Getting started or what's this all about?
Aufräumen mit sich selbst, selbstbestimmt leben, aktiv sein und sich nicht von den Umständen treiben lassen. Das klingt zunächst nach ziemlicher Phrasendrescherei. Vermutlich deshalb, weil es erst einmal so abstrakt klingt. Was heißt das schon: selbstbestimmt leben - Tue ich das nicht bereits? aufräumen mit sich selbst? WTF?!
Vielleicht fange ich einfach damit an, meine Situation zu schildern, um zu verdeutlichen, was diese Worte für mich bedeuten:
Ich bin unzufrieden mit meinem Leben. Wenn ich 20 Jahre in die Zukunft schaue, sehe ich dort zwei sehr unterschiedliche Personen: Einerseits sehe ich einen glücklichen K., der im Ausland lebt, eine herausfordernde Arbeit hat und eine liebevolle Beziehung. Ich sehe einen K. der Kinder hat, sich Zeit für seine Freunde nimmt und für seine Mutter und seine Schwester da ist, wenn sie ihn brauchen. Andererseits sehe ich einen K., der stehen geblieben ist. Einen K., der den Weg des geringsten Widerstandes gewählt hat, mit einem Job, der das Dach über dem Kopf finanziert und, nur um die restlichen Klischees auch noch zu erfüllen, eine Beziehung die nicht für die Ewigkeit bestimmt ist und einem ständigen Gefühl der Unzufriedenheit, das schon Thema zu vieler Kitschfilme über die klassische Midlife-Crisis war.
Was diese beiden Personen trennt, ist ein Haufen Selbstmitleid, ungenutzes Potenzial, eine gehörige Portion Selbstvertrauen und ein Dutzend Klischees.
Sicher kennt so ziemlich jede_r in meinem Alter diese quälenden Selbstzweifel, die Suche nach Antworten auf die großen Fragen. Früher oder später kommen viele an diesen Punkt: Was will ich tun? Wer will ich sein? Tue ich das richtige? Und vor allem: Warum?
Ich behaupte also nicht, dass ich mit diesen Fragen alleine bin. Allerdings bin ich gerade an einem Punkt, an dem diese Fragen mich nicht länger nur quälen. Sie lähmen mich und treiben mich immer häufiger in depressive Zustände. So gibt es Tage, an denen ich mich vom Bett auf die Couch bewege und das war's. Irgendwas im Fernsehen schauen, zum millionsten Mal meinen Facebook News-Feed herunterscrollen, einfach nochmal schlafen. An manchen Tagen schaffe ich es dann zumindest, mir etwas zu Essen zu machen, oder doch nochmal eine kurze Konversation mit meinen Mitmenschen hinter mich zu bringen. Ein guter Tag sieht bei mir zur Zeit so aus, dass ich den Großteil der Zeit einfach in passiver Nichtstuerei verbringe und darüber nachdenke, dass es doch auch anders sein könnte. Abends dann zu viel Alkohol, ein längeres Gespräch mit Freunden über dieses oder jenes Thema, je nachdem, wie viel Interesse ich gerade dafür aufbringen kann. Und anschließend ins Bett mit der Hoffnung, dass am nächsten Tag alles ganz anders sein wird. Natürlich ist es das nicht. Und so bleibt ein Großteil meines Lebens einfach auf Strecke. Uni? Die Tage, an denen ich aktiv was dafür getan habe, dass die 3 Jahre meines Bachelorstudiums mehr als nur gut gemeint sind, liegen schon eine ganze Weile zurück. Heute beschränkt sich mein Einsatz auf ein paar Stunden körperliche Anwesenheit, mal mehr mal weniger. Sexualität? Kann mich nicht dran erinnern, wann mich das zum letzten Mal wirklich gekratzt hat. Bis auf ein wenig Masturbation dann und wann zum gelegentlichen Frustabbau, kann ich dafür erstaunlich wenig Begeisterung aufbringen. Familie? Der Kontakt wird eher weniger als mehr. 600km entfernt macht meine Schwester gerade ihren Schulabschluss und ihren Führerschein und ich schaffe es nicht ein einziges Mal, sie anzurufen? Meine Mutter leidet mit Abstand am meisten unter dem Tod meines Vaters, vor einem Jahr. Naja, ein Anruf alle 2,3 Wochen ist mal drin. Was meine Freunde angeht, würde das wohl ähnlich laufen, wenn sie nicht so geduldig mit mir wären. Nenn mir einen Bereich des Lebens und ich sag dir, wie ich darin gerade alles an die Wand fahre.
Das klingt vielleicht etwas drastisch, aber ich will dazusagen, dass es auch bessere Zeiten gibt. Immer wieder gibt es auch Phasen in denen ich eben gezielt dagegen ansteuere, dass mich negative Gedanken übermannen, diese sind aber in letzter Zeit von immer kürzerer Dauer.
Es ist hart das alles zu schreiben, weil es die Wahrheit ist. Ich fühle mich wie das sprichwörtliche Häufchen Elend, zerfressen von lähmendem Selbstmitleid, nur darauf wartend, dass sich auf wundersame Weise etwas ändert. Ein Strudel negativer Gedanken, der in sich selbst kreist und dabei andere mit runterzieht. Und ich kann ja nichts dafür, ich hab mir das ja nicht ausgesucht, wenn ich könnte und so weiter und so fort.
Es geht nicht um Mitleid, das ist nun mal die Geschichte, die ich zu erzählen habe. Ziel des Ganzen ist es, da rauszukommen und die negativen Gedanken abzuschütteln. Eben "Aufräumen mit sich selbst, selbstbestimmt leben, aktiv sein und sich nicht von den Umständen treiben lassen."
Dieser Eintrag ist jetzt doch länger geworden, als ich gedacht hatte und könnte im Prinzip noch deutlich länger sein.Ich wollte verdeutlichen, was mich dazu bewegt hat, dieses Projekt zu starten und das habe ich hoffentlich damit geschafft. Deshalb breche ich an dieser Stelle ab und das Projekt, das mir vorschwebt, bekommt der Übersichtlichkeit halber einen eigenen Post.