“Eine übrig” / “one left” / Vienna / Austria / ©julialametta
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“Eine übrig” / “one left” / Vienna / Austria / ©julialametta
#Schlosskonzert (hier: Unterdürnbach, Niederösterreich, Austria)
Virtuos und lyrisch einfühlsam
SCHLOSSKONZERT Die junge Pianistin Sophie Pacini überzeugte in Rheydt mit großer Bandbreite. Großes Virtuosentum kennzeichnete den Schlusspunkt des Programms der noch so jungen Pianistin Sophie Pacini, die jetzt das vierte Rheydter Schlosskonzert gestaltete. Mit der Ouvertüre zu Richard Wagners Oper „Tannhäuser“, transkribiert für Klavier von Franz Liszt, erlebte das Publikum einen ekstatisch-dramatischen Höhepunkt.
Sophie Pacini auf einer Aufnahme für die Presse. Foto: Susanne Krauss.
Rasante Läufe, teils in gegenläufiger Bewegung der Hände, gehämmerte Akkorde, flirrende Arpeggien, Spielen mit verschränkten Händen – nach dem getragenen ersten Thema ist es mit der Gemütlichkeit in Liszts Wagner-Adaption schnell vorbei. Die Wucht und die Vielfarbigkeit eines Orchesters mag sich in der Klavierversion der Opernouvertüre nur durchsetzen, wenn der Ausführende Kraft und Differenzierungsvermögen gleichermaßen in seinen Fingern hat – der erst 22jährigen Pacini gelingt das Bravourstück glanzvoll. Als Einstieg in den Abend hatte Pacini mit Mozarts zwölf Variationen über „Ah, vous dirai-je, maman“ ein leicht verträgliches Stück gewählt. Man kennt die Melodie, weil Hoffmann von Fallersleben sie später mit dem Text „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ versehen hat. Für Mozart war das Ausgangswerk noch das Bekenntnis einer jungen Dame über den Verlust ihrer Unschuld, das der Komponist mal lebenslustig leicht, dann wieder mit verhaltener Melancholie, jedoch ohne allzu viel Tiefgang vertont hat. Da müssen die Finger schon laufen, aber interpretatorisch diente es der Pacini wohl nur zum Aufwärmen. Seine Sonate Nr. 14 in a-Moll D784 hat Franz Schubert komponiert, nachdem er von seiner Syphiliserkrankung erfahren hat. Vor allem im getragenen ersten Satz ist da wenig Geläufigkeit, dafür aber reife Interpretationsfähigkeit verlangt, um das Changieren zwischen Trauer und leichtem Aufbegehren, Reminiszenz und düsterem Ausblick nuanciert hörbar zu machen. Hier gelang Pacini das Paradoxon eines stillen Höhepunkts im ersten Konzertteil, der dann vor allem mit der zweiten von zwei Nocturnes von Frederic Chopin furios endete. Nach der Pause setzte Pacini vor dem grandios-wuchtigen Schluss mit Liszt beziehungsweise Wagner geschickt einen eher lyrischen Kontrapunkt. Die drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms sind detailreiche Stimmungsbilder, eher Aquarelle als Ölgemälde, eher herbstlich als sommerlich. Auch hier bestach Pacini wieder mit großem Einfühlungsvermögen. Viel Applaus, eine Zugabe.
http://www.sophie-pacini.com/home/