putting things into perspective - oder die Dinge im rechten Licht
Ich hatte heute ein interessantes Gespräch mit einer Person, die mir davon berichtete, sie würde sich häufig in ihren Gedanken und Sorgen verlieren. Das mache sie häufig traurig und ließe sie die ein oder andere Nacht schlecht schlafen.Wir sprachen kurz darüber, dass intelligente Menschen oft eine etwas pessimistische Sicht auf die Welt haben. Etwa weil sie fürchten, dass sie oder ihre Mitmenschen den Aufgaben, die das Leben bereit hält, nicht gerecht zu werden. Etwas beiläufig entgegnete ich, dass es im Grunde immer eine Frage der Perspektive auf die Dinge sei.
Ich liebe diese Unterhaltungen.Das sind die Momente von denen ich gerade zehre. Sie bringen mir Zerstreuung, zumindest für kurze Zeit, natürlich besonders, wenn sie mit einer gewissen Menge Alkohol kombiniert werden. Und manchmal helfen sie mir eben dabei, meine Perspektive auf die Dinge zu ändern. In den Gesprächen mit anderen kann ich mich selbst gut reflektieren, ohne dabei zu sehr in destruktive Gedanken abzurutschen. Alles bekommt für mich dann eine gewisse Objektivität, ich kann Abstand von mir selbst nehmen. Wie lange dieser Zustand dann anhält ist unterschiedlich, meistens erstreckt er sich jedoch nur über ein paar Stunden und ist dann wieder vorrüber. Ähnlich dem Gefühl, das man beim Schauen eines interessanten Videos, beim Lesen eines spannenden Zeitungsartikels oder auch beim Hören eines guten Songs bekommt: "Hey, das ist wirklich inspirierend, ich sollte das unbedingt mal ausprobieren!" - Und 2 Stunden später ist dann wieder alles beim Alten.
Schon in den letzten Tagen habe ich gemerkt, dass sich langsam wieder ein Hoch bei mir anbahnt und ich bald in der Lage sein werde, die Dinge ins rechte Licht zu rücken und sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich würde gerne Außenstehenden gerne erklären können, woher meine tiefe Traurigkeit kommt und warum sie in anderen Zeiten wieder vergeht. Ich würde überhaupt gerne das Gefühl meiner Mut- und Lustlosigkeit beschreiben können und Freunde und Familie an mich heranlassen. Es geht nicht. Es gibt einfach Gefühle, die jeder so individuell erlebt, dass sie nicht in Worte zu fassen sind. Dieses gehört dazu. Ich möchte nicht behaupten, ich hätte eine chronische Depression. Ganz und gar nicht. Menschen, die so von Trauer erfüllt sind, dass ihnen jedweder Wunsch zu leben abhanden gekommen ist, haben mein vollstes und aufrichtiges Mitgefühl. Sicher, ich fühle mich oft schlecht, manchmal so schlecht, dass ich physische Schmerzen habe. Aber nie, nie, nie habe ich einen Gedanken an Suizid verschenkt. Ich will mich nicht anmaßen, behaupten zu können, wie unerträglich das sein muss.
Und auch, wenn diese Gedanken vermutlich noch weit unerträglicher sind, als meine, so ändert es nichts daran, dass ich sie Außenstehenden nicht wirklich nahe bringen kann. Sage ich jemandem: "Ich habe den ganzen Tag nichts geschafft. Ich lag im Bett und habe keinen Sinn darin gesehen, aufzustehen. Stattdessen habe nochmal 5 Stunden geschlafen, Filme geguckt oder nachgedacht.", dann heißt es oft "Du musst halt mal was machen, is doch klar, dass es durch Nichtstun nicht besser wird." Das Problem an der Sache ist, dass ich mir dessen bewusst bin, aber nichts dagegen tun kann. Ich weiß, wenn ich das und das tue, geht es mir sicher in ein paar Stunden besser. Aber ähnlich wie der Schweinehund, der jeden von uns in der ein oder anderen Situation schon zögern ließ, tobt in meinen Kopf ein riesiger, fetter Schweineelephant, der jegliche Gegenwehr im Keim erstickt, im Porzellanladen meiner zuversichtlichen Gedanken einen flotten Polka hinlegt und in einen Haufen Trümmer verwandelt. Was mir dann bleibt, ist abzuwarten, bis er sich beruhigt hat.
Dann ist aufräumen angesagt. Die ideale Gelegenheit, um eine neue Perspektive auf mein Leben zu bekommen.
Ursprünglich wollte ich über genau dieses verändern von Perspektiven an sich schreiben und wie gut es sein kann, die eigenen Lebensumstände in ein neues Licht zu rücken. Leider ist mein roter Faden auf dem Weg verloren gegangen. Ich schätze, ich musste erst mal mit den Aufräumarbeiten anfangen, um die Schäden der letzten Wochen zu beseitigen. Deshalb verschieb ich das auf meinen nächsten Eintrag.
bis dahin










