"Im Herbst 1977 ging es von Seiten des Staates nicht nur um die Weigerung, Schleyer auszutauschen. Es ging um das generelle Verweigern jeder politischen Konzession an das nichtkäufliche Andere, das in der RAF verkörpert war. Daran hatte man schon Holger Meins 1974 im kollektiven Hungerstreik gegen eine Isolationshaft, die Identität vernichten sollte, sterben lassen. Daran scheiterte auch der Versuch der Stammheimer Gefangenen im Oktober 1977, über die Beendigung des bewaffneten Kampfes zu verhandeln. Niemand in irgendeiner relevanten Position von staatlicher Seite wollte 1977 eine Lösung außerhalb eines militärischen Denkens. Das war die Mentalität des Krieges. Das kam nicht ursprünglich von der RAF. Das war immanenter Zwang eines Systems, dessen Elite ihre eigenen Verbrechen tabuisieren musste, aufgrund derer sie nie wieder in irgendeine gesellschaftliche Machtposition hätte kommen dürfen. Für sie ging es um alles. Die Mentalität des Krieges, damals zur Staatsräson erklärt, galt dann für die ganze fortlaufende Zeit, und an ihr scheiterten auch die Gefangenen 1989 mit ihrem hungerstreikbasierten Versuch, politisch im letzten Augenblick einen Ausweg zu finden."