29. Mai 2025
Literaturbericht verfassen lassen
Ich verbringe den Auffahrtstag mit der Bewertung von Leistungsnachweisen. Die Studierenden (Fachbereich Industrial Design, 4. Semester) mussten einen Literaturbericht schreiben, indem sie eine im Seminar gelesene Quelle mit einer selbst recherchierten Quelle vor dem Hintergrund einer spezifischen Frage vergleichen sollten. Eine klassische und, wie sich zeigt, auch etwas altmodische Aufgabe aus dem Kontext Hochschule.
Die Berichte sind überdurchschnittlich gut: klar aufgebaut, sauber formuliert, orthografisch fehlerfrei, sogar die Kommas befinden sich am richtigen Ort. Die qualitativen Unterschiede zwischen den Berichten sind minimal. Dass hier KI/LLM am Werk waren, ist kein Geheimnis; ihr Einsatz wird im Hilfsmittelverzeichnis deklariert. Im Gegensatz zu „früher“ (vor einem Jahr) vermag ich kaum zu beurteilen, wo genau die Eigenleistung der Studierenden liegt. Die Aufgabe „Literaturbericht verfassen“ ist für mich so nicht mehr bewertbar. Ich werde mir für den nächsten Zyklus neue Aufgaben ausdenken müssen.
(Eine Unterrichtsassistentin, die an einer anderen Hochschule ein Masterstudium absolviert, erzählt mir, als ich ihr mein Leid klage, folgende Anekdote: Sie habe kürzlich eine Aufgabenstellung erhalten, bei der es darum gegangen sei, das, was eine KI/LLM einem Forschenden geraten habe, kritisch zu beurteilen. Sinngemäss etwa so: „Dein Kollege entwickelt ein Forschungsvorhaben. Er hat eine KI gebeten, ihm Angaben zum methodischen Vorgehen und zur Gliederung des Forschungskonzepts zu liefern und von der KI folgende Information erhalten …… Beurteile die Angaben der KI kritisch und formuliere eine Rückmeldung an deinen Kollegen dazu, was du anpassen, ändern und überdenken würdest.“)
(Franziska Nyffenegger)












