Verschollen im Kaninchenloch. Über das stARTcamp München 2014 zum Thema digitales.weiter.denken
Der Mai ist voll mit lauter tollen Social-Media-Veranstaltungen. Von der #rp14 ging es für mich also quer durch Deutschland weiter nach München. Von Schokoladen-Apps bis Kulturklos – das #scmuc14 bot viel Input, viele schöne Ideen und viele interessante Begegnungen. Dazu war es mein erstes Barcamp und ich wurde gewarnt: Barcamps machen süchtig. Zu Recht: Schon jetzt plane ich meine Reise zum #scry14.
Zu Beginn wurden wir von Christian Gries und Sybille Greisinger von den Kulturkonsorten begrüßt.
Christian Gries machte Mut, Social Media auch im Kulturbetrieb intensiv zu nutzen: „Kunst wird zu Wissen, indem man sie teilt“. Die sozialen Netzwerke können einen großen Beitrag für Wissens- und Kulturvermittlung leisten. Sie bieten daher Kultureinrichtungen ein großes Potentiel, das leider noch viel zu oft ungenutzt brachliegt. Danach gab es eine Vorstellungsrunde der Teilnehmer und der Sessionplan wurde erstellt.
Die Themen der Sessions waren sehr vielfältig und deckten fast alle Kultursparten ab. Nach einer kurzen Entscheidungsphase – es fanden immer drei Sessions parallel statt! - ging es los.
Zuerst besuchte ich eine Session von Tanja Praske zum Thema „Bloggen pro Kultur“. Für Kultureinrichtungen bietet ein eigener Blog viele Vorteile: Einen Blick hinter die Kulissen, Wissensvermittlung, Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit. Ein Blog ist eine stets geöffnete, kostenlos virtuell zugängliche Außenstelle der Kultureinrichtung. Blogstöckchen und Blogparaden bieten Abwechslung und Vernetzung mit der Blogger-Community. Außerdem hat ein Blogbeitrag eine viel längere Halbwertszeit als z.B. ein Facebook-Post, der durchschnittlich nach drei Stunden schon wieder „weg“ ist. Wichtig: Ein Blog und Social Media überhaupt sollten persönlich sein. Menschen möchten mit Menschen kommunizieren und nicht mit Institutionen. Danach gab es ein leckeres Mittagessen, das wir sehr komfortabel im schönen Literaturhaus über den Dächern von München genießen durften.
Im Anschluss war ich in der Spontan-Session von Peter Schmid-Meil zum Thema „E-Publishing“. Wer noch nicht wusste, was es für verschiedene E-Book-Formate gibt, wurde hier gut und verständlich in die Materie eingeführt. Danach ging es in die Diskussion: „Verlage suchen immer neuen Content. In der Kultur gibt es so viele Geschichten zu erzählen. Wo seid ihr?“ fragte Peter Schmid-Mail. Danach wurde angeregt diskutiert. Bieten E-Books Mehrwert für z.B. Besucher von Museen? Wie können Kultureinrichtungen das Potential von E-Publishing nutzen, um neue Besuchergruppen zu erreichen? Das Lenbachhaus in München hat dieses Jahr erstmals ein E-Book zur Ausstellung „Playtime“ erstellt. Ermöglicht wurde das Projekt durch einen Sponsor. Ein Modell für andere Kultureinrichtungen?
Anke von Heyl berichtete in der nächsten Session „Crowdfunding für Kulturprojekte“ von ihrem Crowdfunding-Projekt, mit dem sie das Buch „Köln trotz(t) Armut. Ein Buch für die Straße“ finanziert hat. Wie funktioniert erfolgreiches Crowdfunding? Immerhin klappt es nur bei 50% der Projekte. Zentral ist, dass das Projekt authentisch, persönlich und zielgruppenorientiert ist. Crowdfunding sollte als Tool für Community-Bildung und Marketing genutzt werden. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind ein gutes Netzwerk, Transparenz, ein realistisches Fundingziel und Beharrlichkeit. Als Laufzeit sind 30 bis 40 Tage empfehlenswert. Man sollte möglichst viele Blogposts auf der Projektseite bei Startnext reinstellen und ein Pitch-Video haben. Und ganz wichtig ist es, Multiplikatoren und Influencer damit zu erreichen.
Danach stellte Johannes Lachermeier in „Nationaltheater - die App“ die Jubiläumsapp der Bayerischen Staatsoper vor. Eine App, die den Nutzern viel bietet: einen virtuellen Rundgang durch die Oper, den aktuellen Spielplan, einen Ticketshop und eine Favoritenfunktion mit Push-Benachrichtigung. Es ist eine Hybrid-App sowohl für Android als auch für iOs und sie wurde bis jetzt fünftausendmal heruntergeladen. Wir überlegten gemeinsam, warum die Push-Benachrichtungsfunktion, die den Nutzer an für ihn interessante Opernaufführungen erinnert, kaum genutzt wird. Sind die Auswahlkriterien zu ungenau? Wissen die meisten Nutzer gar nicht von der Funktion? Und was ist mit so einer App für Kultureinrichtungen noch alles möglich?
Die nächste Session „Das neue Rabbithole“ mit Frank Tentler drehte sich um Kaninchenlöcher und Alice im Wunderland. Was will der Nutzer? Was bringt den Nutzer zum Produkt? Wie bekommt er Lust auf mehr? Die Zauberwörter sind Gamification und Transmedia-Storytelling. Der Nutzer will Exklusivität und Unterhaltung, die mitteilbar sind. Spiel, Spaß und Abenteuer lassen uns dem weißen Kaninchen folgen, führen uns zum Produkt und lassen uns nicht mehr los. Gemeinsam überlegten wir, was eine unwiderstehliche App, eine „Schokoladen-App“, ausmacht. In erster Linie sollte sie mit dem Nutzer kommunizieren. Mit Hilfe von Exklusivität, Unterhaltung und Community soll die Marke Wunderland wieder etabliert werden.
Zum Abschluss ging es mit Wibke Ladwig um „Aktionskunst für die Freiheit des Netzes“: Wie können wir mit den Mitteln der Kunst auf netzpolitische Themen wie Datenschutz und Überwachung aufmerksam machen? Wie können wir über den digitalen Raum den öffentlichen Raum zurückerobern? Wie können wir Aktionen über „dieses Internet“ oder Datenschutz bündeln? In Gruppenworkshops erarbeiteten wir Konzepte und Lösungen. Dabei kamen viele gute Ideen zusammen – von dem Hashtag #bringbackourdata (abgewandelt #bringbackourgirls) bis zu ganzen Kunstprojekten.
Der Tag klang im Haus der Kunst angeregt und gemütlich aus. Zuerst besuchten wir die Ausstellung „River of Fundament“ von Matthew Barney im Haus der Kunst. Dann zelebrierten wir zum ersten Mal in München #drinkingaboutmuseums in der Goldenen Bar im Haus der Kunst. Schön war's - nach #scmuc14 ist vor #scry14!













