Das Schlimmste, was einer modernen jungen Person der heutigen Zeit passieren kann, ist, sich in die Idee oder das Potential eines Menschen zu verlieben. Man weiß quasi nichts über denjenigen, klammert sich aber an jeden Fetzen an Information, welcher dann endlos aufgebauscht und verzerrt wird, bis er in die jeweilige Fantasiewelt im Kopf des Verliebten passt. So beschrieben hört sich dieses Phänomen an wie eine krankhafte Obsession. An dieser Stelle muss jedoch klargestellt werden, dass es sich bei der “Kopfverliebtheit” um einen unwillkürlichen Prozess handelt, der sich immer aggressiver ins Bewusstsein drängt, je mehr man versucht dagegen anzukämpfen. Somit sind die Betroffenen von geistiger Gesundheit und haben sich weder die aggressiv und urplötzlich auftretenden Fantasien, noch das andauernde schwindelerregende Gedankenkarussellfahren gewünscht. Es ist einfach plötzlich da und fickt deinen Kopf und du kannst scheinbar nichts Anderes tun, als abzuwarten und beruhigenden Tee zu trinken - vorausgesetzt es gibt vernünftige Gründe, die einen daran hindern, seinen Fantasien nachzugeben.
Wenn man nun also in einer solch endlosen Qual der Gefühle gefangen ist gibt es eine scheinbar viel zu schlichte Lösung: die Schocktherapie. Angewendet nicht selten bei irrationalen Phobien besteht die Schocktherapie in dem Prinzip, den Patienten so lange und oft mit dem Objekt der Angst zu konfrontieren, bis diese feststellen, dass bei der Konfrontation im Gegensatz zur Vorstellung des Patienten in der Realität keine schlimme Konsequenz eintritt. Ebenso verspricht die Schocktherapie Linderung bei den meisten realitätsfernen Arten der Kopfverliebtheit. Der Patient setzt sich so lange und intensiv mit der Person des Interesses und den eigenen Gefühlen auseinander, bis er in das kalte Wasser der Realität geschmissen wird und aus der Idee/dem Potential der Person des Interesses ein Mensch mit positiven und negativen Eigenschaften wird. Durch den Kontakt mit der Person in der Realität und nicht nur in der Vorstellung kann ein ganzheitlicher unretuschierter Eindruck der Person gewonnen werden, der nicht auf den Erwartungen des Patienten beruht. Somit wird die Person des Interesses als echter Mensch kennengelernt und kann im Kontext des Sozialgefüges einer Kategorie zugewiesen werden. Der Zauber und die unrealistische Magie gehen verloren und weichen der Realität - et voilà - der Patient kann sich als geheilt betrachten. Es sollte sich ein Gefühl der Befreiung breitmachen, ein Über-den-Dingen-Stehen und ein scharfes Erkennen aller Aspekte der Beziehung zur Person des Interesses.