zu fassen): Verschiedene Personengruppen mit fundamental unterschiedlichen Weltanschauungen und Lebensgewohnheiten geraten in diesem Mikrokosmos aneinander, es gibt Tote, es gibt Liebe und es gibt Übernatürliches, das unweit von Berlin geschieht. Nun zu den Meinungen: Wie ich hier schon ein bis zwei Mal erwähnt habe, bin ich seit Anfang des Jahres Mitglied eines Buchclubs. Dort fand die Mehrheit den Roman wirklich übel und störte sich u.a. daran, dass es keine schlüssige Zusammenführung aller Handlungsstränge gibt, dass die Charaktere flach bleiben und überhaupt alles so geschrieben zu sein scheint, als hätte man Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, sich eine Geschichte ausdenken zu dürfen, die dann auch gedruckt wird – ganz gleich, ob die Geschichte eine größere Botschaft hat oder nicht. Ich war im Grunde relativ allein mit den wenigen wohlwollenen Urteilen, die ich abzugeben hatte: Zunächst mal ist Scharnow an vielen Stellen herrlich schräg und zeigt darüber hinaus noch etwas sehr viel Wichtigeres: die irrwitzige Leistung bei dieser Unmenge an Figuren nicht den Überblick zu verlieren. Dass ein Autor/eine Autorin einem immer etwas mit auf den Weg geben muss, ist für mich keine Notwendigkeit. Wenn ich gut unterhalten werde, ist schon mal viel geschafft. Und sehr wahrscheinlich geht es sehr vielen Lesern, also denen, die die positiven Rezensionen geschrieben haben, da ähnlich. Pubertäre Gedanken konnte ich nur bei den Teenager-Figuren (und da gehören sie auch hin) und denen finden, die sozial isoliert, also im schlimmsten Fall ungebildet in ihrem jeweiligen Umfeld leben. Im Übrigen werden Handlungsstränge doch zusammengeführt: Die Wege zahlreicher Protagonisten haben sich nicht nur gekreuzt, sondern sind ab diesem Moment stimmig weitererzählt worden. Es stimm, einen echten Schluss, den man sonst aus Romanen gewohnt ist, gibt es nicht. Aber kann man das einem Autor zum Vorwurf machen? Nein. Offene Enden sind ein Stilmittel – wenn auch nur, um möglicherweise einen Nachfolgeroman schreiben zu können. Tatsächlich habe ich die Charaktere auch nicht als flach wahrgenommen: Gerade das junge Teenager-Paar hat es mir angetan (Okay okay, ich bin ein sensibles Weichei.). Darüber hinaus fand ich aber sogar die Supermarkt-Räuber und deren Antrieb(slosigkeit) ausreichend beschrieben. Selbst in dieser Gruppe gibt es Figuren, die eine Wandlung durchmachen. Und es wird ein Kindesmissbrauch beschrieben, ein psychologisch wichtiger Moment, aber für den Autor offenbar keiner, den man weiter ausschlachtet. Ich kann nachvollziehen, dass sich hier mancher mehr Tiefgang hinsichtlich einer Aufarbeitung erhofft hat. Aber es ist auch vollkommen legitim, so damit umzugehen, wie Felsenheimer das tut. Denn womöglich gibt es nichts weiter darüber zu erzählen. Und tatsächlich wollte ich gar nicht mehr darüber erfahren. Bela B ist großer Comic-Fan und er mag absurde Geschichte abseitig des Normalen. Das merkt man nicht nur, weil er diesen Roman so erdacht hat, sondern auch an den Verweisen auf all die Genre-Filme, die seine Supermarkt-Diebe regelmäßig in ihrer WG schauen. Ein Stilelement hat mich sogar regelrecht begeistert: Das ist nicht neu, aber ich kenne es bisher eher aus Serien: das Herstellen einer gewissen Gleichzeitigkeit von mindestens zwei Handlungssträngen. Die Kapitel sind sehr kurz, lasen sich also schnell weg. Auch deshalb hatte ich Spaß daran, wenn in einem Kapitel die Handlung von bestimmten Figuren vorangetrieben wurde und sich dabei durch einen kurzen Verweis deren Wege mit dem von Figuren aus einem der vorherigen Kapitel kreuzten. Das mag jetzt nicht das große Ding sein, aber für mich ist diese Technik ein zentrales die Geschichte zusammenhaltendes Element. Überhaupt war alles sehr szenisch beschrieben. So sehr, dass ich hin und wieder an die Netflix-Serie „The Umbrella Academy“ denken musste, die eben auch eine Geschichte von Figuren erzählt, die allesamt irgendwie kaputt sind, nicht so wirklich miteinander können und sich trotzdem auf eine gewisse Art zu schätzen lernen.
Was soll ich sagen? Zwischen Scharnow und Stellt euch vor, ich bin fort liegen erzählerische Welten. Der Roman von Adam Haslett ist eines der klügsten und berührendsten Bücher, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Haslett erzählt die Geschichte einer Familie – Mann, Frau, einer Tochter und zweier Söhne –, die zunächst mehr und mehr in die Brüche geht und dabei doch nicht als gescheitert oder kaputt bewertet werden kann. Dabei greift der Autor auf einen besonderen Kniff zurück. Jedes Kapitel, das die Handlung vorantreibt, wird abwechselnd aus der Perspektive eines der Familienmitglieder erzählt. Und weil das so großartig gelingt, ergibt sich nach und nach eine Erzählung, die sich nicht wie die Geschichte von Fremden oder irgendwie fiktiv anfühlt, sondern wie ein Schicksal, das so oder ähnlich unser aller Familien und somit auch uns widerfahren kann. Das Leben ist kompliziert und wir Menschen sind es auch, aber Stellt euch vor, ich bin fort hat es geschafft, mich trotz der vielen Schläge, mit denen diese Familie umzugehen lernen musste, darauf vorzubereiten, dass alles schaffbar ist, mit den richtigen Menschen um uns herum. Und wem das jetzt, nicht zuletzt wegen einer guten Portion Zynismus, die in einem lebt, zu viel Emo-Geseier ist – ich kann es nachvollziehen. Aber lest diesen Familienroman: Er wird euch eines Besseren belehren, denn er ist großartig.
Martin Suter schreibt routiniert, detailreich und vielleicht eine Spur zu lässig. Aber dem Charme der Bände seiner Allmen-Reihe über einen ehemals vermögenden Adligen, der sich nur noch halbwegs über Wasser halten kann, indem er mit seinem Butler Carlos Kunstdiebstähle aufklärt, kann ich mich nur schwer erwehren. Will ich auch gar nicht, weil mich die zügig zu lesenden Fälle pointiert und gut beobachtet in die Welt einer Klientel entführen, in der ich es nie länger als zwei bis drei Tage aushalten würde – aber so lange ich dort bin, jede Menge Stoff zum Schmunzeln finde. Suters moderne Version eines Krimis nach dem, wenn man überhaupt will, Holmes-Watson-Vorbild sind überaus unterhaltsam, wenngleich nach dem Zuklappen auch schnell wieder vergessen. Aber im Grunde verhält es sich da nicht anders als mit einem Abend in der gehobenen Gesellschaft: Man beobachtet das alles aus sicherer Distanz, grinst in sich hinein, fühlt sich nie ganz wohl, aber auch nie so unwohl, schnell Reißaus nehmen zu wollen. Und wenn man spät in der Nacht endlich im heimischen Bett liegt, alles noch mal Revue passieren lässt, lacht man einige Male lauf auf, schüttelt irritiert den Kopf und denkt sich „Wie gut, dass das nicht meine Welt ist“, bevor man selig einschläft. Im Falle von Allmen und die Dahlien ist das diesmal nicht ganz so einfach, weil die Geschichte, die die dritte der Reihe ist, mit einem ordentlichen Cliffhanger endet. Wie gut, dass ich den Nachfolgeroman hier schon liegen habe. Ich freu mich darauf.
Die „Scharnow ist über(all)“-Lesereise geht weiter:
22.9. – CH-Zürich, Kosmos
23.9. – AT-Wien, Rabenhof Theater
24.9. – LU-Luxemburg, Den Atelier
Alle Infos zum Buch sowie Tickets zur Lesereise gibt es auf www.bela-b.de.
Edit: VVK ab heute – 14. Juni – 10:00 Uhr auf bela-b.de
📷: Konstanze Habermann