Aale
Mila ließ diesen Abend Revue passieren. Die Erinnerungen waren verschwommen. Erinnerungen sind wie Aale. Viele kleine flutschige Straenge, die da engumschlungen im Kopf liegen. Dichtgedraengt, aber meilenweit auseinander. Und sie sind so sehr frei. Sie verschwinden und manchmal sind sie so dick, vollgefressen an einem einzigen Moment, dass sie alles andere ueberlageren. So ziehen sie in ihren schlaengelnden Bewegungen ihre Kreise durch deinen Kopf, deine Gedanken, deine Gefuehle. Mila konnte sich kaum an diesen Abend erinnern, aber es schlaengelte sich ein ganzer Schwarm von Aalen durch ihren Kopf und uebernahmen das Kommando. Und alle schillerten sie tuerkisgruen. Als koennten sie sich nicht entscheiden. Und das konnte sich Mila auch nicht. War da was gewesen oder waren diese ganzen Aale wie Spiegel Projektionen des Nichts und machten aus der Leere etwas, wo nichts war? Jeder Aal schillerte abermals, brach das Licht in einem anderen Winkel und stellte so tausende Perspektiven der Szenerie auf. Panoramaaale. Dieser Moment, es waren 2 Minuten und 36 Sekunden gewesen, hatte sich aufgeblaeht zu einem Monat voller Erinnerungen, Bilder und Schnappschuesse. Wie hunderte Brechungen an den Regentropfen bei Sonne, hatte sich sein Gesicht eingebrannt, dieses eine Gesicht spiegelte von jedem der Aale zurueck und laechelte sie an. Tausendmal und jedes mal neu atemberaubend. Und immer wieder begann der Film von vorn und die Aale schwommen wieder an ihr vorbei.









