Grenzlinie #6
Was geht bloß in mir vor? Ich bemerke, wie ich selbst immer extremer werde und ständig außer mich gerate. Immer wieder bringe ich mich in riskante, gefährliche Situationen und Umstände. Damit verletze ich mein Umfeld, ich versetze alles um mich herum in Panik und Sorge. Ich zerrütte alle möglichen Beziehungen, mache sie kaputt. Ich stoße mir nahe Menschen einfach weg, von heute auf morgen. Mir entfernte Personen jedoch möchte ich noch viel näher an mir spüren und erleben. Meist ist dies nicht möglich und tut mir weh. Ich hätte mich aufgegeben für eine Beziehung, die nie so existierte, wie ich es mir erträumte. Doch greifbare Menschen kann ich mit diesen nicht auf gleiche Ebene stellen. So suche ich weiter, immer mit dem Ziel, mich akzeptiert, vollkommen, wohlbehütet und geborgen sowie sicher zu fühlen. Mich wie “zu Hause” zu fühlen. Denn die Heimat ist es, die ich anstrebe, die ich brauche. Ohne dieser weiß ich nicht, wer ich bin, wie ich bin und woran mein Dasein ist. So wandere ich weiterhin auf dem schmalen Grad zwischen Leben und Tod umher. Ich schwanke von einem Extrem zum nächsten. Ich trinke, ich rauche, ich stopfe Unmengen an Süßem in mich hinein, schneide mir meine Arme auf. Immer suche ich nach etwas, das mich selbst widerspiegelt, das mir zeigt “Hier, das zeichnet mich aus, das bin ich”. Dass all jene Verhaltensweisen nichts Gutes nach sich ziehen und völlig banal sind im Anbetracht auf meinen angestrebten Gedanken, weiß ich natürlich. Doch diese liegen viel näher als zu sagen “Ich gehe nun zum Sport, powere mich aus, dort fühle ich mich real.” Denn das ist es ja immer - ich möchte mich spüren, möchte zu mir selbst finden und mich sodann in etwas anderem wiederfinden. Sodass ich auf mich blicken kann, um zu sagen “Das bin ich, das ist mein Leben.” Doch ich scheitere immer wieder bei dieser Suche, welche zu einigen Suchten führte. Denn eine Suche ist, wenn sie wie bei mir in negative Handlungen mündet, nichts anderes als die Sucht. Mit nur einem Buchstaben Unterschied. Doch Suchten bilden neben der eigentlichen Störung nur noch zusätzliche unnötige Probleme, die es sodann zu bewältigen gilt. Wie sollte man da nicht irgendwann völlig überfordert sein und die Hoffnung auf Heilung verlieren, wenn der Berg an Lasten immer weiter wächst, doch nichts abnimmt? Wie sollte man dabei nicht verzweifeln und sich womöglich ganz aufgeben? So wechselt man dauernd zwischen “Ich muss dran bleiben, weitermachen und alles geben, um meine Ziele zu verfolgen, um endlich richtig zu leben!” und dem Gedanken “Wozu soll ich es noch weiterhin erdulden, enttäuscht zu werden und versuchen, mein Leben auf die Reihe zu bekommen, wenn ich schon drei Jahre dabei bin und sich nichts verändert? Ich möchte nicht mehr.” Und so wechselt man immer zwischen den Entscheidungen; mal ist man ermutigt, motiviert und superfröhlich, doch dann wieder ganz wo anders, will sich was antun, hat absolut keinen Bock mehr auf das Selbe jeden Tag. Genau dieser Wechsel an Einstellungen und dazu der Druck von außen, von diversen beschissenen Leuten, die einem Vorwürfe machen, dumme Kommentare abliefern und keinerlei Empathie zeigen, bringt mich dann dazu, mich völlig entkräftet auf dem Boden zu wälzen und herum zu schreien vor Schmerzen. Schmerzen im Kopf aufgrund so vieler Gedanken und Stimmen von vergangenen und vielleicht in der Zukunft eintretenden Gesprächen sowie Schmerzen in der Lunge, den Atemwegen, weil jeder Atemzug einer zu viel ist und Schmerzen im Herzen, das so oft gebrochen und wieder zusammen geflickt wurde, dass es trotzdem noch blutet.












