Ich besitze eine zweistellige Anzahl an Musikinstrumenten, die meisten davon funktionieren, und ich kann einige davon ein bisschen spielen. Aber eigentlich will ich in einer Band sein. Oder in einem Ensemble. Irgendwas. Dafür gibt es genau zwei Optionen, die eine, ein anderer Mensch zu werden und Freunde zu haben. Die andere: Overdubbing, das heißt, alles selber machen.
Seit Jahren spiele ich mit “Digital Audio Workstations” (DAW, bekanntes Beispiel ist Apples “Garage Band”), ohne damit aus dem Anfangsstadium rauszukommen. Es passiert einfach zuviel in dieser Software, als dass es Spaß machen könnte. Der Workflow fühlt sich überhaupt nicht so an wie in einer Band zu sein. Es ist eher wie grafisches Programmieren, und dafür habe ich mir kein Klavier gekauft. Seit Jahren suche ich nach dem einfachsten DAW der Welt, aber eigentlich suche ich nach etwas anderem.
Dann stieß ich durch Zufall auf Tutorials von KT Tunstall, die bei Livekonzerten mit einem Looper arbeitet. Genaugenommen mit einem Akai Headrush version 2, diesem hier.
Das ist nicht KTs Headrush, sondern meiner. Das Gerät wirkte in den Tutorials so großartig altmodisch, es ist aus Metall, kompakt, aber angenehm schwer. Ich wollte genau dasselbe. Außerdem wird es nicht mehr gebaut, ich erstand es auf dem Gebrauchtwarenmarkt für Studiohardware. Es kann drei verschiedene Dinge, aber ich brauche es, genau wie KT, nur zum Loopen. Dafür braucht man nur zwei (ZWEI) Knöpfe, die beiden am unteren Ende, und sie werden mit den Füßen bedient. Rechts ist aufnehmen, links abspielen. Ein Kabel geht rein, vom Instrument oder Mikrofon, und ein Kabel geht raus, zum Verstärker und Lautsprecher oder Kopfhörer. Insgesamt kann es 12 Sekunden aufzeichnen, zum Beispiel ein In-die-Hände-Klatschen. Dann spielt man drüber, zum Beispiel Fingerschnippen. Dann wieder, zum Beispiel zwei Akkorde. Und so weiter. Unendlich viele Schichten. Es dauert ein paar Abende, das Timing präzise hinzukriegen, aber selbst das fühlt sich schon an wie in einer Band spielen.
Jetzt muss ich nur noch die Band aufbauen. Dafür brauche ich einen Verstärker, ein Mikrofon, einen kleinen Mixer, und Instrumente. Und Kabel, Kabel sind überhaupt das wesentliche Element. Man braucht immer noch ein Kabel, das man noch nicht hat. Das große Keyboard geht direkt in den Mixer, das Mikrofon auch. Genau wie die Stompbox. Die MIDI-Instrumente gehen zum iPad, das wiederum in den Mixer geht. Der Mixer hat eigentlich nur die Funktion, alle Geräusche zu vereinen, und zwar mit Lautstärkereglern an jedem Eingang. Dann schickt der Mixer alles an den Looper, der wiederum zum Verstärker liefert. Fertig ist die Band.
Mit Hilfe des Loopers kann ich mir jetzt in wenigen Sekunden einen wirren Hintergrund erzeugen, auf dem ich improvisieren kann. Es hilft, wenn der Hintergrund nur ein, zwei Akkorde hat. Vorschläge für Songs dieser Art nehme ich gern entgegen. “Love You Madly” von Cake habe ich schon. “Seven Nation Army” auch.
Moment, was ist noch gleich eine Stompbox? Mein neues Lieblingsinstrument: Von außen sieht es aus wie ein Holzklotz, und viel mehr ist es auch nicht. Drinnen ist irgendein elektrisches Element, das elektrische Bumm-Laute erzeugt, wenn man mit dem Fuß drauf haut. Eine total einfache Bassdrum. Oder eine Stompbox. Ich fand meine Stompbox auf Facebook Marketplace, und kaufte sie auf dem Markt um die Ecke von einem schottischen Gitarristen.