Na, dann sprechen wir mal Laut... (Speakertest inside)
Da ich mich ja hier im Land der unbegrenzten Auswahl zu befinde, in dem ich viele Dinge nun endlich bei anständigen Wechselkurs ohne lästige Versand- und Einfuhrgebühren zulegen kann, schöpfe ich natürlich gerne aus dem Vollen. Wie heisst es doch so schön: Wir leben zwar weit über unsere Verhältnisse, aber noch lange nicht standesgemäß. Also los...
Nachdem ich mir ja schon einen sehr hübschen Amp bei 3 Monkeys geordert habe, bestelle ich mir doch gleich auch noch zwei der vielgepriesenen Scumback Speaker, die ja das beste sein sollen, das der Markt an Vintage Celestion Kopien hergibt. Ich bestelle das beliebteste Modell M75 (Klassischer Greenback) und den Scumnico S75 (Silver Alnico), beide in der 65Watt/8Ohm Version. Da ich sowohl auf Greenbacks als auch auf Silver Alnicos stehe, scheint mir das eine smarte Wahl. Beide kommen mit FBI, sind also ab Werk schon schon eingebrochen. Sagt man das so? Klingt komisch irgendwie ... naja, künstlich eingespielt halt.
Der Organgrinder ist ein kleiner 1x12 Combo und wird mit einem aktuellen Greenback ausgeliefert. Nix besonderes. Der ganz normale 25 Watt Chinese von der Stange
Dann swappen wir mal ab:
Zunächst mal die Werksvariante mit Celestion. Right out of the box klingt der Amp schon sehr amtlich. Der Greenback steht dem ansonsten eher tweedangelehnten Amp sehr gut. Kompakte, kräftige Mitten mit straffem und nicht so schubstarkem Bassbereich und offenen, klaren Höhen (was bei nem Gitarrenlautsprecher halt Höhen sind) aber nicht harsch oder klirrend. Eher "zurückhaltend klar" wenn das irgendwie Sinn macht. Insgesamt wirkt er aber ein bisschen steif und ungelenk. Gut, ist ja auch noch fabrikneu.
So, dann schrauben wir mal den M75 rein. Was als erstes auffällt: der ist leiser! Nicht viel, aber merklich. Insgesamt klingt er wärmer und sehr ausgewogen. Obenrum wirkt er eher ein bisschen belegt. Sehr plastischer und kultivierter sound. Weniger rauhbeinig als der Greenback. Klingt edeler, ist mir aber in dem kleinen Combo fast schon etwas zu fett.
Ok, dann mal wieder den Schrauber starten, Lötkolben vorwärmen und den Scumnico reinfriemeln. Der Sound ist dem Greenback nicht so unähnlich (ist ja auch der gleiche Cone... ) Die Mitten sind rund, der Bass etwas definierter und die Höhen singen und schmatzen etwas mehr. Gerade da ist er sehr komplex und hat diesen Typischen alnico Sound. Die Höhen sind mir in dem Amp aber schon fast zu komplex und dieses spezielle röcheln ("Alnico swirl" sagt der Hersteller) fand ich nur bis zu einem bestimmten Verzerrungsgrad richtig attraktiv. Insgesamt aber ein sehr plastischer und lebendiger Sound. Eher auf der warmen Seite, verglichen mit einem Celestion Gold z.B., der ja ähnliche Leistungsmerkmale vorzuweisen hat. Erstaunt hat mich vor allem, dass der Amp mit dem Lautsprecher im cleanen Bereich etwas blutleer klang. Als ob der Speaker nicht genug ans arbeiten käme. Bei dem M75 hatte ich das auch schon ein bisschen, hier aber noch stärker. Jim Seavall versicherte mir zwar, dass der Speaker mit hoher Leistung an so einem Amp auch toll klingt. Aber wahrscheinlich sind die Geschmäcker da verschieden.
Zum Schluss, und das wird einige (allem voran mich selbst) sicherlich überraschen, habe ich den billigen Celestion Greenback wieder eingebaut. Im Kontext des Organ Grinder hat er mir mit deutlichem Abstand am besten gefallen. Zwar muss er noch ein bisschen eingespielt werden aber das räudige, etwas aggressivere Klangbild mit den härteren und definierteren Höhen unterstreicht den Charakter des Amps für mich am besten. Der will einfach mal etwas von der Leine gelassen werden. Die Scumbacks waren mir hier dann doch zu sehr "Herrenlautsprecher".
Dennoch sind die Scumbacks tolle Speaker, die ihr Geld zweifelsfrei wert sind und mich auch sicher noch sehr glücklich machen werden. Nur halt nicht in diesem Amp :-)
Wir sehen: Teuer heisst nicht zwangsläufig gleich besser. Eine beruhigende Erkenntnis, wie ich finde.











