6. November 2022
Ich geh' mit meiner (Solar)Laterne, und meine Laterne mit mir
Für diese lauen Sommernächte am See (derzeit nur eine vage Erinnerung) und überhaupt fürs Campen und ähnliche Outdoor-Aktivitäten habe ich mir eine kleine solarbetriebene Laterne zugelegt. Die ist aufblasbar, das klingt komisch, ist aber sehr effektiv: mehrere kleine LED-Lämpchen bekommen durch das aufblasbare Plastikgehäuse die Anmutung einer Lampe, die bei Nichtgebrauch und für Transport entlüftet und zusammengedrückt wird.
Weil’s eine sehr kleine Laterne ist, ist nicht nur das Solarpanel obendrauf sehr klein. Es ist auch keine Möglichkeit vorgesehen (wie bei den größeren Versionen), den Akku für die LED-Leuchten hilfsweise per USB aufzuladen. Ohne Sonneneinstrahlung ist diese Lampe also irgendwann am Ende.
Und das ist in diesen Spätherbsttagen das Problem. Zwar scheint die Sonne zum Beispiel an diesem Sonntag reichlich. Aber der Winkel der Sonneneinstrahlung ist so flach, dass eigentlich überall nur Schatten herrscht, sofern man nicht auf freiem Feld steht.
Deshalb schnalle ich mir die fast leere Laterne auf den Rucksack und gehe mal aufs Feld. Genau genommen aufs Tempelhofer Feld, den ehemaligen Zentralflughafen in Berlin. Etwa acht Kilometer ist eine Runde um das gesamte Area lang, je nachdem, wie viel Abkürzungen man so nimmt, und ich brauche etwa 90 Minuten in der direkten Sonne. Danach ist die Lampe zwar noch nicht ganz voll, aber ziemlich.
Natürlich hätte ich mich auch einfach die eineinhalb Stunden irgendwo aufs Tempelhofer Feld setzen und die Laterne zum Aufladen neben mich stellen können. Aber erstens wäre das langweilig, und zweitens komme ich mir vor wie die nachhaltige Variante dessen, was vor 30, 40 Jahren ziemlich üblich war: Wenn die Batterie von VW Käfer, Citroën 2CV oder Renault R4 in die Knie ging, und das passierte oft, wurde der Wagen in gemeinsamer Anstrengung angeschoben, bis der Motor startete. Und dann wurde das Auto halt ‘ne Stunde gefahren. Bis die Batterie wieder voll war.
Das gibt’s heute, glaube ich, gar nicht mehr – die Starterbatterien sind selten(er) leer, ob Anschieben überhaupt noch funktioniert, weiß ich gar nicht, und eine Stunde lang Sprit verballern, nur um die Batterie aufzuladen? Das passt nicht mehr in die Zeit. Mit der Solarlampe ein paar Kilometer laufen dagegen schon.
(Thomas Wiegold)









