Worüber jammert ihr eigentlich? - Wahrhaft schreckliche Serienenden, damit ihr mal wisst wie das ist
Das Seltsamste an all dieser Jammerei rund um das Serienende von "Stranger Things" sind nicht einmal die damit einhergehenden Verschwörungstheorien, sondern vielmehr die Frage warum so viele Leute überhaupt der Meinung sind dieses Serienfinale wäre schlecht. Normalerweise, wenn eine Serie endet, kann man zumindest nachvollziehen warum manche Leute das Ende nicht mögen könnten, selbst wenn man es selbst mag (genau wie umgekehrt). Im Fall von "Stranger Things" haben sich aber all die Jammerlappen ja nicht einmal das Selbe vom Finale der Serie erwartet, weswegen es auch mehr oder weniger unmöglich ist nachzuvollziehen was jetzt genau so schrecklich an diesem Finale sein soll. Vielleicht liegt das aber auch vor allem daran, dass man im Laufe ihres Lebens mehr Serienenden gesehen hat als die meisten modernen Serien Episoden hatten und da alles dabei war - gute Ende, schlechte Enden, Last Minute Improvisations Enden, offene Enden, keine Enden, Enden mit Epilog, Enden ohne Epilog, WTF-Enden und sogar Enden, die letztlich überhaupt keine Enden waren. Kein Wunder also, dass deswegen Jammereien über dieses spezielle Ende einfach nur lächerlich erscheinen - denn es geht auf jeden Fall viel viel schlimmer. Ihr glaubt es mir nicht?
Hier eine Auswahl aus der Liste der objektiv gesehen tatsächlich schlechtesten Serien-Enden aller Zeiten, zu denen weder "Stranger Things", noch "Game of Thrones" und noch nicht einmal "Lost" zählen:
Zuallerst muss man nämlich betonen, dass die große Mehrzahl aller Serien gar kein Serienende im eigentlichen Sinn haben, sondern stattdessen einfach irgendwann aufgehört haben, weil sie von den Geldgebern abgesetzt wurden. Da das hier aber keine Liste aller furchtbaren Cliffhangar-Enden, mit denen wir zu leben lernen mussten, werden soll, stattdessen eine kleine Aufzählung der verschiedenen Arten von Enden, die kein Ende hätte sein sollen, wir aber vorgesetzt bekommen haben: Da wären die besonders in Genre-Serien sehr umtriebigen Universums-veränderen Cliffhangar wie etwa im Fall der kanadischen "Dark Matter"-Serie oder "Earth-2" vor all den Jahren, die ärgerlich sind, weil sie uns im wahrsten Sinne des Wortes an der spannensten Stelle hängen lassen - und das für immer. Noch öfter jedoch gibt es den unnötigen Cliffhangar am Ende in der letzten Szene, nachdem die Handlung der Staffel eigentlich positiv und zufriedenstellend abgeschlossen werden konnte, der die Handlung der nächsten Staffel hätte einleiten sollen. So ein Ende wurde Serien wie "Legends of Tomorrow" zum Verhängnis, da das Ende ohne Auflösung noch dazu die eigentliche Botschaft der Serie in sein Gegenteil umkehrt. Schlimmer ist es aber, wenn nicht nur die Staffel, sondern die Serie an sich eigentlich ein zufriedenstellendes Ende hatte, dann aber eine überraschende letzte Cliffhangar-Szene alles auf den Kopf stellt, und das obwohl diese Szene einfach weggelassen hätte werden können, da es abzusehen war, dass die Serie vermutlich keine weitere Staffel bekommen wird, wie wir es sehr eindrucksvoll mit "The Gifted" oder einige Zeit davor mit "Heroes" erlebt haben. So ein Cliffhangar-Ende wiegt noch schwerer, wenn man mit einem Teil einer Franchise zu tun hat, der unversehens mit Cliffhangar endet, noch dazu einem, der dem Rest der Franchise widerspricht - Paradebeispiel für diesen Fall war die "Mortal Kombat"-Real-Serie, die ein Prequel, das aber mit den Tod von diversen Figuren, die später wichtiger waren, endete. Selbst nur offene Enden anstelle von Cliffhangarn sind in Fällen von Franchises mitunter ein Problem, weil die entsprechenden Handlungsfäden in den anderen Einträgen in die Franchise nie aufgelöst werden, weil "dazu ja keiner verpflichtet ist". Das schlimmste Beispiel dafür ist "Luke Cage", wo die Serie letztlich damit endet, dass der titelgebende Held zum Schurken wurde, was in den Schwesternserien auch nie mehr aufgelöst werden konnte, da diese kurz nach der Serie ebenfalls eingestellt wurden, und es fraglich ist, dass sich "Daredevil: Born Again" die Zeit nehmen wird sich dieses Problematik entsprechend anzunehmen. Manche Serienmachen spüren oder wissen dann doch noch gerade rechtzeitig, dass es doch nicht weitergeht und versuchen deswegen schnell doch noch ein Ende hinzuschustern. Der spektakulärste Fehlgriff in dieser Hinsicht stellt "Castle" dar, wo man einen schnellen "Happy End"-Epilog nachgedreht und an den Cliffhangar angetackert hat, der aber aufgrund von Schnitt, dem ausgewählten Zitat aus Folge 1, und den generellen Ton so wirkt als ob er in Wahrheit eine Todesvision von einem "Was wäre wenn"-Szenario der beiden sterbenden Hauptfiguren ist, da an keiner Stelle zu sehen ist, dass sie die Schüsse auf sie tatsächlich überlebt haben. Auch nicht viel besser ergeht es Serien, die einfach mitten in der Staffel eingestampft wurden und entsprechend mit einer beliebigen Episode enden. Unter denen sind viele enttäuschend, aber selten schlecht, mit der wenig glorreichen Ausnahme von "seaQuest", wo sie in der letzten Episode in eine neue Hauptfigur und einen neuen damit zusammenhängenden Handlungsstrang eingeführt haben, der nie fortgesetzt wurde, weswegen man sich wünscht, dass sie sich diese Episode gleich ganz gespart hätten.
All diese Enden waren wie gesagt niemals als Enden konzipiert, sie wurden auf Grund der Umstände zu Enden. Doch die traurige Wahrheit ist, dass Enden, die als solche mit dem Wissen darum, dass sie Ende sind, geschrieben wurden mitunter die viel furchtbaren Serienenden darstellen. Natürlich ist es nie leicht ein Ende zu schreiben, immerhin gibt es im wahren Leben keine runden Enden im eigentlichen Sinne, es muss also immer getrickst werden. Aber es gibt Versuche ein eindrucksvolles Ende zu hinterlassen, die einen als Zuseher nur mit der Frage: "Entschuldigung, aber was haben sich die Macher dabei eigentlich gedacht?" zurücklassen.
So gibt es etwa eine ganze Reihe von Serien, deren Finalen an sich durchaus gut wären, wenn sie nicht alle durch einen Faktor verbunden wären: Sie romantisieren Selbstmord. Diesen Trend kann man durch "Once Upon a Time", "The Vampire Diaries", "The Originals" und "Arrow" durch das US-Network-TV-Programm hindurch verfolgen und dabei zusehen wie aus dem heroischen Opfer im Fall von "The Originals" ein heroisches Opfer und einer, der ohne die Person, die sich heroisch opfert nicht leben kann und deswegen auscheckt, wurden, und im Fall von "Arrow" nur noch reiner selbstsüchtiger Selbstmord vorhanden ist, der zwar eigentlich aus der vorletzten Staffel stammt, aber im Finale noch man dezitiert als genau das bestätigt wurde. So ein störender Nebeneffekt in einem Finale kann einen schon mal eine ganze Serie vermiesen.
Dann gibt es aber noch all die Finalen, in denen das Problem nicht nur ein Plotelement ist, sondern alles, was man vorgesetzt bekommt. So ist es in Genre-Serien mitunter üblich im Finale schnell mal in eine andere Zeitlinie zu springen, und so alles, was vorher war, entweder nie passiert ist oder einfach die miesere Variante von dem war, was sein sollte. Gut geschrieben kann so ein Ende funktionieren, doch die meisten dieser Enden sind eben nicht gut geschrieben, weil sie keinen Sinn machen und man nicht weiß wie sie funktionieren sollen (Fringe), ein billiger Trick sind um klüger zu wirken als man ist (der BSG-Reboot), einfach nur ein gemeines Ende darstellen, das sagt, das alles, was man in der Serie gesehen hat, umsonst war (Travelers) oder man ernsthaft behauptet die Welt wäre ohne unsere Hauptcharaktere besser dran ohne auch nur einen einzigen Beweis dafür zu liefern (The Umbrella Academy). Interessanter Weise geht der Award der schrecklichsten Version dieses Ende aber an keine Genre-Serie, sondern an eine Sitcom, da die ursprüngliche "Roseanne"-Serie mit genau diesem Ende endet, als sich heraussstellt, das alles, was wir zuletzt gesehen haben, nicht wirklich passiert ist, sondern nur ein Buch war, das Roseanne gechrieben hat um (nicht) zu verarbeiten (müssen) was in Wahrheit geschehen ist. Zwar wurde dieses Ende von der Fortsetzungs-Serie erneut geretconned, aber es war trotzdem das ursprüngliche Ende, das irgendjemand für eine gute Idee hielt.
Andere Schreiberlinge hielten es für eine gute Idee ihre Serien damit zu beenden, dass sie versuchen die Essenz der Serie im Finale zusammenzufassen. Furchtbar fehl mit diesen Ansatz ging "Seinfeld", das mit einer Clipshow und allen Charakteren im Gefängnis endete und bis heute zu den verhasstesten Serienenden aller Zeiten zählt, weil irgendjemand dachte, dass es das ist, was die Fans in der letzten Folge sehen wollen. Andere gingen fehl in dem sie sich einfach dachten: "Klassiker sind nie schlecht", aber genau damit unrecht hatten, da ihre Serienenden im Grunde "The Same Old Shit"-wurde, den man zuvor schon besser gesehen hatte und eigentlich nicht als Serienende haben wollte. So opferte sich Xena mal wieder um für ihre Sünden zu büßen, musste aber dieses Mal tot bleiben, weil es ja das Serienende war; die Voyager kam zwar nach Hause, aber nach zwei Stunden Remake der 100sten (und viel besseren) Folge und ohne, dass wir in der Serie selbst je erfahren haben, was aus den ehemaligen Mitgliedern des Marquis, dem Holodoc oder Seven of Nine nun im Alpha-Quadranten unter Gerichtbarkeit der Förderation wurde, und SG-1 besiegte die Ori nicht im Serienfinale, sondern im Film, der danach auf DVD veröffentlicht wurde, weil man in der letzten Folge lieber wieder mal eine charakterbezogene Zeitreise-Folge, an die sich aber nur einer unserer Helden erinnern kann, machen wollte. Versuche wie diese lassen einen an der Idee, dass kein Ende besser als ein Ende ist, doch wieder zweifeln. Immerhin will man, dass die letzte Episode einer Serie ein würdiges Ende einer Geschichte darstellt.
Doch wer versucht etwas besonders zu machen, der kann auch sehr fehl gehen. "The Dinos" hat mit seiner letzten Episode sicherlich ein Zeichen gesetzt, aber es war nicht unbedingt eines, das man in der letzten Folge von dieser (oder irgendeiner, was das angeht) Serie sehen wollte. Manchmal ist das Ende von Allem keinen Cliffhangar geschuldet wie es scheint. Wenn man das Ende von Allem schreiben muss, setzt einen das natürlich auch unter Druck, doch Rick Berman und Brannon Braga haben sich keine Freunde gemacht, als sie das Ende von "Star Trek: Enterprise" dem Ende der Trek-Franchise opferten. Dadurch hat "Enterprise" nun nämlich kein Ende, da die letzte Episode eine Holodeck-Simulation während TNG-Zeiten ist, die in Wahrheit vielleicht niemals so stattgefunden hat. Nicht nur die Fans, sondern auch der Cast fühlte sich durch dieses Nicht-Ende verraten.
Verraten konnte Showmacher ihren eigenen Traum aber auch durch Enden, die einfach nur die angeblich immer geplanten Enden ihrer Serien darstellten. "How I met your Mother" präsentierte uns ein Ende, das zuletzt problemfrei zu Staffel 2 gepasst hätte, in Staffel 9, was zu diversen Problemen wie rückentwickelten Charakteren, einem Untergraben der gesamten Handlung der finalen Staffel, und dem alternativen Titel "How I settled for your Mother" für die Show führten. "The 100" wollte uns die ultimative moralische Lektion der Serie am Ende präsentieren, legte aber zweierlei Maß an, womit die eigene Botschaft ständig untergraben wurde und präsentierte uns die Ausrottung der Menschheit zugleich als Gute und Schlechte Sache, was mehr als nur ein wenig widersprüchlich herüberkam. "Merlin" hingegen hielt es für eine gute Idee fast die gesamte letzte Episode damit zuzubringen einem der beiden Hauptcharaktere beim langsamen qualvollen Sterben zuzusehen und uns damit auch noch das die ganze Serie über versprochene Goldene Zeitalter der Gleichberechtigung vorzuenthalten oder in die heutige Gegenwart mit einem alten Merlin aber ohne Arthur als König zu versetzen - wer kann schon sagen was die sich sich bei diesem Ende gedacht haben? Was sie sich bei "Gossip Girl" gedacht haben, wissen wir: Sie wollten uns schockieren. Nur leider ergibt es nicht nur keinen Sinn, dass Dan immer Gossip Girl war, diese Enthüllung zerstört auch die gesamte Serie mit der Reaktion aller anderen auf diese Enthüllung (ganz zu schweigen darüber, was sie über Dan aussagt) und gibt uns außerdem wieder einmal eine fragwürdige moralische Botschaft mit, da Dan Gossip Girl kreiert hat um Serena rum zu kriegen, und die beiden im Serienfinale heiraten, obwohl sie alles darüber weiß. Uns wird also gesagt, dass so eine Taktik nicht nur funktioniert, sondern auch in Ordnung ist.
In Ordnung fanden manche Autoren aber auch die Variante ihr Serienende für Rache zu missbrauchen. "Lost World" endet mit dem Ende des Universums, weil die Autoren wussten, dass es wohl keine weitere Staffel geben würde, da niemand von Oben mehr ihre Skripts gegenlas, woraufhin sie alle zuvor verbotenen Handlungselemente in die letzte Folge einbauten und dann alles ohne mögliche Lösung implodieren ließen. Ähnlich verfuhr man sogar unter der Nase von Michael Landon, der seine christlichen Werte für das Ende von "Unsre kleine Farm" zurückstellte um den Entscheidungsträgern eins auszuwischen. Nachdem die Bewohner erfahren haben, dass sie enteignet werden bzw. immer nur illegale Landbesitzer in Walnut Grove waren, sprengen sie die gesamte Stadt mit Ausnahme der Kirche (immerhin ist Michael Landon anwesend gewesen) in die Luft und ziehen in eine ungewisse Zukunft ab während sie "Onward Christian Soldiers" singen. Nein, das ist kein Scherz, so endet der letzte Film, da die Verantwortlichen erfahren hatten, dass sie gecannelt worden waren, ihre Sets aber weiterverwendet werden sollten, was sie nicht zulassen wollten. Die schlimmste Rache aber nahmen Serienmacher an ihren Zusehern mit dem Finale von "Two and a Half Men" - neben Charlie Sheen wurden darin nämlich vor allem die Zuseher zwei Folgen lang dafür gebashed, dass sie sich die Serie immer noch bzw. überhaupt jemals angesehen haben, wenn Charlie als doch nicht tot enthüllt wird, nur um auf die denkbar dämlichste Weise zu sterben, alle Entwicklungen der finalen Staffel ignoriert werden, sich alle Hauptcharaktere untypisch und seltsam verhaltene und man sich am Ende wirklich nur noch fragt was man Chuck Lorre eigentlich getan hat um es verdient zu haben dieses Ende vorgesetzt zu bekommen.
Also ja, das waren wirklich schreckliche Serienenden. Ist in "Stranger Things" irgendetwas passiert, das nur annähernd mit irgendetwas von dieser Liste zu vergleichen ist? Nein? Na dann, haltet endlich die Klappe und werdet erwachsen. Oder ihr seid nicht besser als jemand, der seine Heimat zerstört nur um seinen Vermieter eins auszuwischen.












